Die Momente kurz vor der Katastrophe, festgehalten von einer Überwachungskamera auf der Francis Scott Key Bridge in Baltimore. Die Aufnahmen wurden jetzt veröffentlicht. Noch läuft der nächtliche Autoverkehr, doch dank der schnellen Reaktion der Verkehrsleitstelle wird die Brücke gesperrt. In dem Moment, als der Containerfrachter Dali den Stützpfeiler rammt, sind nur noch die Fahrzeuge einer Bauarbeitergruppe auf der Brücke. Sechs Arbeiter sterben.
Vier Tage nach dem Unglück suchen Experten weiter nach der Ursache der Kollision. Bekannt ist, dass das Schiff Probleme mit der Stromversorgung meldete, die offenbar zur Manövrierunfähigkeit führten.
Sal Mercogliano, Campbell University:
»Wenn du die Stromversorgung verlierst, verlierst du den Antrieb und das Ruder. Ich frage mich allerdings, wann der Notfallgenerator ansprang. Denn wir sehen ja, dass das Schiff wieder Strom hatte, das war der Notfallgenerator. Man kann daran erkennen, welche Lichter am Schiff an sind, dass der Notfallgenerator war. Und der sollte stark genug sein, das Ruder zu speisen. Aber so war es offenbar nicht, denn das Schiff driftete weiter südwärts.«
Parallel zur Ursachenforschung laufen die Bergungsarbeiten. Und die sind kompliziert, ein Großteil der zusammengebrochenen Brückenkonstruktion liegt im Patapsco Fluss. Die US-Navy hat vier Bergungskräne geschickt, darunter das stärkste Gerät, was an der US-Ostküste vorhanden ist. Doch selbst dieser Kran kann die tonnenschweren verdrehten Stahlteile zum Teil nicht heben, sie müssen vorher zerschnitten werden.
Wes Moore, Gouverneur von Maryland:
»Wenn man nur den Frachter sieht, fast so groß wie der Eiffelturm. Und dann liegt noch die Key Bridge drauf. Container, die in der Mitte auseinandergerissen wurden wie Pappmaché. Da draußen ist es windig, es gibt Stromleitungen. Wenn man da rausfährt und das sieht, wird einem klar, was das für eine gewaltige Aufgabe ist.«
Die US-Regierung hat allein 60 Millionen Euro Soforthilfe zugesagt hat, um zumindest die Fahrrinne in den Hafen von Baltimore möglichst schnell freizubekommen, denn die Katastrophe von Baltimore hat Auswirkungen auf den Schiffsverkehr und Lieferketten weltweit. Doch nicht nur das.
Ortswechsel ins rund 3000 Kilometer entfernte Azapualca im Bergland von Honduras. Hier trauern Angehörige um einen der vermissten Männer, der sich Jahre zuvor aus dem mittelamerikanischen Land in die USA aufgemacht hatte, um Arbeit zu finden. Sie hoffen, dass die Suche nach den Opfern nicht eingestellt wird.
Martin Suazo, Bruder eines Unglücksopfers:
»Wir warten und hoffen immer noch darauf, dass sie die Leiche unseres Bruders finden, so dass wir ihn nach Hause zurückholen können. Das ist das Wichtigste für uns. Also, so Gott will entscheidet die US-Regierung, nicht nur die Brückenteile aus dem Wasser zu holen, sondern auch weiter nach den Leichen zu suchen.«
Auch vor Ort in Baltimore machen Gewerkschaften und Migrantenorganisationen sich dafür stark. Am Donnerstag kamen Kollegen zusammen, um der sechs Opfer zu gedenken. Und auch um in Zeiten des Wahlkampfs, in denen Donald Trump Migranten geradezu verteufelt, daran zu erinnern, wie groß ihre Bedeutung für die US-amerikanische Gesellschaft ist.
»Wir alle sind mit euch. Hier und jetzt und immer.«