Wegen Corona Hohe Nachfrage bei Studienkrediten
Studentinnen auf dem Campus der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität
Foto: Michael Gstettenbauer / imago imagesAls in der Coronakrise die Restaurants, Cafés sowie Kinos schließen mussten und auch keine Messen mehr stattfanden, fielen viele Nebenjobs von einem auf den anderen Tag weg. Studierende bekamen Probleme, für Miete und Lebensmittel aufzukommen: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Studienkredite daher rasant gestiegen. Insgesamt werden derzeit von Banken und Bildungsfonds monatlich rund 48 Millionen Euro an Studierende ausgeschüttet.
Die Zahl der Kredit-Neuverträge kletterte auf rund 53.000 gegenüber 33.000 im Vorjahr. Insgesamt beziehen derzeit 90.000 Studierende in Deutschland Gelder aus einem Studienkredit oder Bildungsfonds. Das entspricht einem Anteil von drei Prozent. Laut den Autoren erreicht die Zahl der Neukredite damit wieder das Niveau aus dem Jahr 2015.
Die Zahlen stammen aus dem am Mittwoch veröffentlichten Studienkredit-Test 2021 des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh. Von den 53.000 Neuabschlüssen sind demnach etwa 40.000 auf den Kredit der staatlichen KfW-Gruppe entfallen, mehr als drei Viertel aller neuen Verträge.
Kritik am KfW-Kredit
Als Gründe für den rasanten Anstieg nennen die Studienmacher geänderte Vertragsmodalitäten. So kann der KfW-Studienkredit bis Ende 2021 zinsfrei genutzt werden. Außerdem konnten wegen Corona erstmals Studierende aus dem Ausland befristet den Kredit in Anspruch nehmen. Dies nutzten 16.000 Studentinnen und Studenten ohne deutschen Pass – ein Anteil von 30 Prozent bei allen Neuverträgen.
Viele Fachleute sehen die KfW-Kredite jedoch kritisch. Dabei handele es sich letztlich »um einen stinknormalen Bankkredit, der als zinsloses Darlehen verkauft wird, in Wirklichkeit aber teuer bezahlt werden muss«, sagte Andreas Keller, Hochschulexperte der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), im SPIEGEL-Interview. Keller spielt damit auf die hohen Zinsen des KfW-Kredits an, die aktuell bei fast vier Prozent und damit deutlich über dem Marktdurchschnitt liegen. Sie werden nach Ablauf der zinsfreien Phase fällig.
Auch Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des deutschen Studentenwerks (DSW), würde statt der kurzfristigen und teuren Kredite lieber »eine strukturelle Reform der Studienfinanzierung« auf den Weg bringen. Das DSW fordert seit Jahren höhere Freibeträge beim Bafög und höhere Fördersätze, weil die aktuellen Summen die notwendigen Ausgaben etwa für eine Wohnung längst nicht mehr decken. So liegt die derzeit gezahlte Wohnpauschale bei – unrealistisch niedrigen – 325 Euro pro Monat.
»Als Scheinriese entpuppt«
Kritik äußern auch die CHE-Autoren in ihrem Report. »Der KfW-Studienkredit sollte bei der Corona-Nothilfe als staatliche Alternative für alle fungieren, die weder Bafög-berechtigt sind noch von der – ziemlich bürokratischen – Überbrückungshilfe erfasst werden. Jetzt muss man konstatieren: Der KfW-Studienkredit hat sich als Scheinriese entpuppt«, bilanziert CHE-Experte Ulrich Müller. Der Leiter der politischen Analysen beim CHE spricht von Einmaleffekten.
-
2 Min
Das Bildungsministerium hatte Studierenden auch Überbrückungshilfen angeboten. Im November und Dezember wurden bei den Studenten- und Studierendenwerken in Deutschland fast 83.000 Anträge auf diese Nothilfe gestellt. Es war die zweite Runde der Überbrückungshilfe.
Die erste Runde war Ende September ausgelaufen. Abhängig vom Kontostand gab es 100 bis maximal 500 Euro im Monat, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Allein zwischen Juni und September 2020 waren 244.000 Anträge auf Soforthilfe gestellt worden.