Prozess in Ravensburg Vierjährige durch geschlossene Schranke auf Gleise geführt – Mutter vor Gericht
Durchfahrender Zug in Richtung Friedrichshafen (Symbolbild)
Foto: Felix Kästle / dpaWeil sie ihre Tochter auf einen geschlossenen Bahnübergang geführt haben soll, muss sich eine Mutter in Ravensburg wegen versuchten Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft der 34-Jährigen vor, mit der damals Vierjährigen auf die Gleise gegangen zu sein, um sich und das Kind von einem herannahenden Zug überfahren zu lassen. Die Tat ereignete sich im Februar in Friedrichshafen am Bodensee.
Den Angaben zufolge soll die Frau ihrer Tochter einen Gehörschutz aufgesetzt und eine Mütze über die Augen gezogen haben, damit sie den Zug nicht hören konnte. Gemeinsam seien sie unter einer abgesenkten Bahnschranke hindurchgegangen. Das Kind habe sich an der Hand der Mutter geborgen gefühlt, sagte der Staatsanwalt zu Prozessbeginn.
Mutter und Tochter wurden demnach nur gerettet, weil Zeugen eingriffen. Sie zogen beziehungsweise schoben die beiden rechtzeitig von den Gleisen.
Laut der Staatsanwaltschaft habe die Frau die Wehrlosigkeit ihrer Tochter bewusst ausgenutzt. Neben versuchtem Mord geht die Behörde auch von einem versuchten gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr aus. Bei einer Notbremsung hätten zahlreiche Fahrgäste stürzen können.
Außerdem muss sich die Frau wegen eines Vorfalls im Jahr 2025 verantworten. Sie soll damals zwei Personen in Friedrichshafen angegriffen haben. Als die Polizei eintraf, habe sie sich heftig gewehrt, versucht, sich loszureißen, und nach den Beamten getreten.
Die Angeklagte ist derzeit in einer psychiatrischen Klinik. Ihre Verteidigerin hat angekündigt, dass die Frau sich selbst zu den Vorwürfen äußern möchte. Die Verhandlung soll am Donnerstag fortgesetzt werden, in der kommenden Woche könnte ein Urteil fallen.