Neue Luxusnascherei Das steckt hinter dem Hype um die 18-Euro-Erdbeere
Blick auf eine Erdbeere: Die hier kostet keine 18 Euro
Foto: Iuliia Zavalishina / picture alliance / ZoonarDubai-Schokolade? Das ist so etwas von 2024. Spätestens, seit jetzt auch Heidi Klum in eine offenbar selbst aus ihrer Sicht »megateure« Erdbeere gebissen hat , hat die Mär von einer neuen Luxusnascherei Deutschland erreicht. Vier Tage habe sie auf das rote Gewächs warten müssen, erzählt das Model auf TikTok, es sei »total ausverkauft« gewesen. Dass die in Klums Video präsentierte Erdbeere eine besondere ist, zeigt schon die Verpackung: Wie ein Schmuckstück ist das XL-Obst in eine transparente Plastikdose drapiert, der Stiel steckt in einem Schaumstoffbett. Begeisterung beim Probieren sieht jedoch anders aus. Klums Kommentar nach dem ersten Bissen lautet »tastes like a strawberry«, also: »schmeckt wie eine Erdbeere«.
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Dass Klum sich überhaupt dabei filmen lässt, wie sie ein Stück Obst kostet, dürfte daran liegen, dass japanische Luxuserdbeeren auf TikTok – und nicht nur dort – gerade heiß diskutiert werden. Influencer und Influencerinnen inszenieren sich auf der Plattform als Produkttester und wollen ihr Publikum wissen lassen, ob sich der Kauf lohnt. Das ist zum Beispiel »janemukbangs«, die ihre 3,8 Millionen Follower nicht nur wissen lässt, dass ihr Auto »nach Erdbeeren riecht«, nachdem sie für den Videodreh zwei der Früchte gekauft hat. Sondern auch: »Ehrlich, ich habe schon Erdbeeren gegessen, die genauso gut geschmeckt haben, ohne 19 Dollar zu kosten.«
Familiäre Verbindungen
Doch genau das ist der Preis, den die kleine kalifornische Ladenkette Erewhon pro Stück verlangt: 19 Dollar. Umgerechnet sind das rund 18 Euro. Losgetreten wurde der Hype um die Früchte offenbar durch ein Video der Amerikanerin Alyssa Antoci , in dem sie das teure Obst über den Klee lobt: »Das ist die beste Erdbeere meines Lebens.« Alles andere hätte auch verwundert, denn, wie sie »Today« erzählt , Erewhon gehört »ihrer Familie«.
Ladengeschäft von Erewhon: Erdbeeren im Einzelverkauf
Foto: Dania Maxwell / Los Angeles Times / Getty ImagesBegründet werden die exorbitant hohen Preise mit den aufwendigen Zuchtbedingungen. Die Erdbeeren der Sorte Tochiaika verlangen nach genau kontrollierten Umweltbedingungen. In abgeschirmten Gewächshäusern werden sie unter Kunstlicht, in einer Atmosphäre mit exakt geregeltem Sauerstoffgehalt und Luftfeuchtigkeit gezüchtet. So beschreibt es jedenfalls die japanische Technikfirma Sharp, die Ende 2013 unter Laborbedingungen den Bau einer Zuchtanlage für die besonderen Erdbeeren in Dubai startete. Der Plan damals: 3000 Früchte pro Monat zu ernten. Nach dem Testlauf machte der Konzern seine Hightech-Plantagen zum Produkt .
Im Dutzend billiger
In gewisser Hinsicht könnte man die japanischen Erdbeeren auch als Gradmesser für die Preisentwicklung bei Luxusprodukten betrachten. Vor fast genau zehn Jahren berichtete das manager magazin bereits über »die teuerste Erdbeere der Welt«. Das zeigt nicht nur, dass der aktuelle Trend nicht neu ist, sondern auch, dass die süßen Früchte damals, verglichen mit heute, fast noch Schnäppchen waren. Seinerzeit kosteten Spezialerdbeeren bei der japanischen Firma Ichigo Company Sweets Lab bei Onlinebestellung noch umgerechnet 7,35 Euro pro Stück.
Auch jetzt könnte man sie – theoretisch – noch günstiger bekommen als beim Luxusladen Erewhon. Im Onlineshop des Produzenten Elly Amai werden 15 Stück in einer Holzbox für 90 Dollar angeboten , diese Boxen allerdings sind derzeit auch ausverkauft. Da könnten Samen für eine weiße Spielart japanischer Edelerdbeeren vielleicht zur Überbrückung dienen. Doch selbst die gibt es nicht als Schnäppchen, auf Etsy sollen zehn Stück 11,58 Euro kosten . Zuzüglich 5,90 Euro Versandkosten, aus Kanada.