Schlaganfall-Hilfe: Rosenball in Berlin (Bertelsmann) mit Mohn, Pooth - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Rosenball in Berlin: Promis für den guten Zweck

Foto: Clemens Bilan/ Getty Images

Rosenball der Schlaganfall-Stiftung Eine Party auf das Leben

Jule Köhler war sechs Jahre alt, als sie einen Schlaganfall erlitt. Jetzt ist sie 14 und beim Berliner Rosenball mit Verona Pooth, Liz Mohn und Sängerin Anastacia auf der Bühne. Sie will bei der Charity-Gala zeigen: Es kann jeden treffen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Kindergarten, Turnhalle. Und plötzlich diese Ohrenschmerzen. Jule war sechs Jahre alt und die Schmerzen wollten nicht aufhören. Sie solle sich hinlegen, sagte die Betreuerin im Kindergarten. Es wurde nicht besser. Jule verlor kurzzeitig das Bewusstsein. Mit einem Hubschrauber wurde sie ins Krankenhaus nach Mannheim geflogen.

Als Thomas Köhler dort ankam, lag seine Tochter Jule schon auf der Intensivstation. Die Ärzte hätten zunächst einen epileptischen Anfall vermutet, sagt er. Doch ein MRT habe nach fünf Stunden Gewissheit gebracht: Jule Köhler, sechs Jahre alt, hatte einen Schlaganfall.

Acht Jahre später ist Jule an diesem Samstag mit ihren Eltern nach Berlin gefahren. Sie trägt ein schwarzes, schickes Kleid, eine Glitzerspange im Haar, schickt ihren Freunden via WhatsApp Fotos vom Ball-Outfit. Sie ist mächtig aufgeregt. Gleich wird sie mit einer Kutsche vor das riesige Hotel fahren, auf einer Bühne stehen und vor mehr als 500 Gästen davon erzählen, wie es ihr heute geht. Im Publikum sitzen Thomas Gottschalk und Günther Jauch, Axel Schulz und Maria Höfl-Riesch, Guido Westerwelle und Claudia Roth.

Nicht sitzen, nicht essen, nicht laufen

Der Bertelsmann-Konzern und Liz Mohn hatten zum Rosenball geladen. Mohn gründete 1993 die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe . Knapp 270.000 Menschen erleiden in Deutschland pro Jahr einen Schlaganfall, darunter Hunderte Kinder. Jule ist seit rund fünf Jahren Botschafterin der Stiftung.

Nach der Diagnose lag Jule zwei Wochen lang im Krankenhaus: Ihre linke Seite war gelähmt, sie konnte nicht sitzen, nicht essen, nicht laufen. 14 Wochen verbrachte sie anschließend in der Reha und fing mit dem Lernen ganz von vorne an.

Heute sieht man nur noch an ihrem verdrehten linken Arm und dem langsamen Gang, dass etwas nicht stimmt. "Ich muss den Leuten dann erklären, dass ich eine Krankheit habe. Und dass so ein Schlaganfall nicht nur Omas treffen kann", sagt Jule. Einmal pro Woche geht sie noch zur Krankengymnastik und zur Ergotherapie, sie nimmt Blutverdünner.

"Möglichst viele sollen das sehen"

Auch wenn es nach außen wenig sichtbar ist, im Alltag merke sie die Einschränkung deutlich. "Meine Freunde sagen, es mache doch nichts. Das sehe ich anders." Jule kann ihre Haare nicht zum Zopf binden. Beim Sportunterricht steht sie oft an der Seite. Und wenn sie sehr aufgeregt ist, rutscht ihr linker Mundwinkel nach unten. "Am meisten nervt das Gefühl, nicht so zu sein wie die anderen."

Warum sie sich dann trotzdem auf die Bühne stellt? Neben Verona Pooth, Frauke Ludowig und Liz Mohn? "Möglichst viele sollen das sehen", sagt sie. "Andere Kinder sollen sehen, dass ein Schlaganfall nicht das Ende ist."