Friedensdenkschrift 2025: Evangelische Kirche ändert Positionen zu Krieg und Frieden - DER SPIEGEL
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Friedensdenkschrift 2025 Evangelische Kirche spricht sich für Möglichkeit der atomaren Abschreckung aus

Die evangelische Kirche in Deutschland hat ihre Positionen zu Krieg und Frieden neu veröffentlicht. In dem Denkpapier haben sich grundsätzliche Einstellungen geändert. Sogar der christliche Pazifismus wird infrage gestellt.
Die EKD hat bei ihrer Synode ein neues Grundsatzpapier vorgestellt
Die EKD hat bei ihrer Synode ein neues Grundsatzpapier vorgestellt

Die EKD hat bei ihrer Synode ein neues Grundsatzpapier vorgestellt

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Paul-Philipp Braun / epd / IMAGO

Die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat in ihrer neuen Friedensdenkschrift veränderte Positionen vorgestellt. Das Grundlagenpapier unter dem Titel »Welt in Unordnung – Gerechter Frieden im Blick«  ist die erste große friedensethische Positionierung der deutschen Protestanten seit 2007. Das Papier ist auch vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und des Gazakriegs entstanden.

In der Denkschrift bekennt sich die Kirche nicht nur zum Vorrang des »Gerechten Friedens«. Im Unterschied zu früheren Veröffentlichungen erkennt man dabei auch eine mögliche Notwendigkeit einer atomaren Abschreckung an: »Ethisch ist die Ächtung von Atomwaffen aufgrund ihres verheerenden Potenzials geboten«, heißt es. »Der Besitz von Nuklearwaffen kann aber angesichts der weltpolitischen Verteilung dieser Waffen trotzdem politisch notwendig sein, weil der Verzicht eine schwerwiegende Bedrohungslage für einzelne Staaten bedeuten könnte.«

Der Friedensbeauftragte der EKD lehnt eine atomare Abschreckung jedoch weiterhin ab. Damit stellte sich Mitteldeutschlands Landesbischof Friedrich Kramer gegen die Friedensdenkschrift seiner Kirche: »Ich bin der Meinung, wir sollten bei einem klaren Nein ohne jedes Ja bleiben.« Auch kirchliche Friedensgruppen äußerten sich kritisch zur Denkschrift.

Nächstenliebe und Waffenexporte

Der Denkschrift zufolge sind nachhaltiger Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit nur dann erreichbar, wenn körperliche Unversehrtheit und der Erhalt staatlicher Integrität gesichert sind. »Gerechter Frieden ist mehr als Abwesenheit von Krieg«, sagte die EKD-Ratsvorsitzende, Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs, in Dresden vor der Synode der Evangelischen Kirche. »Es bleibt ein Gebot der Nächstenliebe, dass wir Menschen, die an Leib, Leben und ihrer Würde bedroht sind, nicht schutzlos der Gewalt ausgesetzt lassen.« Letztlich bleibe ein Dilemma, das sich nicht auflösen lasse. »Gewalt anzuwenden ist nicht möglich, ohne schuldig zu werden«, so Fehrs. »Aber auch Menschen oder Staaten machen sich schuldig, die Gewalt zulassen und Menschen nicht vor ihr schützen.«

Konkret geht es in der Denkschrift auch um Waffenexporte. »Die Entscheidung zu Waffenlieferungen und Rüstungsexporten wird sich daran messen lassen müssen, dass eine Eskalation der Gewalt vermieden wird.« Gewarnt wird vor einer wachsenden Gefahr hybrider Kriegsführung. Durch Desinformation, digitale Manipulation und gezielte Polarisierung drohe die Aushöhlung demokratischer Strukturen. »Plurale Demokratien mit ihren langen parlamentarischen Aushandlungsprozessen sind besonders geeignete Ziele hybrider Kriegsführung.« Notwendig sei eine europäische Gesamtstrategie gegen hybride Angriffe.

»Hoffnung und Zuversicht«

Und die Schrift geht sogar noch weiter und hinterfragt den Pazifismus: »Christlicher Pazifismus ist als allgemeine politische Theorie ethisch nicht zu begründen«, heißt es. »Er ist aber als Ausdruck individueller Gewissensentscheidung zu würdigen.«

Fehrs betonte noch: »Die christliche Botschaft setzt auf Hoffnung und Zuversicht statt auf Angstmacherei. Kirchen sind Orte der Aufklärung, der Resilienz und des respektvollen Diskurses – gerade in Zeiten, in denen Manipulation und Falschinformation die öffentliche Debatte verzerren.«

czl/KNA

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