Netzwelt-Ticker Megaupload abgehört, Facebook-Entführer, Militär-Virus
Auto von Kim Dotcom: Geheimdienst half der Polizei
Foto: MARK COOTE/ REUTERSDie Überwachung von Megaupload-Gründer Kim Schmitz alias Kim Dotcom durch den neuseeländischen Geheimdienst geschah möglicherweise widerrechtlich. Das geht aus einer Mitteilung des neuseeländischen Premierministers John Key hervor. Über ein Memorandum habe dieser erfahren, dass der Geheimdienst die Verdächtigen in einigen Fällen ohne gesetzliche Grundlage überwacht habe.
Key sagte, er habe den Vorfall zur Untersuchung an Paul Neazor, Generalinspekteur der beiden neuseeländischen Geheimdienste, übergeben; jetzt distanziert sich der Premierminister weiter von dem Fall: "Ich erwarte von unseren Nachrichtendiensten, dass sie sich an die Gesetze halten. Ihre Tätigkeit beruht auf öffentlichem Vertrauen."
Schon zuvor bezeichnete ein Gericht die dramatische Hausdurchsuchung bei Kim Dotcom als illegal. Kritisiert wurde von vielen Stellen das rabiate Vorgehen der Polizei, nachdem ein Video des Einsatzes veröffentlicht wurde, und die Rolle des FBI bei dem Einsatz.
Malware-Kampagne gegen Energie- und Militärfirmen
Hacker haben sich über einen Trojaner systematisch Zugang zu Computersystemen des taiwanischen Militärs, einer kanadischen Energiefirma, eines großen Ölunternehmens auf den Philippinen und mehrerer anderer Unternehmen in Brasilien, Israel, Ägypten und Nigeria verschafft. Laut der "SecureWorks Counter Threat Unit" des Computerherstellers Dell haben die Hacker dazu den sogenannten Remote Access Trojaner (Rat) Mirage eingesetzt und über individuelle E-Mails an Personen der mittleren und oberen Führungsebene der betroffenen Unternehmen verbreitet. Laut Dell gibt es Hinweise auf einen Ursprung der Angriffe in China.
Entführung live bei Facebook
Wenn Entführern der Stress des Entführens über den Kopf wächst, suchen sie Halt - oder zumindest ein Ventil - in sozialen Netzwerken. Das zumindest legt - schon wieder - ein neuer Fall von überraschender Gesprächigkeit nahe: Ein 22-Jähriger soll, noch während er ein Opfer in seiner Gewalt hatte, verzweifelte Facebook-Nachrichten mit seinen Freunden ausgetauscht haben: "Ich schaff's nicht mehr, ich bin erledigt, Junge", "Wie das ausgeht, hängt von euch allen ab, echt jetzt." Der Mann ließ erst dann von seinem Entführungsplan ab, als er eine ehemalige Freundin sprechen konnte - via Telefon.
Was am Montag sonst noch in der Netzwelt wichtig war
- Straßenkünstler Paolo Cirio lässt die unkenntlich gemachten Straßeneckensteher aus Google Street View als Paste-up-Kunstwerk wiederauferstehen. Sein Projekt "Street Ghosts" zog er in London, New York und Berlin auf; es ist ein Statement gegen Googles Aneignung des öffentlichen Raums und eine Wiederaneignung durch die Verwendung der Google-Bilder ohne das Einverständnis des Unternehmens.
- Laut den Marktforschern der GfK stieg der Umsatz von Musik-, Spiele-, Software-, Film- und Bücher-Downloads im ersten Halbjahr 2012 auf 392 Millionen Euro , 60 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auf E-Bücher entfielen elf Prozent der Umsätze.
- Man darf nicht vergessen, dass Google Maps anfangs auch reichlich Probleme hatte - trotzdem wirkt das neue Kartensystem auf Apples mobilem Betriebsystem iOS 6 wie eine Zumutung, der man am besten mit ein wenig Hackerkunst und Dreistigkeit entgegentritt.
- Glaubt man den Mutmaßungen einiger Sicherheitsexperten , könnte Microsoft schon seit mindestens einem Monat von der gefährlichen Sicherheitslücke im Internet Explorer gewusst haben.
- Die EU-Kommission will das Internet verstärkt zur Terrorabwehr einsetzen, doch das sogenannte CleanIT-Projekt stößt auf harsche Kritik. Jetzt hat die Bürgerrechtsbewegung European Digital Rights ein vertrauliches Dokument mit Plänen für CleanIT veröffentlicht, das die Vorwürfe anheizen dürfte. Erich Möchel vom ORF: "Das CleanIT-Projekt ist nichts anderes als der nächste Versuch, europaweit eine flächendeckende Überwachung des Internetverkehrs einzuführen."