Lützerath: Die Klimajugend hat schon jetzt gewonnen - Kolumne von Sascha Lobo - DER SPIEGEL
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Sascha Lobo

meinung •Auf Augenhöhe mit der Machtmaschinerie Die Klimajugend hat schon jetzt gewonnen

Sascha Lobo
Eine Kolumne von Sascha Lobo
Egal, wie der Kampf um Lützerath ausgeht: Die Bilder und Erzählungen des Protests werden im Gedächtnis bleiben. Dahinter steckt eine clevere Kommunikationsstrategie.
Polizisten im Einsatz in Lützerath: Es sind Fotos wie dieses, die in den sozialen Netzwerken geteilt werden
Polizisten im Einsatz in Lützerath: Es sind Fotos wie dieses, die in den sozialen Netzwerken geteilt werden

Polizisten im Einsatz in Lützerath: Es sind Fotos wie dieses, die in den sozialen Netzwerken geteilt werden

Foto: Marius Michusch

Gegenwärtig findet ein Kampf um Lützerath statt. Auf der einen Seite steht die Bewegung, die man als »Klimajugend« beschreiben muss. Auf der anderen Seite steht der Energiekonzern RWE, gemeinsam mit dem Staat in verschiedenen Formen: der Polizei, der Landes- und der Bundesregierung. Die einen wollen Braunkohle abbauen, die anderen genau das verhindern. Dieser Kampf ist prototypisch für gesellschaftliche Bewegungen des 21. Jahrhunderts, er taugt als Blaupause für Protest in liberalen Demokratien.

Nur dass es eine Besonderheit gibt im Kampf um Lützerath: Die Klimajugend hat den Kampf bereits gewonnen. Und zwar fast egal, wie der Konflikt ausgeht. Mit wenigen denkbaren Ausnahmen wird die Klimajugend gestärkt aus Lützerath herausgehen, und diese Ausnahmen beziehen sich auf eine übertriebene, gewalttätige Eskalation von ihrer Seite, was aufgrund der Cleverness zwar nicht ausgeschlossen, aber eher nicht wahrscheinlich ist.

Für den bereits feststehenden Sieg der Klimajugend gibt es vor allem zwei große, miteinander verwobene Gründe. Der erste: Es entstehen auch bei Nicht-Verhinderung des Braunkohleabbaus Bilder und Erzählungen, die der Klimajugend nutzen. Der zweite: Die Protestierenden haben eine hervorragende Öffentlichkeits- und Social-Media-Strategie.

Es beginnt mit der Pflicht, also dem sozial-medialen und presseseitigen Handwerk, die es mit jedem noch so versierten Unternehmen aufnehmen könnte. Unter den verschiedenen Strömungen und Teilen der Lützerath-Bewegung findet sich etwa die Bündelungswebsite luetzerathlebt.info mit dem »Lützi-Ticker '22« , der zeigt, wie unter anderem Instagram, Twitter, YouTube, Telegram und Mastodon bespielt werden. Dazu gibt es Gruppen auf Signal und Matrix und einen Podcast-Kanal namens »An der Kante« via RSS und auf Spotify. Man kann anrufen, SMS senden, selbst Fotos hochladen, Mails schicken (verschlüsselt und unverschlüsselt).

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