»7 vs. Wild«: Teilnehmer LetsHugo über sein Leben, sein Image und Hasskommentare - DER SPIEGEL
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Streamer LetsHugo: Allein auf Twitch folgen ihm mehr als 937.000 Nutzerinnen und Nutzer

Streamer LetsHugo: Allein auf Twitch folgen ihm mehr als 937.000 Nutzerinnen und Nutzer

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Anouk Flesch / DER SPIEGEL

LetsHugo über psychischen Druck »In Amerika würde ich für das Gleiche wohl viel weniger Hate abbekommen«

Er streamt, seit er 13 ist, vier Jahre lang sogar jeden Tag. Hier spricht der Internetstar und »7 vs. Wild«-Teilnehmer LetsHugo über sein Image, die Webvideowelt und die Folgen von Hasskommentaren.
Ein Interview von Markus Böhm

Sprüche übers Alter können fies sein. Kommen sie aber von Twitch-Star LetsHugo, sind sie eher absurd-amüsant. Für ihn sei jeder, der vorn eine 19 im Geburtsjahr hat, gefühlt ein »Ritter«, hat der Internetstar mal in einem Podcast erzählt . Vom SPIEGEL-Reporter im Ritteralter darauf angesprochen, will er das nicht als Scherz abtun. In seiner Vorstellung sei man bis zum Jahr 2000 noch kein Auto, sondern Kutsche gefahren, sagt Hugo, »wirklich«.

Hugo lebt auf Madeira. Mit seinen 21 Jahren ist er immer für einen überraschenden Spruch gut. Aufgewachsen ist er in Luxemburg, die Schule hat er in der 9. Klasse abgebrochen. Dafür lebt er den Traum vieler junger Menschen: Er ist Webvideomacher und Streamer, auf Plattformen wie TikTok und YouTube interessieren sich Hunderttausende für ihn. Allein auf Twitch hat Hugo mehr als 937.000 Follower .

Hugo im Streamingzimmer: Aufgewachsen ist er in Luxemburg, derzeit lebt er auf Madeira

Hugo im Streamingzimmer: Aufgewachsen ist er in Luxemburg, derzeit lebt er auf Madeira

Foto: Anouk Flesch / DER SPIEGEL

Die meisten seiner Fans sind männlich und um die 20, bald aber dürften viele Menschen Hugo neu kennenlernen, denn er ist Teil des beliebten Survival-Formats »7 vs. Wild«. Für dessen vierte Staffel  wurden sieben Prominente gemeinsam in der Wildnis von Neuseeland ausgesetzt. Was danach passierte, ist ab dem 1. Oktober auf den Amazon-Portalen Prime Video und Freevee zu sehen sowie ab dem 14. Oktober auf YouTube.

Der SPIEGEL hat Hugo getroffen, um mit ihm über die schönen und unschönen Seiten seiner Karriere zu sprechen.

SPIEGEL: Hugo, fast jeder, der sich für Webstars interessiert, kennt Ihr Gesicht. Fühlt sich das an wie ein Fiebertraum oder mehr wie ein Karriereplan, der aufgegangen ist?

Hugo: Wie beides. Einerseits wollte ich bereits als Kind – wie heutzutage fast jeder – YouTuber werden, beziehungsweise später dann Streamer. Und irgendwie war ich mir sicher: Wenn ich mir das vornehme und durchziehe, wird das klappen. Als es dann aber wirklich geklappt hat, war es mehr wie ein Fiebertraum. Vor allem vergangenes Jahr, da hatte ich einen Hype – was ich aber erst im Nachhinein realisiert habe.

SPIEGEL: Weil Ihre Twitch-Zahlen jetzt nicht mehr ganz so rosig sind? 2023 hatten Sie zeitweise etwa zwei- bis dreimal so viele zahlende Kanal-Abonnenten und auch einen merklich höheren Durchschnitt an gleichzeitigen Zuschauern.

Hugo: Zahlenmäßig fühlt sich 2024 für mich scheiße an. Dabei ist die Entwicklung normal, jeder Hype hat ein Ende. Ich habe dieses Jahr aber auch mehr Pausen gemacht und hatte so zum ersten Mal Zeit dafür, meinen Erfolg zu reflektieren.

