»Bösartige Cyberaktivitäten« USA und EU werfen China Hackerangriffe vor
Ein US-Soldat beim Computereinsatz. Westliche Regierungen werfen China den gezielten Einsatz von Kriminellen vor, um Geheimnisse auszuspionieren
Foto: A3528 Armin Weigel/ dpaIn scharfen Statements haben die USA, die Europäische Union und weitere Verbündete am Montag China für eine ganze Reihe von Cyberangriffen verantwortlich gemacht. Der chinesische Staat sei unter anderem für die Angriffe auf Server mit Microsoft Exchange verantwortlich, die im März Zehntausende Firmen und Behörden weltweit betroffen hatten. Gegen vier mutmaßliche Hacker, die mit dem chinesischen Ministerium für Staatssicherheit in Verbindung stehen sollen, will das US-Justizministerium nun Anklage erheben.
»Wir haben bösartige Cyberaktivitäten mit beträchtlichen Auswirkungen entdeckt, die sich gegen Regierungsorganisationen und politische Institutionen in der Europäischen Union und gegen zentrale Industriezweige in Europa richteten«, erklärt der höchste Diplomat der EU, Josep Borrell, in einem offiziellen Statement. Konkret benannte er die Gruppen »Advanced Persistent Threat 40« und »Advanced Persistent Threat 31«, die vom Territorium Chinas aus operieren und regelmäßig Spionage und Industriespionage betreiben sollen, so Borrell.
Das Weiße Haus geht in seinem Statement noch weiter. Die amerikanische Regierung wirft China vor, »Auftragshacker« einzusetzen, die manchmal für die chinesische Staatssicherheit arbeiteten, zu anderen Gelegenheiten aber in die eigene Tasche wirtschafteten. Diese Täter seien unter anderem für Ransomware-Attacken verantwortlich, die Millionen von Dollar an Lösegeldzahlungen eingebracht hätte. Der Schaden, der durch den Diebstahl von Daten und sonstige Aktivitäten der Kriminellen entstanden sei, liege gar bei mehreren Milliarden Dollar.
Da sich die chinesischen Behörden weigerten, gegen die kriminellen Aktivitäten dieser Hacker vorzugehen, will das US-Justizministerium nun Anklage gegen vier mutmaßliche Täter erheben, die mit den chinesischen Staatsbehörden in Verbindung stehen sollen. Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, Forschungsdaten gestohlen zu haben, die zur Erforschung eines Impfstoffes gegen Ebola gebraucht werden. Solche Aktivitäten stünden im Gegensatz zu öffentlichen Erklärungen Chinas, auf solche Art von Attacken zu verzichten.
Gleichzeitig kündigte die Regierung Biden an, die Cybersicherheit im Lande wesentlich verbessern zu wollen. So habe der Geheimdienst NSA Schwachstellen in Microsoft-Produkten direkt an das Unternehmen gemeldet, statt sie für eigene Attacken zu nutzen. Gleichzeitig wollen die Behörden technische Details zu den China zugeordneten Angriffen veröffentlichen, sodass sich Firmen und Behörden weltweit besser absichern können.
Inzwischen schließen sich immer mehr Staaten und Organisationen den Vorwürfen an. Die norwegische Regierung wirft den chinesischen Hackern vor, den E-Mail-Dienst des norwegischen Parlaments attackiert zu haben. Auch die NATO veröffentlichte ein Statement, in dem China zu einem »konstruktiven Dialog« aufgerufen wird.
Am Dienstag hat der chinesische Außenamtssprecher Zhao Lijian die Vorwürfe als »Verleumdung« zurückgewiesen: Sein Land sei strikt gegen jede Form von Cyberangriffen, unterstütze und dulde diese auch nicht. Im Gegenzug beschuldigte der Sprecher die USA, selbst »die größte Quelle für Cyberangriffe weltweit« zu sein.