Böller an Silvester: Ärztekammer-Präsident fordert Verbot von privatem Feuerwerk - DER SPIEGEL
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Jährlich Tausende Verletzte Ärztekammerpräsident fordert Verbot von Privatfeuerwerk an Silvester

Menschen und Tiere leiden, jedes Jahr gibt es Tausende Verletzte: Deswegen sagt Allgemeinmediziner Klaus Reinhardt, private Silvesterböllerei sollte verboten werden. Er schlägt Alternativen vor.
Polizeieinsatz zu Silvester in Frankfurt am Main: Plädoyer für Verbot
Polizeieinsatz zu Silvester in Frankfurt am Main: Plädoyer für Verbot

Polizeieinsatz zu Silvester in Frankfurt am Main: Plädoyer für Verbot

Foto: Tim Wegner / epd

Böllern ist vor der Silvesternacht noch gar nicht erlaubt, aber in Berlin meldet die Polizei bereits erste Brände durch Pyrotechnik. Weil nicht nur Regeln missachtet werden, sondern auch schwere Unfälle passieren, plädiert der Präsident der Ärztekammer für ein generelles Verbot von privatem Silvesterfeuerwerk.

Klaus Reinhardt hat die Innenpolitikerinnen und -politiker in Bund und Ländern aufgefordert, ein Verbot des privaten Pyrotechnikgebrauchs auf den Weg zu bringen. »Dieses Thema muss endlich angegangen und auf die Tagesordnung der nächsten Innenministerkonferenz gesetzt werden«, sagte er. »Bleibt die Politik weiter untätig, trägt sie mit dazu bei, dass sich Jahr für Jahr Tausende Menschen durch Silvesterfeuerwerk verletzen.«

Zudem würden mitunter Ärztinnen und Ärzte, Rettungs- und Ordnungskräfte mit Knallkörpern bedroht oder tätlich angegriffen, sagte Reinhardt. Der fahrlässige Umgang mit Böllern und Raketen, in einigen Fällen unter Alkoholeinfluss, führe zu teils schweren Verletzungen und belaste die ohnehin hoch frequentierten Notaufnahmen der Kliniken.

Junge Menschen, Schwangere und Traumatisierte leiden

»Gerade Verletzungen an Augen und Ohren häufen sich in der Silvesternacht«, berichtete Bundesärztekammerpräsident. Besonders erschreckend sei, dass viele Kinder und Jugendliche zu Opfern werden.

Zudem litten Menschen mit Atemwegserkrankungen, Schwangere und Menschen mit (Kriegs-)Traumata unter dem Lärm, den Explosionen und der Umweltverschmutzung durch die Feuerwerkskörper. Haus- und Wildtiere seien ebenfalls stark beeinträchtigt.

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Das zeitweise Böllerverkaufsverbot während der Coronapandemie habe gezeigt, dass die Gefahren durch entsprechende Regelungen deutlich reduziert werden können, sagte Reinhardt. In Hamburg gab es an Silvester 2020, als das Verbot galt, nur etwa ein Drittel der Noteinsätze aus dem Vorjahr; in Berlin sank die Zahl der Einsätze von 1523 auf 862.

Zentrale Shows als Alternative

Reinhardt schlug als Alternative zur privaten Böllerei zentral organisierte Feuerwerke oder Drohnen- und Lasershows vor. »Es ist an der Zeit, neue Silvestertraditionen zu begründen, um friedlich und sicher ins neue Jahr zu starten.«

In Berlin haben Böller und Raketen bereits einige Tage vor Silvester laut Polizei kleinere Brände verursacht. Vor allem Müllcontainer waren betroffen, wie ein Sprecher sagte.

Seit dem offiziellen Feuerwerksverkaufsstart in der Nacht zum Samstag seien Polizistinnen und Polizisten in der ganzen Stadt unterwegs und schrieben Anzeigen wegen der verfrühten Böllerei.

Erlaubt ist das Böllern in der Hauptstadt erst am Silvesterabend ab 18 Uhr bis zum Neujahrsmorgen um sieben Uhr. Wer dagegen verstößt, riskiert ein Bußgeld bis zu 10.000 Euro, wie die Berliner Polizei unter anderem in Briefen an Eltern warnte.

Die Polizei hatte angekündigt, bereits vor der Silvesternacht verstärkt unterwegs zu sein. Statt 180 Funkwagen sind laut Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel 239 im Einsatz, auch in den Wachen gebe es mehr Personal. Rund 1000 Kräfte sind demnach in diesem Bereich in Berlin im Einsatz.

Tiere können »Silvesterneurose« entwickeln

Nicht nur Mediziner sehen private Böllerei kritisch. Auch der Deutsche Tierschutzbund und andere Organisationen fordern ein Böllerverbot zumindest rund um Tierheime und ähnliche Einrichtungen. Denn die Knallerei zum Jahreswechsel setzt viele Haustiere und auch Wildtiere unter Stress.

Der Deutsche Tierschutzbund rät Tierhaltern, Fenster, Türen und möglichst auch die Rollos in der Wohnung in der Silvesternacht geschlossen zu halten, damit der Lärm und die Lichtblitze zumindest gedämpft werden. Eine Geräuschkulisse von Fernseher oder Radio könne ebenfalls helfen, Außengeräusche zu überdecken.

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Laut Tierschützern können Vierbeiner eine sogenannte Silvesterneurose entwickeln, die sich durch Nahrungsverweigerung, Durchfall, heftiges Zittern oder unaufhörliches Jaulen zeige. Wer das bei seinem Tier schon einmal beobachtet habe, könne vom Tierarzt Beruhigungsmittel verordnen lassen. Wichtig sei, dass ein vertrauter Mensch am Silvesterabend bei dem Tier bleibe.

Nicht nur für Haustiere, auch für Wildtiere sowie auf Bauernhöfen ist der Krach in der Silvesternacht ein Stressfaktor. Bei Pferden auf der Weide etwa bestehe die Gefahr, dass sie in Panik geraten und ausbrechen, so der Deutsche Tierschutzbund. Er fordert, am Waldrand, in Vogelschutzgebieten, auf Waldlichtungen, aber auch rund um Tierheime, Zoos und Pferdehöfe auf Feuerwerk zu verzichten.

mmq/AFP/dpa

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