Amoklauf bei Zeugen Jehovas Hamburger Linke verlangt Rücktritt von Polizeipräsident
Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer
Foto: FABRIZIO BENSCH / REUTERSDie Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft hat im Zusammenhang mit dem vom Hamburger Amokschützen verfassten Buch den Rücktritt von Polizeipräsident Ralf Martin Meyer gefordert. Meyer hatte auf einer Pressekonferenz erklärt, die Waffenbehörde habe das Buch nach einem anonymen Hinweis auf eine mögliche Gefahr durch Philipp F. nicht entdeckt. In einer nun veröffentlichten Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken räumte der Senat jedoch ein, dass das Machwerk den Behörden doch bekannt gewesen sei, sie es allerdings nicht erworben hätten. Kostenfrei war das Buch nicht zu lesen; der Titel »Die Wahrheit über Gott, Jesus Christus und Satan« allein vergrößerte anscheinend nicht die Zweifel an einer waffenrechtlichen Eignung von Philipp F. Der SPIEGEL hatte den Vorgang am Dienstagabend öffentlich gemacht .
Der 35 Jahre alte Philipp F. hatte vor rund zwei Wochen bei einer Gemeindeversammlung der Zeugen Jehovas in Hamburg sieben Menschen getötet – darunter ein ungeborenes Kind. Anschließend brachte er sich selbst um. Neun weitere Menschen wurden bei der Amoktat verletzt.
»Entweder Meyer hat die Öffentlichkeit bewusst getäuscht oder er weiß nicht, was innerhalb der Polizei vor sich geht – so oder so ist er dadurch als Polizeipräsident nicht mehr tragbar«, sagte der Linken-Innenexperte Deniz Celik. Dass die Waffenbehörde den Titel »Die Wahrheit über Gott, Jesus Christus und den Satan« nicht alarmierend gefunden habe, zeigt für Celik ein fehlendes Problembewusstsein.
»Angesichts des anonymen Schreibens mit dem Hinweis auf den Hass des späteren Amokschützen auf die Zeugen Jehovas hätten bei dem Buchtitel dann nun wirklich alle Alarmglocken schrillen müssen«, so Celik. Dass dies nicht geschehen sei, sei ein Versagen der Waffenbehörde, für das Meyer und Innensenator Andy Grote (SPD) die politische Verantwortung trügen und Konsequenzen ziehen müssten.
An diesem Samstagnachmittag wollen die Zeugen Jehovas in der Alsterdorfer Sporthalle der Opfer der Amoktat gedenken. Neben den Angehörigen der Hinterbliebenen und der überlebenden Opfer seien 53 Hamburger Gemeinden von Jehovas Zeugen eingeladen sowie Vertreter aus Politik und Behörden.