Englischer Fan-Frust: Endstation Galgenhumor
Enttäuschte England-Fans Frust is coming home
Schon in der Halbzeitpause ist Dan frustriert. "Das war scheiße", platzt es aus dem 40-jährigen England-Fan heraus. "Wie immer", setzt sein Nachbar hinzu. Sie sind extra zum Fußballgucken ins Pub gegangen. Nach dem enttäuschenden 1:1 gegen die USA im Auftaktspiel wollten sie ihre Superstars im zweiten Gruppenspiel gegen Algerien endlich brillieren sehen.
Doch Rooney und Co. versagen erneut. Das Spiel ist so trostlos wie das Wetter in London an diesem Abend. Es nieselt, über einen der zwei Bildschirme sind Regenschirme gespannt. Der Hinterhof des The Albert im Stadtteil Kingston ist üppig geschmückt: England-Wimpel hängen vom Dach, große Poster von Rooney und Gerrard an der Wand. Sogar rote Vuvuzelas hat die Wirtin verteilt.
Es ist alles da für ein Fußballfest - wenn da nur nicht die Nationalelf wäre. Harmlose Weitschüsse landen direkt in den Armen des algerischen Torhüters, phantasielose Angreifer verrennen sich jedes Mal in der Abwehr. "What is he doing?", brüllt ein Mann im England-Shirt, als Steven Gerrard wieder einmal im Strafraum auftaucht - und den Ball ungehindert direkt zum Gegner schiebt.
Der Druck auf die "Three Lions" war immens. Vom "Moment der Wahrheit" hatten die Medien vor dem Spiel gesprochen. Die Mannschaft sollte endlich wie ein Titelfavorit spielen. "Alles andere als ein Sieg heute Abend wäre Englands schlechtestes WM-Ergebnis seit der Niederlage gegen die USA in Brasilien 1950", hatte der "Guardian" vor dem Spiel gewarnt.
England vs. Algerien: Rooney grapscht, Prinz William klatscht
Trainer Fabio Capello hatte keine Gnade walten lassen. Pannen-Torwart Robert Green, der gegen die USA das Gegentor verschuldet hatte, war aus dem Team verbannt worden, stattdessen spielte der 39-jährige Veteran David James. Aber das half auch nicht, die Probleme im Spielaufbau und Abschluss abzustellen. Diesmal reichte es noch nicht mal für ein Tor.
"Rooney, Lampard, Gerrard, Terry, für jeden dieser Spieler würde Real Madrid 20, 30 Millionen hinlegen", sagt ein aufgebrachter Fan im Londoner Hinterhof. "Aber für mich sehen die nicht wie Weltklasse aus, sondern ziemlich gewöhnlich."
"Kopflos" hätten sie gespielt, meint ein anderer. "Ohne jeden Plan". Nach der neuerlichen Pleite gibt es keine Entschuldigung mehr, der dritte Platz in der Gruppe hinter Slowenien und den USA ist peinlich. "Immerhin sind wir noch besser als Frankreich", versucht es ein Fan mit Galgenhumor. Der Vizeweltmeister hat schließlich sogar schon ein Gruppenspiel verloren.
Während des Spiels kommt immer wieder Hoffnung auf. Die Einwechslung von Peter Crouch wird im Albert frenetisch bejubelt. "Come on", brüllen sie. Der Zwei-Meter-Stürmer kommt wie schon im Spiel gegen die USA kurz vor Ende als Joker, er soll mit hohen Bällen im Strafraum bedient werden. Doch wieder bleibt er wirkungslos.
Nach dem Abpfiff pfeifen die Fans im Stadion ihre Elf aus. Der "Guardian" berichtet, dass ein Anhänger im England-Trikot sogar an den Sicherheitskräften vorbei in die Kabine gestürmt sei, wo er den verletzten David Beckham mit Beleidigungen einzudecken versuchte.
In Kingston streben sie mit hängenden Köpfen zu ihren beflaggten Autos. Erklären können sie sich den Totalausfall nicht. Die Frauengeschichten von John Terry und Ashley Cole hätten die Mannschaft in Unruhe versetzt, wird gemutmaßt. So ganz plausibel klingt das aber nicht.
Nun bleibt nur die Hoffnung. Im letzten Gruppenspiel gegen Slowenien muss ein Sieg her, sonst sind die Grillabende im Pub vorzeitig vorbei. Dan glaubt nicht, dass er noch mal wiederkommt. "Slowenien ist das Ende."