Albrecht-Dürer-Airport Nürnberg: Darum wurden Eurofighter nach Nürnberg geschickt - DER SPIEGEL
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Alarm am Airport Darum wurden Eurofighter nach Nürnberg geschickt

Ein Linienflug von Korfu nach Nürnberg sendet den Notfallcode »7500«, der für Entführung steht. Kampfjets steigen auf, der Flughafen wird gesperrt. Ermittler vermuten ein defektes Funkgerät. Der Überblick.
Ein Eurofighter (l., oben) begleitet ein von der griechischen Insel Korfu kommendes Flugzeug (r.)
Ein Eurofighter (l., oben) begleitet ein von der griechischen Insel Korfu kommendes Flugzeug (r.)

Ein Eurofighter (l., oben) begleitet ein von der griechischen Insel Korfu kommendes Flugzeug (r.)

Foto: Volker Weidinger / dpa

Einsatzkräfte haben gegen Mittag zwischenzeitlich den Albrecht-Dürer-Airport in Nürnberg abgeriegelt, es folgte ein Großeinsatz, später kam die Entwarnung, der Flugbetrieb in Bayerns zweitgrößter Stadt läuft nun wieder. Ein vermeintlich in Not geratenes Flugzeug sendete vor seiner sicheren Landung in Nürnberg den Notfallcode »7500«.

Was ist der Notfallcode »7500«?

Der Notfallcode steht für einen Entführungsfall. Möglicherweise habe ein Defekt des Funkgeräts im Cockpit dazu geführt, sagte ein Polizeisprecher, denn nach dem Absenden des Codes sei der Pilot der Maschine, die von der griechischen Insel Korfu kam, per Funk nicht mehr erreichbar gewesen. Die Ermittlungen zur Ursache für den Alarm laufen aber noch. Sicherheitshalber seien daraufhin diverse Alarmstarts ausgelöst worden, teilte die Polizei mit.

Jedes Flugzeug bekommt von der Flugsicherung einen vierstelligen Transpondercode zugewiesen, den die Piloten manuell eingeben im Cockpit. Der Transponder sendet sodann Angaben zur Flugnummer, zur Geschwindigkeit oder zur Flughöhe an die Bodenstationen. Fluglotsen können diese Angaben auf ihren Bildschirmen sehen.

Es gibt drei spezielle Transpondercodes, mit denen sich Piloten sofort Aufmerksamkeit bei der Flugsicherung verschaffen können. Der Code »7700« bedeutet, dass eine Maschine ein akutes Problem hat – vielleicht technisch, vielleicht mit einem medizinischen Notfall an Bord. Ein Flugzeug, das diesen Code sendet, bekommt eine Vorzugsbehandlung durch die Fluglotsen. Der Code »7600« bedeutet, dass die Piloten wegen eines technischen Ausfalls über keinen Sprechfunk mehr verfügen.

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Der folgenreichste Notfallcode ist aber die »7500«. Wenn ein Flugzeug diesen aussendet, dann bedeutet das: Die Piloten melden eine Entführung. Sofort gibt es einen Großalarm auf den Radarbildschirmen der Flugsicherung. Das Symbol, mit dem ein Flugzeug angezeigt wird, wechselt die Farbe. Neben den Flugdaten der betreffenden Maschine erscheint die Mitteilung: »HIJACK« – Entführung.

Die Flugsicherung informiert sofort Polizei und Sicherheitsbehörden. Abfangjäger starten und inspizieren die Maschine aus der Nähe. Eine Maschine, die »7500« sendet, kann das nicht ungeschehen machen, auch wenn der Code versehentlich eingegeben sein sollte. Erst, wenn sich die Polizei ein Bild gemacht hat von der tatsächlichen Situation an Bord, kann der Entführungsalarm beendet werden.

Warum waren Eurofighter im Einsatz?

Eurofighter waren laut Flughafensprecher im Einsatz, um die Maschine zu begleiten. Polizisten rückten in einem Großaufgebot an den Flughafen aus.

Einsatzkräfte der Polizei versperren die Zufahrt zum Albrecht-Dürer-Airport

Einsatzkräfte der Polizei versperren die Zufahrt zum Albrecht-Dürer-Airport

Foto: Tizian Gerbing / dpa

Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung begleiteten Kampfjets des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 im bayerischen Neuburg an der Donau das Flugzeug im deutschen Luftraum. Dort stehen rund um die Uhr täglich zwei Eurofighter als sogenannte Alarmrotte bereit.

Ein Sprecher der Luftwaffe sagte, das Flugzeug sei bis zur Landung von den Eurofightern begleitet worden. Anschließend seien die Maschinen im Luftraum über dem Flughafen geblieben, bis ein erneuter Start des abgefangenen Fliegers ausgeschlossen werden konnte.

