Ballermann-König mit Gnadenhof Hier saufen nur die Tiere aus Eimern
Das ist typisch Ballermann. Klar, das auch. Und das hier?
Ja, auch das. Zumindest, wenn es nach André Engelhardt geht. Ihm gehört wortwörtlich der Ballermann. Denn er hat sich vor 30 Jahren die Rechte an dem Begriff gesichert und wurde damit reich. Mit dem Geld hat er sich seinen Cowboytraum erfüllt und lebt jetzt – natürlich – auf der Ballermann Ranch.
André Engelhardt, Jurist:
»Der Ballermann hat mir in allen Bereichen immer nur Glück gebracht, deshalb ist es so, ob Badehose oder Cowboyhut, der Ballermann ist überall. Jedenfalls für mich.«
Die Ballermann-Ranch ist ein Gnadenhof: Engelhardt lebt hier mit 60 Pferden und Eseln und 45 Katzen, die aus schlechter Haltung oder Zirkusauflösungen gerettet wurden.
André Engelhardt, Jurist:
»Herzlich willkommen im Hauptstall von der Ballermann-Ranch.«
Und die liegt nicht in der Nähe von Palma, sondern von Bremen, im niedersächsischen Scholen. Engelhardt hat die Ranch 2011 gekauft. Hier saufen nur die Tiere aus Eimern. Wie kam es dazu?
Los ging alles in den Neunzigerjahren, als Mallorcas Hauptstadt Palma rund um die Schinkenstraße zur Partymeile wird. Mittendrin: André Engelhardt. Der damalige Jurastudent feiert damals auf Mallorca, lernt dort später seine Frau kennen und hat eine Schnapsidee.
André Engelhardt, Jurist:
»Auf die Idee gekommen zu sein, Ballermann als Marke zu nutzen, das war natürlich dem Alkohol geschuldet. Also, wir haben auf Mallorca gefeiert. Natürlich hat man sein Gehirn da abgegeben, aber ich habe es ja zurückgekriegt, als ich nach Hause geflogen bin. Und diese Idee, aus dem Namen Ballermann was zu machen, sie war einfach drin.«
1995 meldet Engelhardt den Begriff »Ballermann 6« als Marke an, so heißt damals eine der nummerierten Strandbars an der Schinkenstraße. Er bezahlt gerade einmal 500 Mark für die Namensrechte. Seitdem verdient er immer mit, wenn mit dem Begriff Ballermann Geld gemacht wird. Auch beim bekannten Klamaukfilm mit Tom Gerhardt. Wie viel genau Engelhardt so eingenommen hat, will er nicht sagen. Sicher ist: Es sind Millionen.
André Engelhardt, Jurist:
»1995 habe ich gedacht: Ich bin froh, wenn das fünf Jahre hält, wenn wir fünf Jahre damit Geld verdienen können. Dass das mal so ein Hype wird, der 30 Jahre später immer noch so erfolgreich ist, das hätte ich damals nicht geglaubt.«
Diesen Hype hat auch Engelhardt selbst vorangetrieben. Er vermarktet den Ballermann bis ins Absurde: Mit allerhand Merch, seinem eigenen Ballermann-Song und mit extra lizenzierten Ballermann-Partys überall in Deutschland, für die er zur Kasse bittet. Eine Party bringt Engelhardt mindestens 900 Euro Lizenzgebühr. Und Malle ist vielleicht nur einmal im Jahr, Ballermann-Party mehr als 200 mal.
Wer ohne Engelhardts Erlaubnis Ballermann feiert, hört von ihm. Er verteidigt seine Marke knallhart. Das sei als Markeninhaber auch seine Pflicht:
André Engelhardt, Jurist:
»Wenn das dann nicht zu einem vernünftigen Gespräch kommt oder einer vernünftigen Einigung, dann muss ich natürlich gerichtlich vorgehen.«
In den vergangenen 30 Jahren hat der Jurist mehr als 500 Prozesse gewonnen, in den letzten Jahren ist es aber ruhiger geworden. Er hat ja auch mehr mit den Pferden zu tun. Auf Mallorca war Engelhardt schon 14 Jahre nicht mehr. Aber seine Ballermann-Slogans hat er auf Wiedervorlage.
André Engelhardt, Jurist:
»Unter dem Cowboyhut oder unter der Badehose: Ballermann ist überall. Für die meisten Menschen ist Ballermann nur fünf, sechs Tage auf Mallorca, aber 360 Tage sind sie in Deutschland und da wollen sie auch ihren Ballermann feiern.«
Vom Bier- zum Tierliebhaber wird Engelhardt, als er das erste Mal auf einem Pferd sitzt. Er ist so begeistert, dass er seine Oldtimer-Kollektion verkauft und sich das Anwesen in Niedersachsen sichert, für rund zwei Millionen Euro. 2018 schenkt er den Hof der Kette Gut Aiderbichl, die mehrere Gnadenhöfe betreibt. Engelhardt führt die Ranch aber immer noch selbst, Ballermann bleibt Chefsache. Und das kommt den Tieren zugute. 60 Prozent der Einnahmen aus seiner Marke nutzt Engelhardt für die Ranch und andere Tierschutzprojekte.
André Engelhardt, Jurist:
»Es geht uns nicht darum, jetzt Geld zu verdienen, damit wir nur weitertrinken können oder uns unsere Füße in Sand stecken oder mit Motorbooten durch die Gegend fahren können.«
Oder wie er auch sagt:
André Engelhardt, Jurist:
»Mit jedem Bier retten wir ein Tier.«
So ein gutes Händchen wie beim Ballermann hatte André Engelhardt aber nicht immer:
André Engelhardt, Jurist:
»Es gab einen Katalog über ›Lady Di‹-Produkte, da gab es auch eben Dessous.«
Denn kurz nach dem Tod von Diana, Fürstin von Wales, meldete er »Lady Di« als Marke an und präsentierte unter diesem Namen Unterwäsche und Wein. Das kommt nicht so gut an:
André Engelhardt, Jurist:
»Es geht immer um Geld. Wenn man eine Marke sichert, dann geht es um Geld. Und auch bei ›Lady Di‹ war die Idee, damit Geld zu verdienen. Aber nicht, um sie zu verunglimpfen, sondern um Produkte zu machen, die ihrem Namen oder der Schönheit, dem Stil und der Eleganz dieser Person hätten gerecht werden können.«
Die Namensrechte für »Lady Di« hat Engelhardt wieder abgegeben. Die für den Ballermann möchte er für immer behalten, inklusive erweitertem Image.
André Engelhardt, Jurist:
»Die Marke Ballermann steht für Tierschutz und das ist das Vermächtnis ebendieser Marke und unser Vermächtnis.«
Und weil die Marke sein Leben ist, ist Ballermann jetzt auch so etwas wie Country.
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