Social-Media-Trend ChatGPT generiert Bilder im Studio-Ghibli-Stil. Was daran problematisch ist
Wer sich in diesen Tagen in sozialen Medien wie Instagram, TikTok oder X umsieht, muss sich fühlen, als wäre das echte Leben durch eine Version aus dem Studio Ghibli ersetzt worden. Die japanische Firma ist etwa für die Animationsfilme »Chihiros Reise ins Zauberland«, »Prinzessin Mononoke« bekannt und hat einen typischen Zeichenstil geprägt, der nun überall im Internet zu finden ist: Bekannte Memes, Tagespolitik oder auch simple Familienfotos sehen aus, als stammten sie aus einem japanischen Trickfilm.
Fans von Studio Ghibli haben diese Woche den Social-Media-Trend gestartet: Wenige Stunden nachdem das KI-Unternehmen OpenAI seinen bisher fortschrittlichsten neuen KI-Bildgenerator am Dienstag launchte , begannen Nutzerinnen und Nutzer virale Memes und ihre privaten Bilder im unverwechselbaren Stil des Animationsstudios zu generieren und zu posten.
So wurde etwa das bekannte Meme von US-Schauspieler Ben Affleck, der eine Zigarette tief inhaliert, via GPT‑4o verwandelt .
Auch das Meme des »Disaster Girls« , das eine Vierjährige zeigt, die sich mit einem leichten Grinsen in die Kamera dreht, während im Hintergrund ein brennendes Haus zu sehen ist, wurde mithilfe des Bildgenerators 4o in den Studio-Ghibli-Stil übertragen.
ChatGPT when another Studio Ghibli request comes in pic.twitter.com/NF5sy24GlU
— Justine Moore (@venturetwins) March 26, 2025
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Selbst bekannte Memes der Olympischen Spiele 2024 wie der lässige Pistolenschütze Yusuf Dikec, der in einem T-Shirt und mit einer Hand in der Tasche eine Silbermedaille für die Türkei gewann, bekamen ein Studio-Ghibli-Makeover verpasst.
Today is a great internet day pic.twitter.com/iPWl2yfvdq
— Zeneca🔮 (@Zeneca) March 26, 2025
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Und auch aktuelle Ereignisse, wie der Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus, der in einem Eklat endete, wurden KI-generiert .
Aber vor allem private Bilder wurden ghiblifiziert: Ein Nutzer postete auf X ein Bild im Studio-Ghibli-Stil, das ihn mit seiner Frau und ihrem Hund zeigen soll. Mehr als 43.000 Accounts haben den Post seit Dienstag gelikt.
My kids now demand to be Ghiblified. pic.twitter.com/GWaXaaC3Lx
— Byrne Hobart (@ByrneHobart) March 25, 2025
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Ein X-User schrieb zu einem Zeichentrickbild eines Mädchens : »Meine Kinder verlangen jetzt, dass sie ghiblifiziert werden.«
Altman ghiblifiziert sich selbst
Selbst der CEO von OpenAI, Sam Altman, ist auf den Hype aufgesprungen und hat sein Profil auf der Plattform X in ein Porträt im Ghibli-Stil verwandelt. Er scherzte in einem Tweet , dass nach »einem Jahrzehnt, in dem ich versucht habe, Superintelligenz zu entwickeln, um Krebs zu heilen oder was auch immer«, es die Bilder von Studio Ghibli waren, die positives Interesse an seiner Arbeit geweckt hatten.
>be me
— Sam Altman (@sama) March 26, 2025
>grind for a decade trying to help make superintelligence to cure cancer or whatever
>mostly no one cares for first 7.5 years, then for 2.5 years everyone hates you for everything
>wake up one day to hundreds of messages: "look i made you into a twink ghibli style haha"
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Der ChatGPT-Hersteller OpenAI, der gegen Urheberrechtsklagen wegen seines Flaggschiff-Chatbots kämpft, hat die »Ghiblification«-Experimente weitgehend unterstützt. In einem technischen Dokument, das am Dienstag veröffentlicht wurde, erklärte das Unternehmen, dass das neue Tool einen »konservativen Ansatz« bei der Nachahmung der Ästhetik einzelner Künstler verfolgen würde.
Doch was viele Nutzerinnen und Nutzer als KI-Entertainment verstehen, wirft urheberrechtliche und ethische Bedenken auf. Was bedeutet die Technologie für den künftigen Lebensunterhalt menschlicher Künstler?
