Save the Children: Internationaler Report über Kindheit - DER SPIEGEL
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Internationaler Kinderreport: Vertrieben, vergewaltigt, verstört

Foto: Save the Children

Internationaler Report Der Kindheit beraubt

Wo geht es Kindern gut - und wo besonders schlecht? Ein Bericht vergleicht die Lage in 175 Staaten. Dem Report zufolge ist sie für mehr als eine Milliarde Kinder bedrohlich - die größte Gefahr geht dabei nicht von Kämpfen aus.
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Nach deutschem Verständnis wäre Raheela (Name geändert) gerade alt genug, um im Kino einen James-Bond-Film zu schauen. Doch in ihrer Heimat in Zentralafghanistan musste die 12-Jährige ansehen, wie bewaffnete Angreifer zwei ihrer Onkel töteten. Raheela floh mit ihrer Familie aus der Region, in der es seit Jahren zu Kämpfen kommt. Nun versucht der Vater, die Familie mit seinem Einkommen als Tagelöhner zu ernähren - manchmal klappt das, an den anderen Tagen isst Raheela nichts.

Ähnlich ergeht es Kindern auf der ganzen Welt. Die Hilfsorganisation Save the Children sieht in ihrem neuesten Report "Die Gesichter der Ausgrenzung"  zur Lage von Minderjährigen weltweit die Kindheit von 1,2 Milliarden Kindern in Gefahr.

Für das Ranking der 175 Staaten wurden bestehende Datensätze ausgewertet, der Großteil von ihnen erhoben durch UN-Organisationen. Maximal können die Staaten 1000 Punkte erreichen, unterteilt in acht Kategorien:

  • Kindersterblichkeit bei Kindern unter fünf Jahren
  • Mangelernährung bei Kindern unter vier Jahren
  • Einhaltung der Schulpflicht
  • Häufigkeit von Kinderarbeit
  • Häufigkeit von Kinderehen
  • Rate der Teenager-Schwangerschaften
  • Vertreibung der Bevölkerung durch Krieg
  • Tötungsdelikte gegen Kinder
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Internationaler Kinderreport: Vertrieben, vergewaltigt, verstört

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Kinder wie Raheela haben es demnach besonders schwer - in Afghanistan geht fast jedes zweite Kind nicht zur Schule, genauso viele sind mangelernährt, und knapp 30 Prozent der Bevölkerung von 5 bis 17 Jahren müssen arbeiten. Raheelas Heimatland (592 Punkte, Rang 160) ist dem Bericht zufolge neben Jemen (648 Punkte, Rang 145) und Syrien (656 Punkte, Rang 142) für Kinder einer der gefährlichsten Orte der Welt.

"In diesen Staaten treten mehrere Faktoren gleichzeitig auf. Kinder haben kaum eine Chance auf eine unbeschwerte Kindheit", sagt Jacqueline Dürre, Regionalreferentin von Save the Children für den Nahen Osten. Heute leben ihr zufolge so viele Kinder in Krisengebieten wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Die größte Gefahr für Minderjährige geht nicht von Kämpfen selbst aus - nur 1,5 Prozent der Kinder in Krisengebieten sterben in direktem Zusammenhang mit bewaffneten Auseinandersetzungen. Sondern von der fehlenden Infrastruktur, den nicht vorhandenen Krankenhäusern, der Mangelernährung und der schnellen Verbreitung von Krankheiten.

Save the Children gibt die Untersuchung in diesem Jahr zum zweiten Mal heraus. Im Vergleich zum vergangenen Jahr gibt es auch gute Entwicklungen: In 95 der 175 untersuchten Staaten hat sich die Situation für Kinder dem Bericht zufolge verbessert.

Am unbeschwertesten leben demnach Kinder in Slowenien und Singapur - die Länder führen die Rangliste mit 987 Punkten an. Sie liegen damit noch vor Schweden und Norwegen. Deutschland folgt mit 978 Punkten auf Rang 12 - mit dieser Punktzahl lag die Bundesrepublik im vergangenen Jahr auf Platz 10.

"Auf den ersten Plätzen unterscheiden sich die Staaten nur durch wenige Punkte. Man kann davon ausgehen, dass Kinder in diesen Staaten eine gute Kindheit erleben", sagt Dürre. Slowenien zeichne sich insbesondere durch sehr wenige Teenager-Schwangerschaften und eine geringe Sterblichkeitsrate bei Kindern aus.

Anders sieht das in den USA (Rang 36, 945 Punkte) aus: Dort ist Zahl der Tötungsdelikte an Kindern fünfmal so hoch wie in Deutschland - und auch Teenager werden dreimal häufiger schwanger. "Das sind Faktoren, die eine Kindheit frühzeitig beenden", sagt Dürre.

Schwierige Datenerhebung

Der Report erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Datenerhebung ist nicht ohne Lücken: Oft fehlen Informationen gerade aus Ländern, in denen die Situation von Kindern besonders schlecht ist. "Im Kriegsfall hat akademische Forschung keine Priorität", sagt Dürre.

Deshalb bilde das Ranking die Lebenssituation von Kindern in akuten Krisengebieten nur bedingt ab. "Verlässliche, aktuelle Daten aus Syrien oder Jemen gibt es momentan nicht." Armut, Kriege und Diskriminierung von Mädchen seien aber weiterhin die größten Gefahrenquellen für Kinder.


Zum Report: Der Internationale Kinderreport der Hilfsorganisation Save the Children erscheint 2018 zum zweiten Mal. Anlass ist der Weltkindertag am 1. Juni. Der Report wertet bestehende Datensätze aus, die fast ausschließlich durch UN-Organisationen erhoben wurden.

Alle acht Faktoren, die der Report untersucht und die in das Ranking einfließen, werden gleich gewichtet. Besonders hohe Werte (Schulbesuch) oder niedrige Quoten (Mangelernährung) wertet Save the Children als Grundvoraussetzung dafür, dass ein Kind eine gute Kindheit haben kann. Eine Garantie sind sie freilich nicht. Für andere wichtige Faktoren (zum Beispiel die Häufigkeit sexueller Gewalt, Kinderhandel oder gefährliche Arbeitsbedingungen) lagen keine ausreichenden Datensätze vor, die einen systematischen Vergleich erlaubt hätten.

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