Später wurde bekannt, dass auch in Kroatien ein Kampfjet der kroatischen Luftwaffe aufstieg, um das Flugzeug bis zur slowenischen Grenze zu begleiten. Wie das kroatische Verteidigungsministerium mitteilte, erfolgte der Einsatz aufgrund einer Warnung des Nato-Luftwaffenkommandos im spanischen Torrejón. Die Maschine überflog Kroatien und Slowenien auf ihrem Weg nach Deutschland.

Was ist im Flugzeug passiert?

»Wir hatten auf etwa der Hälfte der Strecke gegen kurz nach 11 Uhr einen Code direkt aus dem Cockpit, der auf eine Geiselnahme schließen ließ«, erläuterte der Polizeisprecher die Lage kurz vor Mittag. »Da wir daraufhin das Cockpit nicht mehr erreichen konnten, beziehungsweise der Tower das Cockpit nicht mehr erreichen konnte, mussten wir eben vom Schlimmsten ausgehen, eben dass es sich tatsächlich um eine Geiselnahme handeln könnte.«

Gegen 12.10 Uhr sei der Flieger dann »sehr pünktlich« in Nürnberg gelandet. »Wir hatten in diesem Zeitraum, also innerhalb dieser Stunde, den Airport aus Sicherheitsgründen erst mal abgesperrt mit einem Großaufgebot von Polizeieinsatzkräften«, sagte der Sprecher. Schließlich sei Entwarnung gegeben worden, allen Insassen des betroffenen Fliegers gehe es gut.

Die von Korfu kommende Maschine der Fluggesellschaft Corendon auf dem Nürnberger Flughafengelände

Die von Korfu kommende Maschine der Fluggesellschaft Corendon auf dem Nürnberger Flughafengelände

Foto: Daniel Löb / dpa

Die Fluggesellschaft Corendon äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall. Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine Boeing 737-800, die je nach Ausführung bis zu 189 Plätze bietet.

Wie der Flughafen-Geschäftsführer Michael Hupe berichtete, war der Flugverlauf des Linienfliegers von Korfu aus unauffällig. »Sowohl Start als auch Landung waren planmäßig.« Das Flugzeug sei nach der Landung aber zunächst auf einem weit abgelegenen Vorfeldplatz abgestellt worden, um sicherzugehen, dass kein Entführungsfall vorliegt. Feuerwehr und Polizei seien mit Blaulicht angerückt. »Das wird jedem, der am Fenster sitzt, schon auffallen«, sagte Hupe.

Erst als nach Polizeiangaben klar war, dass keine Gefahr besteht, durften die Passagiere das Flugzeug verlassen. An dem Einsatz waren auch Spezialkräfte beteiligt. Genaue Zahlen zu den Kräften wurden zunächst nicht bekannt.

Einsatzkräfte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) auf dem Flughafengelände in Nürnberg

Einsatzkräfte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) auf dem Flughafengelände in Nürnberg

Foto: Tizian Gerbing / dpa

Die Passagiere verließen nach Worten des Flughafen-Geschäftsführers über Treppen die Maschine und wurden mit Bussen ins Terminal gebracht. »Dort sind sie von unserem sogenannten SAT-Team, das ist ein Team, was speziell für solche Notfälle ausgebildet ist, also auch mit Seelsorge und so weiter, in Empfang genommen worden«, sagte Hupe. »Für Passagiere, die einen entsprechenden Ansprechpartner brauchen, die eine psychologische Betreuung brauchen, stehen wir dann zur Verfügung. Wenn es nicht der Fall ist, gehe ich davon aus, dass die relativ schnell dann hier nach draußen entlassen werden.«

Was hat es mit den Drohnensichtungen auf sich?

Am frühen Morgen hatte es bereits eine mögliche Drohnensichtung am Flughafen Nürnberg gegeben. Drei Piloten hatten unabhängig voneinander beim Start- oder Landevorgang ein Objekt gemeldet, bei dem es sich möglicherweise um eine Drohne gehandelt haben könnte, wie die Polizei mitteilte.

Die Grenzpolizeiinspektion Nürnberg-Flughafen leitete in Abstimmung mit dem Albrecht-Dürer-Airport und der Deutschen Flugsicherung umgehend Such- und Detektionsmaßnahmen ein. Dabei kam unter anderem ein Polizeihubschrauber zum Einsatz; allerdings konnte keine Drohne gefunden werden.

Während des ersten Einsatzes kam es zeitweise zu Beeinträchtigungen des Flugbetriebs. Nach Angaben eines Flughafensprechers waren sechs Flüge verspätet – zwei Ankünfte und vier Abflüge. Zudem mussten zwei ankommende Maschinen vorsorglich nach Köln und Prag ausweichen, konnten ihren Flug nach Nürnberg danach jedoch fortsetzen.

Zwischen den beiden Vorfällen gebe es aber nach ersten Erkenntnissen »überhaupt keine Verbindung«, sagte ein Polizeisprecher vor Ort.

aeh/me/dpa