Protest gegen Israelhasser und Reichsbürger »Ich bekomme jeden Tag Mord- und Vergewaltigungsdrohungen«
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Was ich aktuell erlebe, das ist unbeschreiblich: Jeden Tag Morddrohungen und Vergewaltigungsdrohungen. «
Der Grund für all den Hass: Karoline Preisler demonstriert mehrmals in der Woche, stets allein, mit Schild und Blume in der Hand. Mal gegen einen Reichsbürger, der vom Verfassungsschutz beobachtet wird.
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Ihre Verschwörungserzählung ist ein bisschen krude.«
Rüdiger Hoffmann, Reichsbürger:
»Das ist keine Verschwörungstheorie, Frau Preisler.«
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Aber sowas von.«
Mal gegen die Hamas und für die Freilassung aller israelischer Geiseln.
Demonstrantin:
»Babymörder – Israel, Babymörder – Israel.
Heute geht Preisler zu drei verschiedenen Kundgebungen – und gerade hier, bei der Palästinenser-Versammlung, sollte sich die Bedrohungslage für sie noch zuspitzen. Der Samstag beginnt für die Rechtsanwältin und vierfache Mutter bei einer Kundgebung von Reichsbürger Rüdiger Hoffmann. Und der kennt sie schon.
Rüdiger Hoffmann, Reichsbürger:
»Wer bezahlt Karoline Preisler? Für wen macht sie den Job?«
Birgit Großekathöfer, DER SPIEGEL:
»Sie sind jetzt gerade hier angekommen und er fängt schon an zu hetzen gegen Sie. Ist das normal?«
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Ja, das ist normal. Ich denke, das hat damit zu tun, dass er das nicht gerne hört, dass es Gegenrede gibt.«
Rüdiger Hoffman, glühender Fan der DDR und vor Jahren führendes Mitglied der NPD saß nach einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim wegen versuchten Mordes im Gefängnis. Heute ruft er zur Rückkehr des Kaiserreiches auf. Als die Polizei ihn auffordert, die Lautstärke seiner Boxen herunterzudrehen, passt das in Hoffmanns Verschwörungserzählungen.
Rüdiger Hoffmann, Reichsbürger:
»Weil wir die Menschen nicht erreichen sollen. Wir sollen euch nicht erreichen, aber wir erreichen euch!«
Vor fünf Jahren verfing Hoffmann damit ganz besonders. Vor dem Reichstag heizte er die Stimmung so auf, dass ein Protest eskalierte und Demonstranten versuchten, das Gebäude zu stürmen.
Auch Preisler war vor Ort, schon damals als Gegendemonstrantin.
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Er ist sehr gefährlich. Ich bin sehr froh, dass die Polizei vor Ort war und verhindert hat, dass das Reichstagsgebäude erobert wurde. Die Leute, die hier vorbeilaufen, die haben den Eindruck, dass das eben eine gemäßigte Meinungsäußerung ist, aber das ist es eben nicht.«
Seine Anhängerschaft erreicht Hoffmann, indem er jede Veranstaltung live auf seiner Internetseite streamt. Vor Ort ist heute nicht viel los. Preisler nutzt die Chance, um Menschen über Hoffmanns aufwendig inszenierte Hetze aufzuklären.
Mann:
»Können Sie das Dreieck erklären? Wissen Sie, wie das funktioniert?«
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Wir werden vom Geld regiert, deswegen gibt es das Finanzsystem hier. Und das Finanzsystem ist natürlich verjudet wegen Rothschild und so. Und deshalb strahlt es bis nach unten aus. Das ist seine Story. Und der ist vollkommen durchgeknallt.«
Mann:
»Ich kann die nicht mehr hören. Das ist schon seit der Coronazeit so, die ganzen Schwurbler.«
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Aber zum Glück sind wir ja tatsächlich die stabile Mehrheit.«
Mann:
»Aber leider nicht immer sichtbar.«
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Das stimmt, deshalb gehe ich samstags manchmal los und halte Gegenrede.«
Mann:
»Das ist gut.«
Bevor Preisler die Kundgebung verlässt, überreicht sie den Polizisten vor Ort noch Ausdrucke von Hoffmanns Internetseite, dort ist der Rechtsanwältin so einiges aufgefallen.
