Selbermachen ist die Devise – auch bei der Brennholzbeschaffung.
O-Ton: »Achtung!«
Holz aus heimischen Wäldern ist in diesem Jahr besonders gefragt. Derzeit sind Holzscheite für den Kamin zu Hause im Handel kaum oder nur sehr teuer zu bekommen – eine Folge der Energiekrise. Deshalb wollen immer mehr Menschen selbst zur Motorsäge greifen.
O-Töne:
»Wir mussten uns immer jemanden holen, der es macht. Und irgendwann habe ich gesagt: Jetzt ist mal gut, jetzt will ich das mal selber machen.«
»Das beruhigt sehr stark. Also man weiß, egal was passiert, frieren werden wir nicht.«
Am Rande eines 15 Hektar großen Waldstücks bei Soltau in Niedersachsen. Bei einem Motorsägenkurs der Wildtierhilfe Lüneburger Heide fallen heute mehr als zwei Dutzend Bäume – zu Schulungszwecken. (Die Bäume müssten aber ohnehin gefällt werden). Zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollen fällen, sägen, spalten, zerkleinern – und lernen, dabei sich und andere nicht zu gefährden. Das Wichtigste: erst einmal Vertrauen in die Technik aufbauen. Denn aller Anfang ist schwer.
Angeleitet wird der Kurs vom Förster Ralf Neumann. Seine Kurse waren schon immer beliebt, sagt er, doch in diesem Jahr ist die Nachfrage noch einmal kräftig angestiegen.
Ralf Neumann, Wildtierhilfe Lüneburger Heide:
»Wenn heute jemand ein Haus baut, dann ist da meistens auch schon gleich ein Kamin mit dabei oder man hat die Möglichkeit, einen Kamin reinzumachen. Also das hat man schon in den letzten Jahren gemerkt. In diesem Jahr ganz speziell natürlich, aber auch dem geschuldet, dass viele Leute jetzt aufgrund der Energiesituation natürlich auch noch zusätzlich Brennholz machen wollen.«
Doch auf eigene Faust in den Wald gehen und Bäume fällen – das ist verboten. Die sogenannte Selbstwerbung, also der Kauf und das eigenhändige Aufbereiten von Brennholz durch Privatpersonen, muss mit dem Waldbesitzer vorher vertraglich geregelt werden. Und es gibt viele Auflagen, der Motorsägenschein etwa ist Pflicht.
Die Kursteilnehmenden lernen heute, wie eine Motorsäge funktioniert, wie man damit liegendes Holz sägt – und natürlich, wie man einen Baum fällt.
Die Arbeit im Wald ist anspruchsvoll – und gefährlich. Beim Kurs geht es deshalb immer auch um Sicherheit.
Heike Kalb, Kursteilnehmerin:
»Ja, gestern haben wir Theorie gehabt. Also alles von Schutzkleidung eben auch über Fälltechniken, Prüfzeichen, ja, einfach so drum herum: Schutz, Abstand halten und die Sachen haben wir dann besprochen.«
Jede und jeder fällt heute mindestens zwei Bäume. Diese werden von den Kursleitern ausgewählt, damit der Wald keinen Schaden nimmt.
Ralf Neumann, Wildtierhilfe Lüneburger Heide:
»Das ist eigentlich eine ganz normale forstliche Nutzung, was wir hier machen. Also wir haben ja das Nachhaltigkeitsprinzip. Wir ernten grundsätzlich erst mal nicht mehr als nachwächst. Und zum Zweiten ist es so: Wenn wir so eine Durchforstung machen, dann nehmen wir eigentlich die Bäume raus, die sowieso im Laufe des Bestandeslebens ausscheiden würden.«
Heizen mit Holz liegt im Trend. Vor allem Kaminöfen sind als Zweitheizung beliebt: mehr als 11 Millionen von ihnen gibt es in deutschen Haushalten. Auch vor deren Besitzern macht die Energiekrise keinen Halt: Seitdem die Preise für Öl, Gas und Strom in die Höhe geschossen sind, steigt auch die Nachfrage von Brennholz. Die Folgen: Kunden müssen derzeit lange auf bestellte Kaminöfen warten, Brennholz und Pellets sind mehr als doppelt so teuer wie im letzten Jahr. Und vielerorts ist trockenes Scheitholz sogar komplett ausverkauft. Wohl dem, der da Kontakte zu einem Förster hat.
Uwe Engel, Kursteilnehmer:
»Es ist natürlich so, es liegen nicht immer Unmengen immer im Wald drin. Das was da ist, wird dann schnell weggekauft. Und dann stelle ich mich lieber an die Säge und hole mir das da raus.«
Dabei ist das Heizen mit Holz umstritten – vor allem wegen Unklarheiten bei der Klimabilanz. Klar ist: Holz ist, anders als fossile Energieträger, eine erneuerbare Ressource: Bäume wachsen nach.
Je nachdem wen man fragt, soll das Verbrennen von Holz sogar völlig klimaneutral sein. Die Rechnung geht dann so: Beim Verbrennen wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie der Baum im Laufe seines Lebens ohnehin gespeichert hat. Pflanzt man also für jeden gefällten und verbrannten Baum einen neuen, gleicht sich das aus. Das ist die Theorie. In Deutschland wird zwar derzeit sogar mehr Wald auf- als abgeforstet, doch bis ein Baum groß genug ist, um entsprechend viel CO2 eingespeichert zu haben, dauert es Jahre.
Zeit, die die Welt in der Klimakrise laut Umweltschützern nicht hat. Das Umweltbundesamt stellte deshalb jüngst fest: »Heizen mit Holz ist entgegen der weit verbreiteten Meinung nicht klimaneutral.«
Das Thema Nachhaltigkeit spielt auch beim Motorsägenkurs zumindest am Rande eine Rolle. Der Streit um Klimabilanz und Feinstaubemissionen von Kaminöfen wird hier aber nicht geführt.
Uwe Engel, Kursteilnehmer:
»Natürlich: Es qualmt, es stinkt, aber vom Grundsatz her, glaube ich, ist es besser, als eben fossile Dinge zu verheizen, also Gas, Öl, Kohle, so was. Da müssen wir halt von weg.«
Günstige Preise und gemütliche Wärme – die Vorteile vom Heizen mit Holz liegen für die Teilnehmenden heute auf der Hand. Den Aufwand, den Kraftakt und den Lärm nehmen sie dafür gerne in Kauf.
Dietmar Eckert, Kursteilnehmer:
»Auf jeden Fall gehe ich mit einem guten Gefühl raus. Ich muss auf jeden Fall noch üben, gar keine Frage. Gibt ja schon drei, vier verschiedene Fälltechniken, die kann man nicht alle einüben, aber viel zuschauen. Zu Hause ist mit Sicherheit noch ein bisschen Übung gefragt und da spielt sich dann schon ein, denk ich.«
Am Ende des heutigen Kurses erhalten alle Teilnehmenden das ersehnte Zertifikat. Mit dem Motorsägenschein in der Tasche können sie trotz Energiekrise relativ günstig an Brennholz kommen. Danach ist aber noch Geduld gefragt: Bis zu drei Jahre muss das geschlagene Holz trocknen, erst dann kann es wohlig knisternd im Kamin brennen.