»Mein Gesicht wollte ich selbst nie zeigen. Weil ich wusste, dass ich viel Privatsphäre verliere, wenn ich mal bekannt werde.«

LetsHugo

SPIEGEL: Sie haben mit elf Jahren angefangen, YouTube-Videos zu veröffentlichen, und mit 13 zu streamen. Ist so ein früher Start für Ihre Generation normal?

Hugo: Ja. Gefühlt alle Kiddies haben damals Dinge auf YouTube hochgeladen. Erstmals auf YouTube war ich mit neun oder zehn, da habe ich Freshtorge und Y-Titty  geschaut. Später habe ich dann die ganzen »Minecraft«-YouTuber entdeckt und nur noch die geschaut. Und dann dachte ich mir: Das kannst du doch auch.

SPIEGEL: Zunächst haben Sie sich so gefilmt, dass man nur Ihre Hände, nicht aber Ihr Gesicht sah. War das eine Vorgabe Ihrer Eltern?

Hugo: Meine Eltern wussten anfangs gar nicht, was mein älterer Bruder, mein Zwillingsbruder und ich da im Internet machen. Unser Zugang war oft auf vier Stunden pro Tag begrenzt. Einmal hat mein Vater mitten in einem »Minecraft«-Stream von mir den Strom ausgestellt, weil wir beim Spielen laut herumgeschrien hatten. Was Streaming angeht, war er noch sehr lange anti, bis er irgendwann realisiert hat, dass ich nicht nur einfach vor dem Computer rumhänge, sondern damit wirklich Geld verdienen kann. Mein Gesicht wollte ich selbst nie zeigen. Weil ich wusste, dass ich viel Privatsphäre verliere, wenn ich mal bekannt werde.

Ein Gesicht, das in der Webvideoszene fast jeder kennt: Anfangs streamte Hugo nur mit einer sogenannten Handcam

Ein Gesicht, das in der Webvideoszene fast jeder kennt: Anfangs streamte Hugo nur mit einer sogenannten Handcam

Foto: Anouk Flesch / DER SPIEGEL

SPIEGEL: Anfang 2022 hatten Sie dann doch einen offiziellen »Face Reveal«.

Hugo: Eine Zeit lang war ich beim Streamen mit Maske, Sonnenbrille und Mütze zu sehen. Silvester 2021 aber ist mir bei einem Dab, einer Tanzpose, aus Versehen das Headset runtergerutscht, das hat mir die Maske weggezogen. Danach dachte ich mir: Jetzt kann ich mein Gesicht auch offiziell zeigen. Irgendwann hätte ich es vermutlich sowieso gemacht, weil das Streamen ohne Gesicht einen in seinen Möglichkeiten ja auch einschränkt, etwa was Offline-Events angeht.

SPIEGEL: Wie bekannt sind Sie inzwischen?

Hugo: Wenn ich in Deutschland bin, dauert es nie lange, bis mich jemand anquatscht. Manchmal kennen mich sogar 50-Jährige, die gar keine aktiven Zuschauer sind, und zwar von TikTok. Dort begegnen ihnen Schnipsel aus meinen Streams, oft völlig aus dem Kontext gerissen.

SPIEGEL: Da sieht man dann vor allem Ausraster oder schräge Aktionen von Ihnen?

Hugo: Genau. Diese Momente sind auch echt. Wer mich aber nur von TikTok kennt, hat oft einen falschen Eindruck von mir und meinen Streams und glaubt, dass es darin die ganze Zeit so zugeht: nur Action, Action, Action. Dabei gibt es viele normale, ruhigere Momente. Manchmal stellen mich TikTok-Nutzer auch mit Absicht falsch dar, um Klicks zu sammeln. Weil negative Sachen mehr Aufmerksamkeit bringen.

Hugo im Gespräch: Der SPIEGEL traf ihn Mitte September zum Interview

Hugo im Gespräch: Der SPIEGEL traf ihn Mitte September zum Interview

Foto: Anouk Flesch / DER SPIEGEL

SPIEGEL: Ein bisschen was hat Ihr Leben von einem sozialen Experiment zu der Frage, was Onlinepräsenz mit Menschen macht. Einer Ihrer Streams lief 78 Tage lang mehr oder weniger durchgehend, Sie filmten sich sogar beim Schlafen. Und vier Jahre lang, von 2019 bis 2023, haben Sie jeden, wirklich jeden Tag einen Livestream gemacht.

