Ausfälle seit einer Woche Ransomware legt IT-Dienstleister von mehr als 70 Kommunen lahm
Eingang zum Rathaus Siegen: »Aufgrund eines Cyberangriffs geschlossen« (Bild vom 30.10.)
Foto: IMAGO/Rene TrautEine Woche nach dem Hackerangriff auf den Dienstleister Südwestfalen-IT (SIT/Hemer) haben Ermittler bestätigt, dass die Täter eine Erpressungssoftware eingesetzt hatten. Diese sogenannte Ransomware sei verwendet worden mit dem Ziel, Lösegeld zu erlangen, teilte die Polizei in Dortmund am Montag unter Berufung auf die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) bei der Kölner Staatsanwaltschaft mit. Um welche Gruppe es sich handelt, ging aus der Mitteilung nicht hervor. »Kontakt zur Tätergruppe besteht derzeit nicht«, erklären die Ermittler.
Die Folgen des Angriffs sind verheerend: Service und Betrieb Dutzender kommunaler Verwaltungen in NRW funktionieren seither nur noch eingeschränkt. Örtlich blieben Bürgerbüros, Ausländerbehörden oder Kfz-Zulassungsstellen geschlossen.
Umstieg auf Papierdokumente
In den mindestens 72 betroffenen Kommunen wird an alternativen Lösungen gearbeitet, manche berichteten von einem verstärkten Ausweichen auf Papierdokumente. Etwa der Kreis Siegen-Wittgenstein, das sauerländische Lüdenscheid oder die bergische Kommune Leichlingen nutzen eigenen Angaben zufolge Notfall-Homepages. Einige Dienstleistungen seien möglich, bei anderen gebe es Einschränkungen oder die Bürgerinnen und Bürger müssten sich weiter gedulden, meldeten andere Betroffene wie der Kreis Soest. Einige Verwaltungen verwiesen auch auf telefonische oder persönliche Kontaktwege.
Einer auf Medienberichten basierenden Auswertung zufolge sind sogar mehr als hundert Stadt-, Kreis- oder Gemeindeverwaltung im Regierungsbezirk Arnsberg, im weiteren Ruhrgebiet und im Rheinisch-Bergischen Kreis betroffen.
Ein ZAC-Sprecher hatte kürzlich geschildert, vor allem das südliche und östliche Nordrhein-Westfalen seien betroffen – mit unterschiedlichen Auswirkungen, je nach Umfang der genutzten Dienste von SIT. Die Behörde untersucht unter anderem, welche Sicherheitslücke die Kriminellen genutzt haben und ob auch interne Daten gestohlen wurden.
Ransomwaregruppen drohen oft mit der Veröffentlichung solcher Daten, um den Druck auf die Opfer zu erhöhen. Außerdem versuchen sie in aller Regel, möglichst viele Datenträger und auch Back-ups ihrer Opfer zu verschlüsseln und damit unzugänglich zu machen. Sie verlangen dann Lösegeld für die Herausgabe der Schlüssel.
Der IT-Dienstleister nutze nun auch externe Hilfe und stehe mit weiteren Netzwerkpartnern wie dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Kontakt, hieß es bei der Dortmunder Polizei.