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Darf ich noch eine Anzeige loswerden? Ich habe schon alles aufgeschrieben. Er hat ja eine Internetseite und auf der Internetseite sind zwei Beiträge, die habe ich auch schon markiert: Videoform, Videoform, ... und mit der Länge, er zeigt da Hakenkreuze und erzählt eben lauter Bullshit.«
Polizist:
»Kann ich das einmal haben?«
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Das können Sie behalten. Soll ich hierbleiben oder machen Sie das? Sie können es auch mitnehmen.«
Polizist:
»Perfekt. Ihre Personalien sind uns ja bekannt. Ansonsten nehmen wir das Ganze dann so auf.«
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Danke schön.«
Polizist:
»Perfekt. Schönen Tag noch.«
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Wünsche ich Ihnen auch. Danke schön.«
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Zu meiner Gegenrede gehört auch, dass man Grenzen aufzeigt. Und ich glaube, so ein Ideologe verdient es auch schon mal eine klare Ansage zu bekommen.«
Der zweite Ideologe, den Preisler heute aufsucht, ist Ferhat Sentürk. Der Ex-AfD-Politiker hatte sich zu einer Art Anführer jugendlicher Neonazis aufgeschwungen und mehrere rechtsextreme Demos in Berlin organisiert. Inzwischen behauptet er, der rechten Szene abgeschworen zu haben und setzt sich jetzt angeblich für Gaza ein.
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Der hat eine Versammlung angemeldet zum Thema Palästina. Das ist deshalb so interessant, weil Herr Sentürk ein großer Rufer war von »Ausländer raus«, denn er war bis vor Kurzem Mitglied der AFD. Ich glaube, er hat einfach ein Problem mit Juden, deswegen bin ich hier, um Gegenrede zu halten. «
Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort. Ansonsten sind hier nur eine Handvoll Demonstranten, Journalisten und rechte Streamer.
Schon seit dem Überfall der Hamas auf Israel versucht Preisler auf solchen Demonstrationen, mit den Menschen dort ins Gespräch zu kommen. Manchmal funktioniert das, oft auch nicht. Immer wieder wird es persönlich: Dann halten Teilnehmer ihr ausgedruckte Fotos unter die Nase: von ihrem Ex-Mann, einem ehemaligen FDP-Bundestagsabgeordneten, mit der neuen Freundin, einer ehemaligen Pornodarstellerin.
Frau:
»Guck’ mal hier. Das ist ihr Ex-Mann.«
Und dann gibt es eben immer wieder Gewaltandrohungen, gegen sie selbst, aber auch gegen ihre Familie.
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Es wird mit der Ermordung und Vergewaltigung meiner Kinder gedroht, es wird gedroht, sie vor der Schule abzupassen und niederzumetzeln, mich dabei zuschauen zu lassen.«
Birgit Großekathöfer, DER SPIEGEL:
»Warum tun Sie sich das an?«
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Es fiele mir deutlich schwerer, wenn ich das nicht tun würde. Dann wäre ich verschont geblieben von Beschimpfen und Bespucken, aber ich wüsste, dass dort draußen Menschen sind, die unserer Demokratie schaden und im Fall des Gelingens sie eben auch nachhaltig angreifen. Deshalb gehe ich lieber raus und stecke etwas ein und halte das auch für meine Aufgabe.«
Seit sie Ende August bei einer Kundgebung verletzt und bis in die U-Bahn verfolgt wurde, ist die Polizei besonders aufmerksam. Mit Polizeischutz geht es zur dritten und letzten Station an diesem Tag, einer weiteren Pro-Palästina-Demonstration.
Zu der Demo mobilisiert hat das »Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee«.
Demonstranten:
»Palestine will never die. Viva, viva Palästina!«
Laut Berliner Verfassungsschutz ist das eine Dachorganisation, unter der sich auch Anhänger der Terrororganisation Hamas versammeln.
Demonstranten:
»Massenmörder Israel«
Karoline Preisler bekommt aber auch immer wieder spontane Bestätigung.
Frau:
»Ich finde es auch gut, dass es Sie gibt.«
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Danke schön. Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen. Wollen Sie die Hälfte von meinen Blumen?«
In einen konstruktiven Austausch mit Demonstranten kommt sie hier aber nicht. Den Teilnehmern geht es offensichtlich vor allem darum, Israel als Feindbild zu etablieren. Und noch bevor es richtig losgeht, wird Preisler von der Polizei aufgefordert, sich etwas von der Versammlung zu entfernen.
Karoline Preisler, Rechtsanwältin:
»Ich hätte mir gewünscht, dass ich mehr Gespräche führe. Ich bin mit Sicherheit hier viel sicherer als am Rande dieser pro-palästinensischen, aber im Kern antisemitischen Versammlung. Aber meine Arbeit fehlt dann. Ich muss Gegenrede halten und Gespräche führen, das kann ich hier nicht tun, aber Sicherheit geht vor und deshalb ist es heute für mich in Ordnung.«
Karoline Preisler wird weitermachen mit ihrem Protest – auch am nächsten Wochenende.