"Fortnite"-Entwicklerin über Psychotricks "Bei Kindern lässt sich ein Schuldgefühl erzeugen"
SPIEGEL: Sie haben als Kognitionspsychologin geforscht. Welche Rolle spielt diese Wissenschaft bei der Entwicklung von Computerspielen?
Hodent: Mein Beitrag besteht darin, dass ich den Spieleentwicklern vermittle, dass sie beim Entwicklungsprozess eines Produkts die Endnutzer in den Mittelpunkt stellen müssen. Wenn eine neue Software entwickelt wird, versuche ich vorherzusagen, wie die Leute sie nutzen. Bei Computerspielen gibt es zwei Hauptaspekte: Benutzerfreundlichkeit und die Frage, ob man bei einem Spiel gern dranbleibt. Bei der Benutzerfreundlichkeit geht es darum, dass alles leicht zu benutzen sein sollte: Können die Spieler verstehen, wie sie das Spiel nutzen sollen? Sind die Symbole verständlich? Gibt es Leute, die von zu vielen Informationen überfordert werden? Und findet man leicht Zugang zum Spiel, auch Menschen mit Beeinträchtigungen? Wir wollen, das Ihnen das Spiel Spaß macht, auch wenn Sie farbenblind sind oder eine Leseschwäche haben. Wenn man Spaß an dem Spiel hat, will man auch dranbleiben.
SPIEGEL: Wie wurde das bei "Fortnite" umgesetzt, dem erfolgreichsten Spiel, das Epic Games entwickelt hat?
Hodent: Bei "Fortnite" geht es für die Spieler vor allem darum, zu bauen und zu kämpfen. Weil Epic Games schon vorher "Gears of War" entwickelt hat, dachten wir: Die Spieler wissen, wie man auf Zombies schießt. Das müssen wir nicht groß erklären. Anders war es mit dem Bauen, das spielte in solchen Spielen bislang keine Rolle. Wir haben also viel Mühe darauf verwendet, alles rund um das Bauen möglichst verständlich zu machen.
SPIEGEL: Früher mussten die Spieler Spiele erst kaufen, bevor sie loslegen konnten. "Fortnite" kann jeder kostenlos spielen. Ihre Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Spieler lange spielen und dabei möglich viel Geld ausgeben?