Fürstentochter Stéphanie Opfer der Paparazzi?
Paris - Die Presse und die Prinzessin: ein wahres Spannungsfeld. Stéphanie, 35, sieht regelrecht rot, wenn Fotografen vor ihrer Tür auftauchen - und besonders, wenn sie ihre Kinder fotografieren. Der Prozess um einen der spektakulärsten - und folgenreichsten - Seitensprünge der vergangenen Jahre dürfte bei ihr alte Wunden aufreißen: Ihr Ex-Mann Daniel Ducruet wendet sich seit diesem Donnerstag vor Gericht in Nizza gegen "die Falle", die man ihm nach eigener Darstellung mit der kurvenreichen belgischen Nackttänzerin Fili Houteman gestellt hat. Es ist der Versuch, sich nach demütigenden "Tatfotos" der Paparazzi als Opfer von Machenschaften einer "bestimmten Presse" darzustellen.
Ducruet liegt dabei auf einer Wellenlänge mit der von ihm geschiedenen Stéphanie, die ihm nach Medienberichten längst vergeben haben soll. Sie fühle sich verfolgt von der Sensationspresse, die ihr das Leben schwer mache, erklärte sie. Ihr sei nicht klar, wieso Monacos fürstliche Familie die Öffentlichkeit derart fasziniere, sie werde aber darum kämpfen, dass ihre Kinder anonym aufwachsen könnten. "Mein ganzes Leben lang hat mich eine bestimmte Presse immer wieder verfolgt und bestimmte Dinge für mich schwieriger gemacht", betonte sie traurig mit einem Seitenblick auf ihr Privatleben.
Ducruet war ihre große Liebe - doch die entwürdigenden Fotos, die ihn auf den Titelseiten der internationalen Presse in innigsten Posen mit der nackten Belgierin zeigten, waren zu viel für sie. Im Oktober 1996 ließ sie sich nach nur 15 Monaten Ehe scheiden. Unklar ist, ob sie der später erfolgten öffentlichen "Liebeserklärung" ihres Ex-Mannes Glauben schenkte oder nicht. In einem Buch hatte ihr der frühere Eisverkäufer, Fischhändler, Polizist und Leibwächter erklärt: "Die Kraft unserer Liebe und die Geburt unserer beiden Kinder hatten es geschafft, zwei so verschiedene Welten zu vereinen."
Spröde und gebrochen klang die Stimme von Prinzessin Stéphanie im Januar bei ihrem ersten Fernsehinterview seit sieben Jahren: "Diese Presse ist sich nicht bewusst, dass sie in der Lage ist, ein Leben zu zerstören", schimpfte die jüngste Tochter des monegassischen Fürsten Rainier. Die Disco-Jahre des einstigen "Enfant terrible" sind längst vorbei. Vergessen die Zeit, da sie als Model oder Pop-Sängerin das Rampenlicht suchte, vergessen die Ära der wilden Jahre, als die eigenwillige Grimaldi-Tochter durch Affären mit Nachtklub-Besitzern oder den Söhnen von Schauspielern in die Schlagzeilen geriet.
Seit dem Unfalltod ihrer Mutter Fürstin Gracia Patricia 1982 ist es ruhiger um sie geworden. Sie war damals in zweifacher Hinsicht verletzt worden, gestand sie später. Zum einen durch den tragischen Verlust, zum anderen durch öffentliche Vorwürfe. Für Stéphanie, die mit der Mutter im Unfallwagen gesessen hatte, war es eine Wende im Verhältnis zu den Medien: "Das Unerträglichste war nach dem Tod meiner Mutter, als man erzählte, ich sei gefahren, und als man es zu behaupten gewagt hat, ich hätte meine Mutter getötet." Bestimmte Medienvertreter seien wie "Geier, eine Meute blutrünstiger Hunde", die nur auf einen "Scoop", einen Skandalbericht oder ein Foto aus seien.
Die Prinzessin interessiert das wenig - sie will nur noch ihre Ruhe haben und warnt eindringlich vor Eingriffen in ihre Privatsphäre. Sie hätte es vorgezogen, auf den Prinzessinnen-Titel zu verzichten und anonym zu leben, "vorausgesetzt, ich hätte den gleichen Papa haben können", erklärte die Tochter von Fürst Rainier. Heute leitet sie als erfolgreiche Geschäftsfrau eine Kette von Modegeschäften und lebt mit ihren Kindern abgeschieden in einem Wintersport-Ort in den französischen Alpen.
Ralf E. Krüger