Hugo: Für mich war das ganz normal, nach dem ersten Jahr hatte mich daran gewöhnt. Das war einfach mein Leben. Und die 78 Tage? Das war damals noch speziell, mittlerweile ist so etwas auf Twitch nichts Besonderes mehr.

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SPIEGEL: Bereuen Sie es manchmal, dass Sie wegen gesundheitlicher Probleme, aber auch mit Blick auf Ihre Karrierechancen im Netz in der 9. Klasse die Schule abgebrochen haben?

Hugo: Gar nicht. Zurück in die Schule will ich definitiv nicht, und für meine Karriere war es das Beste, was ich hätte machen können. Mein Allgemeinwissen allerdings ist nicht gut, und ich bekomme deswegen auch immer wieder Hate ab, in Richtung »Wie dumm ist der denn?«.

SPIEGEL: Geht Ihnen der Vorwurf nahe, ungebildet zu sein?

Hugo: Wenn dir viele Leute so etwas schreiben, trifft dich das. Was mich aber genauso abfuckt, sind Leute, die mir vorwerfen, ich würde mich vor der Kamera verstellen. Fakt ist: Es gibt viele Clips von mir, in denen ich einfach dumm wie Scheiße bin. Da ist aber nichts gestellt. Das bin ich.

»Only trust yourself« steht auf Hugos Hoodie: Der 21-Jährige ist einer der bekanntesten Streamer seiner Generation

»Only trust yourself« steht auf Hugos Hoodie: Der 21-Jährige ist einer der bekanntesten Streamer seiner Generation

Foto: Anouk Flesch / DER SPIEGEL

SPIEGEL: Sind Hasskommentare für Sie ein großes Problem?

Hugo: Ja. Es ist zwar schwer einzuschätzen, ob da wirklich viel Hass ist oder ob mir das nur so vorkommt, weil er sehr präsent ist. Aber unter fast jedem TikTok-Clip mit mir sind die Top-Kommentare Hassnachrichten. Und auch wenn jemand auf X etwas über mich postet, kannst du dir sicher sein, dass darauf Leute antworten, die mich hassen. Das hat mich irgendwann wirklich komplett gefickt. So sehr, dass ich dieses Jahr in Therapie gegangen bin.

SPIEGEL: Hat es Sie Überwindung gekostet, in Therapie zu gehen?

Hugo: Überhaupt nicht. Ich war lange einfach nur zu faul, mir Hilfe zu suchen.

SPIEGEL: Der Onlinehass war für Sie präsenter als der Zuspruch Ihrer Fans?

Hugo: Leider schon. Ich wusste zwar, dass es viele Leute gibt, die mich feiern. Mehr geschaut habe ich aber auf den Hass, selbst im Livestream. Wenn da fünf normale Chatnachrichten waren und eine boshafte, war ich immer sofort auf die negative fokussiert.

»Allgemein habe ich das Gefühl, dass mich eher Leute haten, die älter sind als ich oder gleich alt«

LetsHugo

SPIEGEL: Gibt es bei Ihnen eine klare Grenze zwischen Fans und Hatern?

Hugo: Ich glaube, manchen Zuschauern, etwa manchen sehr jungen, fehlt ein Gefühl dafür, wie Dinge bei mir ankommen. Ich selbst bin jemand, der sein Publikum gern beleidigt, bei mir sind das aber Jokes. Wenn dann teils random Beleidigungen zurückkommen, auch ohne Emoji, ist das schon hart. Auf Twitch selbst hält sich der Hate noch in Grenzen. Schlimmer ist es auf TikTok oder X, wo meine Inhalte bei irgendwelchen Leuten landen.

SPIEGEL: Wäre es Ihnen lieber, diese Leute bekämen Ihre Arbeit gar nicht zu sehen?

Hugo: Ja. Allgemein habe ich das Gefühl, dass mich eher Leute haten, die älter sind als ich oder gleich alt – da spielt es vielleicht eine Rolle, dass ich schon so jung Erfolg habe. Teilweise habe ich den Eindruck, dass ich für Dinge gehatet werde, die andere, ältere Streamer auch machen, ohne dass sich jemand aufregt.

SPIEGEL: Sind die Einnahmen von Internetstars ein Stück weit Schmerzensgeld dafür, was sie im Netz an Gegenwind erwartet?