Hayao Miyazaki: Computergenerierte Kunst als »Beleidigung des Lebens selbst«
Studio Ghibli setzt auf traditionelle Animationstechniken. Zu dem aktuellen Trend hat sich das Unternehmen bisher nicht geäußert. Aber bereits in der Vergangenheit zeigte sich der Mitbegründer Hayao Miyazaki skeptisch zur Rolle von computergenerierten Bildern in der Animationsindustrie. In sozialen Medien kursiert jetzt ein Video aus dem Jahr 2016 , in dem Miyazaki solche Bilder als »Beleidigung des Lebens selbst« bezeichnet. Der 84-Jährige ist bekannt für seine handgezeichneten Animationen.
Japanischer Regisseur Hayao Miyazaki
Foto: Jun Sato / WireImage»Ich bin zutiefst angewidert«, sagt er in dem Video als Reaktion auf ein Video mit einer Monsterfigur, die mithilfe eines Programms erstellt wurde. »Wenn ihr wirklich gruselige Sachen machen wollt, könnt ihr das tun, aber ich würde diese Technologie niemals in meine Arbeit einbauen wollen.«
Josh Weigensberg, ein Anwalt aus den USA, erklärt gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press, dass die KI-Kunst im Ghibli-Stil die Frage aufwerfe, ob das KI-Modell auf Miyazakis oder Studio Ghiblis Werk trainiert wurde. »Daraus wiederum ergibt sich die Frage, ob sie eine Lizenz oder Erlaubnis für dieses Training haben oder nicht«, sagte er. Auf Anfragen dazu antwortete OpenAI der Nachrichtenagentur am Donnerstag nicht.
In einem aktuellen Dokument beschreibt die Firma aber das allgemeine Vorgehen. So soll ChatGPT sich weigern, wenn Benutzer verlangen, ein Bild im Stil eines lebenden Künstlers zu erstellen. Allerdings fügte das Unternehmen in einer Erklärung hinzu, dass es »breitere Studiostile zulässt – die von den Nutzern verwendet wurden, um einige wirklich entzückende und inspirierte originelle Fankreationen zu erstellen und zu teilen«.
Wenn diese Art der Nutzung jedoch ohne Zustimmung und Entschädigung erfolge, könne dies »problematisch« sein, sagte Weigensberg. Demnach sei es zwar ein allgemeines Prinzip, dass »Stil« nicht urheberrechtlich geschützt werden kann. Dies gelte aber nicht für »spezifische, erkennbare, diskrete Elemente eines Kunstwerks«, sagte er.
Filmszene des Ghibli-Films »Wie der Wind sich hebt«
Foto: Studio Ghibli / AP / dpaDie Künstlerin Karla Ortiz, die in einem noch anhängigen Verfahren andere KI-Bildgeneratoren wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt, bezeichnete den Trend gegenüber der AP als »ein weiteres klares Beispiel dafür, dass Unternehmen wie OpenAI sich einfach nicht um die Arbeit von Künstlern und deren Lebensunterhalt kümmern«.
»Das ist die Verwendung des Markenzeichens von Ghibli, ihres Namens, ihrer Arbeit, ihres Rufs, um eigene Produkte zu bewerben«, sagte Ortiz. »Es ist eine Beleidigung. Es ist Ausbeutung.«
Für Empörung sorgte auch, wie sich die Regierung von Präsident Donald Trump des Trends bediente. Der offizielle X-Account des Weißen Hauses postete ein Bild im Ghibli-Stil von einer weinenden Frau aus der Dominikanischen Republik, die kürzlich von US-Einwanderungsbeamten verhaftet wurde.
https://t.co/PVdINmsHXs pic.twitter.com/Bw5YUCI2xL
— The White House (@WhiteHouse) March 27, 2025
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»Zu sehen, wie etwas so Brillantes und Wunderbares wie Miyazakis Werk geschlachtet wird, um etwas so Schmutziges zu erzeugen«, schrieb Ortiz auf X und fügte hinzu, sie hoffe, dass Studio Ghibli OpenAI dafür »bis aufs Blut« verklagt.
Das japanische Studio und sein nordamerikanischer Vertriebspartner reagierten am Donnerstag nicht auf E-Mails mit der Bitte um Stellungnahme der Associated Press. Medienberichten zufolge lassen sich mittlerweile aber keine Bilder mehr im Studio-Ghibli-Stil generieren.