Die Sonnenallee in Berlin-Neukölln – seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel ist die Straße wieder in den Schlagzeilen. Denn in den Tagen nach dem Anschlag am 7. Oktober gab es hier teilweise unverhohlene Sympathie für die Hamas, Pro-Palästinensische Demos mündeten in Gewalt und offenen Antisemitismus.
Doch auch das ist die Sonnenallee, nur ein paar Blocks weiter Richtung Süden: Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome vor 85 Jahren.
»Der Faschismus existiert weiter. Das bedeutet, wir kämpfen weiter. Wir kämpfen weiter gegen den Faschismus in Berlin.«
Das »Nie wieder«, so sehen es viele hier, ist aktuell gefährdet.
»Freunde von mir, jüdische Freunde von mir schicken an solchen Tagen wie heute ihre Kinder nicht zur Schule, weil sie Angst haben. Weil möglicherweise der Polizeischutz nicht ausreicht. Ich kenne Leute, die sich verstecken, weil sie Angst haben, weil sie sich körperlich bedroht fühlen. Ja, und das besorgt mich.«
»In den letzten Jahren bin ich tatsächlich nicht mehr zum neun November gegangen, weil es so ein bisschen untergegangen ist in meinem Leben. Und jetzt finde ich es gerade wichtig, dass das völlig unabhängig von dem, was gerade in Israel und Palästina passiert, dass getrennt davon daran gedacht hat, was wir als deutsches Volk mal fabriziert haben.«
Der Ort der Veranstaltung zeigt, wie schnell Geschichte aus dem Blickfeld geraten kann. Denn kaum etwas erinnert noch daran, dass an diesem Abschnitt der Sonnenallee, wo heute eine Schrebergartenkolonie steht, ab 1942 ein Außenlager des KZ Sachsenhausen war. Mehrere Hundert jüdische Zwangsarbeiterinnen waren in den Baracken interniert.
Viele Kiez-Bewohner erfahren eher zufällig davon, wenn überhaupt.
»Mich hat das damals schockiert, als ich erfahren habe, dass hier ein Lager gewesen ist. So mitten in der Stadt. Unsere Tochter ist hier in die Kita gegangen, direkt in der Nachbarschaft. Bis dahin war uns das überhaupt nicht bewusst. Und möge es sich nie wiederholen.«
Unter Polizeischutz wollen an diesem Abend rund 50 Neuköllnerinnen und Neuköllner zeigen, dass die Sonnenallee auch ihnen gehört.
»Vielleicht ist es auch hier umso wichtiger, wo vor ein paar Wochen noch Proteste waren, die sehr respektlos mit dem Leid von Menschen umgegangen sind, dass man hier auch noch mal ein Zeichen setzt.«
Ein Zeichen, das die Erinnerung an einen beinahe vergessenen Ort wachhält, im Süden der Sonnenallee.