Hugo: Kein Streamer wird nicht gehatet. Bei manchen ist es weniger, bei manchen, wie mir, mehr. Abgesehen von meinem Alter und meiner Sprache mit all den Beleidigungen ist wohl noch ein Faktor, dass ich gern sehr laut bin. Dazu kommt mein schlechtes Allgemeinwissen. Mein Gefühl ist, dass diese Kombination gerade in Deutschland dazu führt, dass viele mich hassen. Ich vermute: In Amerika würde ich für das Gleiche wohl viel weniger Hate abbekommen.

Hugo vor seiner Technik: Im Netz aktiv ist er auf verschiedenen Plattformen von Twitch bis Instagram

Hugo vor seiner Technik: Im Netz aktiv ist er auf verschiedenen Plattformen von Twitch bis Instagram

Foto: Anouk Flesch / DER SPIEGEL

SPIEGEL: Hat der Onlinehass Ihr Verhalten vor der Kamera verändert?

Hugo: Ich befürchte, ja, unterbewusst. Es gibt Momente, da sage oder mache ich nicht mehr genau das, was ich intuitiv machen würde. Ich wirke dadurch ruhiger als früher, lasse jetzt schon mal dumme, aber eigentlich lustige Dinge weg. Einfach, weil ich Angst vor den Reaktionen Dritter habe, die nicht mal meine Fans sind.

SPIEGEL: Sie haben zum Beispiel gern Böller in Ihrem Zimmer gezündet.

Hugo: Ja, so etwas. Es geht aber auch um größere Aktionen. Alles, was anecken könnte, habe ich komplett runtergefahren. Und ich glaube, Zuschauer, die mich aus dem vergangenen Jahr kennen, merken auch, dass ich anders geworden bin. So hart das klingt: Ich werde immer mehr zum normalen Streamer. Was ich nicht will und nie wollte.

SPIEGEL: Wie gut können Sie von der Arbeit abschalten?

Hugo: Nicht gut. Es gibt fast keinen Moment, in dem ich nicht an Streaming und YouTube denke. Das ist viel zu intensiv, 24/7. Auch das habe ich mit meinem Therapeuten besprochen. Den Kopf halbwegs frei bekomme ich nur, wenn ich bewusst Urlaub mache.

SPIEGEL: »7 vs. Wild« ist eher das Gegenteil von Urlaub. Wie intensiv haben Sie sich darauf vorbereitet?

Hugo: Meine Vorbereitung bestand darin, dass ich zwei Stunden im Zelt geschlafen habe. Dann bin ich wieder ins Haus gegangen, weil es mir draußen zu kalt war.

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SPIEGEL: Wie geht es Ihnen körperlich? Als Jugendlicher hatten Sie drei epileptische Anfälle im Schlaf, nach der Gamescom 2023 klagten Sie über Herzprobleme.

Hugo: Besser als psychisch. Die epileptischen Anfälle endeten, nachdem mir 2018 ein Aneurysma entfernt wurde. Auch meine Herzprobleme sind verschwunden, seit ich meinen Vierjahres-Streak beendet habe und mir auch mal Streaming-Pausen gönne. Manchmal aber habe ich genau dort, wo das Aneurysma entfernt wurde, richtig starke Kopfschmerzen. Das fühlt sich an, als würde jemand mit einem Messer reinstechen, genau in diesen Punkt.

Den Fans gegenüber bei vielen Themen transparent: Von seinen epileptischen Anfällen hat Hugo auch schon in Streams berichtet

Den Fans gegenüber bei vielen Themen transparent: Von seinen epileptischen Anfällen hat Hugo auch schon in Streams berichtet

Foto: Anouk Flesch / DER SPIEGEL

SPIEGEL: Sie sind jetzt 21, fühlen Sie sich erwachsen?

Hugo: Mehr als 2022, als mein 78-Tage-Stream startete. Aber immer noch nicht wirklich, ich will das auch gar nicht. Erwachsener geworden bin ich nur, was die Planung meiner Streams angeht. Früher habe ich mich einfach vor die Kamera gesetzt. Inzwischen stecke ich vorab mehr Mühe rein, plane für jeden Stream zumindest eine besondere Aktion. Ich will meinen Zuschauern etwas bieten, nicht wie manch andere ständig nur Reactions machen oder an einem bestimmten Tag immer dasselbe Spiel spielen.

