Menschenjagd (1/5) »Willst du meine Geschichte wissen?«
Winterhude ist eines der teuersten Viertel in Hamburg. Hier geht Shahriar J. im Herbst 2021 zur Schule. In der elften Klasse begegnet er Lenja.
Er beginnt, ihr auf Instagram zu schreiben. Shahriar J. zeigt sich im Chat empathisch. Manchmal ist er aber auch abweisend und beleidigend. Der SPIEGEL konnte die Nachrichten einsehen. Lenja erzählt im Podcast, Shahriar J. habe ihr irgendwann verstörende Bilder geschickt.
Darunter das Foto eines Arms: Jemand hat sich die Worte »White Tiger« in die Haut geschnitten.
Was Lenja zu diesem Zeitpunkt nicht weiß: Bei den deutschen Behörden geht damals eine Warnung ein. Eine US-Organisation, die gegen Kindesmissbrauch im Netz kämpft, meldet »White Tiger«. Jahre später wird er mit diesem Pseudonym in den Schlagzeilen stehen.
In der ersten Folge der Serie »Menschenjagd« geht es um frühe Warnsignale und um Behörden, die nicht verstehen, mit wem sie es zu tun haben.
Shahriar J.s Anwältin Christiane C. Yüksel glaubt nicht, dass die Vorwürfe des Mordes und des versuchten Mordes, die die Staatsanwaltschaft gegen ihren Mandanten erhebt, bewiesen werden können. »Ich gehe davon aus, dass sie tatbestandlich schon gar nicht vorliegen«, sagt Yüksel dem SPIEGEL.
Zum Vorwurf, er habe Jugendliche dazu gebracht, sich Wunden zuzufügen, weist sie auf Foren im Netz hin, in denen Jugendliche sich gemeinsam selbst verletzen. Diese Orte würden vollkommen unabhängig von ihrem Mandanten existieren.
Hier können Sie die ganze Podcastserie hören.
In diesem Text geht es um massive Gewalt und Suizid. Wenn Sie mit Suizidgedanken kämpfen oder selbst Opfer von Gewalt im Netz geworden sind, gibt es viele Stellen, die Ihnen helfen können. Einige finden Sie hier:
Telefonhotline für Hilfe bei Suizidgedanken: 0800 111 0 111
Hilfe nach sexuellem Missbrauch: 0800 2255 530
Online-Suizidprävention: https://www.u25-deutschland.de/
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