»Diskussion aus den Nullerjahren« Studierendenwerk gegen Wiedereinführung von Studiengebühren
Studierende in Frankfurt (Oder): Bald wieder zahlen?
Foto: Patrick Pleul / dpaDer Vorsitzende des Deutschen Studierendenwerks hält es für einen Fehler, Studiengebühren wieder einzuführen. »Miete, Essen, Mobilität: Die Kosten laufen den jungen Menschen davon, es drohen Studienabbrüche durch Geldmangel«, sagte Matthias Anbuhl dem SPIEGEL. Ohnehin sei es nicht klug, in Zeiten des Fachkräftemangels Bildung teurer zu machen. »Die Studierenden von heute sind die Ärztinnen, Lehrkräfte, Ingenieure und IT-Fachleute von morgen, die unsere Gesellschaft so händeringend sucht.«
In der vergangenen Woche hatten die Wirtschaftsweise Veronika Grimm und der CDU-nahe Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) die Idee ins Spiel gebracht, das Bezahlstudium in Deutschland wieder einzuführen. Grimm schlug vor, mit den Geldern unter anderem Kitas und Grundschulen zu finanzieren.
Der RCDS-Chef Lukas Honemann plädierte dafür, die Gebühren sollten den Hochschulen zugutekommen. Außerdem sollten die Studierenden erst nachgelagert zahlen, also nach Abschluss ihres Studiums.
Gebühren in den Nullerjahren »krachend gescheitert«
Matthias Anbuhl vom Studierendenwerk hält dagegen: »Die Diskussion über Studiengebühren stammt aus den Nullerjahren – und das Vorhaben ist krachend gescheitert.« Weder habe es eine soziale Abfederung gegeben noch sei das Geld »spürbar« in die Hochschulen investiert worden.
Ab 2006 hatten sieben Bundesländer, darunter Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, bereits Studiengebühren für ein Erststudium an einer staatlichen Hochschule eingeführt, in der Regel 500 Euro pro Semester. Wenig später wurden die Gebühren sukzessive wieder abgeschafft, zuletzt 2014 in Niedersachsen.
Eine künftige Bundesregierung müsse dringend ein Paket für die junge Generation schnüren, sagte Anbuhl weiter. Dazu gehöre etwa »eine grundlegende Reform des Bafög, ein weiterhin rabattiertes Deutschlandticket für Studierende sowie eine klimagerechte Sanierung von Hochschulbauten, Mensen und Cafeterien«. Ein erneuter Aufguss der gescheiterten Studiengebührenkonzepte helfe hingegen nicht weiter.
In einzelnen Ländern müssen Studierende bereits zahlen, wenn sie die Regelstudienzeit deutlich überschreiten oder ein Zweitstudium absolvieren. Baden-Württemberg verlangt von Studierenden, die aus einem Nicht-EU-Staat stammen, 1500 Euro pro Semester.
Gleichzeitig müssen Studierende fast überall in Deutschland sogenannte Semesterbeiträge entrichten, die nicht selten mehrere Hundert Euro betragen. Damit werden unter anderem Wohnheime und Mensen bezuschusst, oft ist auch ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr enthalten.