SPIEGEL: Inzwischen kennen Sie die Webvideowelt von innen: Wie viel hat die mit jener Welt gemeinsam, von der Sie als Kind träumten?

Hugo: Boah, ich wurde komplett enttäuscht, das war krass. Als Kind dachte ich, alle YouTuber wären Freunde und nett zueinander. Das ist, wie man diesen Sommer ja auch öffentlich mitbekommen hat, nicht so. Da gibt es Leute, die sich für Aufnahmen treffen, sich aber eigentlich hassen.

SPIEGEL: Wie gehen Sie als Newcomer damit um?

Hugo: Ich mache nur etwas mit Leuten, mit denen ich wirklich etwas machen will. Aber das musste ich lernen. Als ich vergangenes Jahr meinen Hype hatte, haben mich viele Kollegen für gemeinsame Videos angefragt. Ich dachte anfangs, die machen das aus Nettigkeit, weil ich neu in der Szene bin. Teilweise höre ich von diesen Leuten heute gar nichts mehr. Dafür drehen die jetzt mit anderen, die gerade einen Hype haben.

SPIEGEL: Den ersten Schub Bekanntheit bescherte Ihnen bei einem »Minecraft«-Event einst Simon Unge, auch Ihr »Face Reveal« war Teil eines seiner Streams. Diesen Mai zog sich Unge nach Vorwürfen, die sein Privatleben betrafen , aus der Öffentlichkeit zurück – und gestand dabei unter anderem ein, er sei »missgünstig« und ein »Stück Scheiße« gewesen. War das hart für Sie, ein Idol fallen zu sehen?

Hugo: Das tat weh, ja. Simon Unge war mein erstes großes Vorbild, und er hat mir die Möglichkeit gegeben, groß zu werden. Für mich persönlich war sein Exposing das schmerzhafteste dieses Sommers. Anfangs konnte ich mir das gar nicht vorstellen, dass er privat nicht so chillig sein könnte wie in seinen Streams.

»Ich kann nicht glauben, dass irgendwer mich als Idol hat«

LetsHugo

SPIEGEL: Belastet es Sie, dass Sie als erfolgreicher Streamer für viele Kinder und Jugendliche selbst ein Idol sind?

Hugo: Ich kann nicht glauben, dass irgendwer mich als Idol hat. Wenn Leute im Chat etwas in die Richtung schreiben, denke ich immer, die wollen mich trollen. Ich meine: Ich streame nur, habe keinen Schulabschluss, gar nichts.

SPIEGEL: Haben Sie denn Einfluss auf Ihre Zuschauer, was zum Beispiel typische Redewendungen angeht?

Hugo: Das ja, safe. Und das finde ich cool. Wenn ich bestimmte Dinge häufig sage, überträgt sich das aufs Publikum. Ende 2023 zum Beispiel habe ich ziemlich oft »Check, check, komme mit nem Jetpack« gesagt. Der Spruch stammte aus einem »Fortnite«-Lied des YouTubers Standart Skill  aus dem Jahr 2018 – dieser Song wurde dann plötzlich wieder öfter angeklickt.

Netzstar mit Kuscheltieren: Die dunkelbraune Bärin heißt Vivi, Hugo präsentierte sie in Streams scherzhaft als seine Freundin

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Foto: Anouk Flesch / DER SPIEGEL

SPIEGEL: Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Ihnen durch Ihren Erfolg eine normale Jugend entgangen ist?

Hugo: Sehr oft sogar. Mir fällt es zum Beispiel sehr schwer, Freunde zu finden, die keine Streamer sind. Oft habe ich die Sorge, dass Leute nur etwas mit mir zu tun haben wollen, weil ich Streamer bin.

SPIEGEL: Bei einer Roomtour  sagten Sie Ihren Fans mal: »Ohne euch wäre ich auf der Straße, niemand, ich wäre tot.« Aber im Ernst: Wie glauben Sie, wäre Ihr Leben ohne Durchbruch im Netz verlaufen?

Hugo: Viele denken wahrscheinlich wirklich: Wenn Hugo kein Streamer wäre, wäre er tot. Aber ich glaube, selbst wenn mein Traumberuf ein anderer gewesen wäre, hätte ich auch das 100-prozentig geschafft. Denn wenn ich etwas wirklich will, dann mache ich alles dafür.