Büro-Software Attacke gegen Office
Die Tage, als Microsoft Office das Maß der Dinge war, scheinen gezählt. Allein am Dienstag gab es drei wichtige Ankündigungen von Firmen und Organisationen, die der etablierten Büro-Software Marktanteile abluchsen wollen. Interessanterweise handelt es sich dabei durchweg um kostenlose Angebote.
Am spannendsten ist sicher Googles Mitteilung, die hauseigene Präsentationssoftware sei nun fertig und würde in den Regelbetrieb übergehen. Damit kann Google seinen Kunden nun eine komplette Office-Umgebung im Web-Browser anbieten. E-Mail, Adressverwaltung und Kalender gibt es ja schon lange. Nun stehen mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm auch die übrigen Elemente bereit.
Und die haben gegenüber der Microsoft-Variante einige gewichtige Vorteile zu verbuchen. Vor allem natürlich, dass sie für Otto-Normal-Nutzer kostenlos sind. Den wird es auch nicht stören, dass Googles Online-Büro bei weitem nicht so viele Funktionen bietet wie Office. Viele Anwender dürften das sogar als Vorteil empfinden, macht es die Einarbeitung doch erheblich leichter. Außerdem sind Googles Programme bestens für Online-Zusammenarbeit geeignet, es können also mehrere Personen an einem Dokument arbeiten. Mit Office ist das nicht so einfach.
Auch IBM macht mit
Dafür fehlen der Google-Software etliche jener Profi-Funktionen, mit denen professionelle Anwender, insbesondere in Großunternehmen arbeiten. Eine Anbindung an spezielle Datenbanken etwa. Dafür stellt der Datenaustausch zwischen Google und Office kaum ein Problem dar, da Googles Online-Office Microsofts Dateien einlesen und auch wieder ausspucken kann.
Doch damit nicht genug, ist IBM heute der Gemeinschaft von OpenOffice.org beigetreten. Das von Sun initiierte Projekt kümmert sich um die Weiterentwicklung einer kostenlosen Büro-Software-Sammlung. IBM will der Gemeinschaft nun mit Programmcode aus seiner Lotus Notes-Bürosoftware unter die Arme greifen und beispielsweise Erweiterungen zur Barrierefreiheit beisteuern.
Adobe macht's vor
Und zu guter Letzt hat Yahoo am Dienstag angekündigt, für 350 Million Dollar die auf E-Mail-Software spezialisierte Firma Zimbra übernehmen zu wollen. Zimbras Angebote konkurrieren direkt mit Microsofts Exchange-Plattform, die als E-Mail-Lösung für Unternehmen angeboten wird. Bereits jetzt kann Zimbra einige hochkarätige Kunden, wie etwa den US-Internet-Provider Comcast vorweisen. Das Yahoo sich von dem Ankauf satte Gewinne erhofft zeigt sich auch daran, dass Branchenkenner den Jahresumsatz von Zimbra auf 10 bis 20 Millionen Dollar schätzen. Klar, dass Yahoo da noch mehr rausholen will.
Klar ist aber auch, dass sich Microsoft ins Zeug legen muss. Spätestens mit der nächsten Version von Office sollte der Konzern sein Programmpaket gründlich überdenken. Dazu könnte es gehören, die Funktionen der Software abzuspecken statt weiter aufzurüsten. Außerdem muss die Online-Welt besser eingebunden werden. Wie das geht könnten sich die Redmonder bei Grafik-Primus Adobe anschauen. Adobe bastelt gerade eifrig an einer Online-Version seiner Profi-Bildbearbeitungssoftware Photoshop, die wohl als Photoshop Express ins Netz gehen wird. Dieses Projekt zeigt, dass es durchaus möglich ist, komplexe Programme webfähig zu machen, ohne sie all zu sehr zu beschneiden. Und das geht bestimmt auch mit Office.