Netzwelt-Ticker: Netscape attackiert Slashdot und Digg - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Netscape attackiert Slashdot und Digg

AOLs Netscape will als Community-Nachrichtenseite neue Besucher gewinnen, die RIAA kämpft gegen Videos von Hobbytänzern, Surfer hassen Flash, und ein Mini-Roboter fährt mit Uhrwerk-Antrieb. Das und mehr im Überblick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Netscape tritt gegen YouTube, Slashdot und Digg an

Mit einem neuen Konzept will Jason Calacanis, CEO des im vergangenen Jahr von AOL gekauften Blog-Netzwerks "Weblogs Inc." dem Netscape-Portal neues Leben einhauchen. Während „Techcrunch“  bereits von einem „Digg-Killer“ spricht geht die „Information Week“  etwas sachlicher mit dem Thema um. Demnach soll die Site künftig mit News und Videos bestückt werden die zwar von den Anwendern beigesteuert aber redaktionell bearbeitet werden. Die "Information Week" nennt das "eine Mixtur aus Digg.com und YouTube.com unter elterlicher Aufsicht". Ähnlich wie bei den Vorbildern soll es ein Anwender-gestütztes Bewertungssystem geben.

Je mehr Stimmen eine Nachricht bekommt, desto höher klettert sie auf der Seite. Die besten Plätze werden jedoch von den Redakteuren vergeben. Einer der Vorteile dieses Systems sei, dass auf diese Weise Gerüchte überprüft werden könnten, sagt Calacanis gegenüber der "Information Week". Zudem könnten die Redakteure wichtige Nachrichten mit ergänzenden Informationen und Interviews aufwerten. Darin, dass der Netscape-Relaunch einen starken Einfluss auf andere Nutzer-orientierte News-Sites haben wird, sind sich "Techcrunch" und "Information Week" einig. Schließlich verzeichne das Netscape-Portal nach AOL-Angaben allein im April 12,5 Millionen Besucher während beispielsweise Digg nur auf 1,3 Millionen kam. Wer schon vor dem offiziellen Start einen Blick auf das geplante neue Portal werfen will, kann das hier tun .

RIAA findet neue Einnahmequelle

Die RIAA, also die Organisation der US-amerikanischen Plattenfirmen, agiert ausgesprochen humorlos wenn es um die Lizensierung von Musik geht. Nun will sie Usern an den Kragen, die auf Video-Tauschportalen wie YouTube und GoogleVideo Filme ablegen auf denen sie ihre Tanzkünste vorführen, berichtet Project Opus . Demnach flatterten einigen dieser Hobby-Tänzer Unterlassungserklärungen ins Haus in denen sie dazu aufgefordert wurden die betreffenden Kurzfilmchen sofort aus dem Netz zu entfernen. Die Begründung: im Hintergrund sei lizenzrechtlich geschützte Musik zu hören. Dafür müssten entsprechende Lizenzgebühren an die Rechteinhaber abgeführt werden. Für den Autor der Meldung, Stephen Abbott, zeigt sich hier wieder einmal, wie schwer sich die schwerfällige Musikindustrie damit tut, auf neue Trends und Technologien zu reagieren. Mike von „Techdirt.com“  geht noch weiter. Ihm fehlt jedes Verständnis für die Aktion der Plattenfirmen. Schließlich, so sein Argument, seien Videos auf denen junge Leute zu angesagter Musik tanzen, virales Marketing mit dem mehr Interesse für die jeweiligen Musiker erzeugt wird.

Was Web-Surfer hassen

Ausgerechnet der "Skip Intro"-Button ist der meistgenutzte im Web. Das glaubt zumindest Theresa Cunnington von der Beratungsfirma iFocus. Gegenüber „Infoworld“  sagt sie, Flash-Animationen seien ein fantastisches Beispiel dafür, was Online-Anwender hassen. Statt sich von den aufwendig erstellten Mini-Filmchen berieseln zu lassen wollen sie sie nur schnell wieder "wegdrücken". "Die Anwender hassen Flash weil es ihnen den Weg blockiert", sagt Cunnington und bezeichnet derartige Animationen als "Jurassic Park Design". Statt zu machen was möglich ist solle man lieber tun was nötig ist, lautet ihr Credo. Der Web-Designer Damien Coyle stimmt ihr darin zu und gibt den Tipp, das Design auf die Zielgruppe abzustimmen. Er hat auch gleich die fünf schlimmsten Fehler beim Website-Design parat. Welche das seiner Meinung nach sind ist bei „Infoworld“  nachzulesen.

Zwei Milliarden – und steigend

Wie „MarketWatch“  schreibt, rechnen die Mobilfunk-Organisation 3G Americas und das Marktforschungsunternehmen Informa Telecoms & Media damit, dass es bis Ende des Monats zwei Milliarden Mobilfunknutzer im GSM-System geben wird. Das, so "MarketWatch", sei nicht nur ein wichtiger Meilenstein, sondern unterstreiche die weltweite Dominanz der GSM-Familie zu der auch die Datentechnologien GPRS, EDGE, UMTS und HSDPA zählen. Insgesamt so heißt es in dem Artikel, nutzen derzeit 2,29 Milliarden Anwender die verschiedenen Mobilfunk-Netze. Am stärksten sei das Wachstum derzeit in Lateinamerika und der Karibik, wo im vergangenen Jahr 74 Millionen Mobilfunk-Kunden hinzugekommen sind, was einer Wachstumsrate von 97 Prozent entspricht. Das ist freilich noch gar nichts gegen China. Im März 2006 telefonierten dort 662,6 Millionen Menschen per Handy.

Disney macht Micky Mobil

Die nicht nur für ihre Micky-Maus-Comics bekannte Walt Disney Co. hat einen eigenen Mobilfunk Dienst für Kinder , oder eigentlich eher für Eltern, gestartet. Zu den Besonderheiten des Services zählt es, dass Eltern ihren Kindern ein festes Telefonbudget zuweisen können und informiert werden sobald dieses ausgeschöpft ist. Sogar die Zeiten wann das Telefon benutzt werden darf können vorgegeben werden. Schluss also mit SMS-Terror in der Schule. Außerdem werden Nachrichten der Eltern vorrangig auf das Handy der Sprösslinge vermittelt. Und wenn das nicht reicht, können Mutter und Vater mittels eines integrierten GPS-Moduls kontrollieren, ob Sohn oder Tochter die Schulbank drücken oder sich heimlich in die nächste Spielhalle abgesetzt haben. Während das passende Mobiltelefon mit knapp 60 US-Dollar zu Buche schlägt, liegen die monatlichen Kosten je nach Anzahl der Freiminuten zwischen 39,99 und 169,99 US-Dollar. Vorerst ist dieser Überwachungsdienst für misstrauische Eltern allerdings nur in den USA erhältlich.

Kleine Merkwürdigkeiten

Beim „TechEBlog“  kann man die, nach Ansicht der Autoren, merkwürdigsten Miniaturgeräte bestaunen. Vom Mini-USB-Stick über einen winzigen Multimedia-Player bis zur Mikro-Festplatte sind einige Standards dabei. Ausgesprochen originell ist allerdings ein Miniatur-Roboter der von einem Uhrwerk angetrieben wird und wohl kaum einen Chance beim Robocup  hätte. Der kleinste V8-Motor der Welt dagegen würde sicher so manchem Go-Cart zu unerwarteten Leistungen verhelfen, während man sich mit dem kleinsten RC-Helikopter wirklich überall die Zeit vertreiben kann – gute Augen und eine ruhige Hand vorausgesetzt.

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