Gehackter IT-Dienstleister Kommunen wollen Online-Erpressern kein Lösegeld zahlen
Schild am Straßenverkehrsamt im Kreis Siegen-Wittgenstein: Wegen eines Hackerangriffs geschlossen (Bild vom 30.10.)
Foto: Rene Traut / IMAGOSo folgenschwer der Hackerangriff auf den Dienstleister Südwestfalen-IT auch war: Polizei, das Unternehmen selbst und auch die betroffenen Kommunen lehnen Verhandlungen oder gar eine Lösegeldzahlung an die Täter ab. Das geht nach dpa-Informationen aus einem vertraulichen Bericht des Innenministeriums an den Landtag hervor. Die »Siegener Zeitung« hatte zuvor berichtet.
Demnach steckt hinter dem Angriff eine Hackergruppe, die sich selbst Akira nennt. Dem IT-Sicherheitsunternehmen Logpoint zufolge ist die Gruppe erst seit März aktiv und seitdem zu einer besonders aktiven kriminellen Vereinigung im Bereich Internet-Erpressung mit Ransomware geworden. Das deckt sich mit Beobachtungen der IT-Sicherheitsfirma Malwarebytes, nach deren Angaben Akira Unternehmensdaten erst kopiert und dann verschlüsselt, um eine doppelte Erpressung zu ermöglichen. Akira fordere oft Lösegelder zwischen 200.000 und mehreren Millionen US-Dollar, sei aber wohl bereit, diese Forderungen zu senken, wenn die Opfer nur die Veröffentlichung der von Akira gestohlenen Daten verhindern wollen, aber keinen Decryptor (den Schlüssel zum Dechiffrieren ihrer Daten) benötigen.
Dem Bericht an den Landtag zufolge hatten die Hacker die Server von Südwestfalen-IT verschlüsselt und eine Nachricht hinterlassen, dass man im Darknet mit ihnen Kontakt aufnehmen solle. Eine konkrete Lösegeldsumme sei noch nicht genannt worden.
Bisher sind keine Daten von Südwestfalen-IT im Darknet aufgetaucht
Durch die erzwungene Abschaltung der Systeme bei dem Dienstleister seien 74 Kommunen beeinträchtigt, so das Innenministerium. Besonders schlimme Folgen gebe es für die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe. Service und Betrieb der Verwaltungen funktionieren nur eingeschränkt. Örtlich blieben Bürgerbüros, Ausländerbehörden und Kfz-Zulassungsstellen geschlossen. Einer auf Medienberichten basierenden Auswertung zufolge sind sogar mehr als einhundert Stadt-, Kreis- und Gemeindeverwaltungen im Regierungsbezirk Arnsberg, im weiteren Ruhrgebiet und im Rheinisch-Bergischen Kreis betroffen.
Auf den Akira-Seiten im Darknet sind bisher keine Daten von Südwestfalen-IT aufgetaucht, wie der SPIEGEL am frühen Donnerstagabend feststellen konnte. Wann die Systeme wieder zum Laufen gebracht werden können, ist dem Bericht an den Landtag zufolge noch offen.