Handel mit Reliquien: Schwarze Madonna zu verkaufen - DER SPIEGEL
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Handel mit Kirchenschätzen Schwarze Madonna zu verkaufen

Sie räumen Kirchen aus und handeln mit Jesusstatuen: Früher bekamen Joannes Peters und sein Sohn die Wut von Katholiken zu spüren - heute brummt das Geschäft, vor allem dank reicher Russen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Da stehen sie, sechs Männer in einer Kirche im holländischen Breda. In ihren Händen keine Bibeln, sondern Stichsägen und Hämmer. Und dann geht es ans Eingemachte. Alles muss raus. "Das können Sie nicht machen. Das ist ein Nationalmonument!" erregt sich ein vorbeikommender Fahrradfahrer, doch die Männer handeln mit dem Einverständnis der Kirche. Eine Woche und mehrere Lkw-Fuhren später ist das Gebäude komplett leer.

Der Altar, die Beichtstühle, die Kirchenbänke finden sich nun in einem Lager wieder, das weltweit einzigartig ist: Auf 4000 Quadratmetern in dem Örtchen Horssen warten an die 2000 Jesusstatuen, Kelche oder Reliquien mit sterblichen Überresten von Heiligen auf neue Besitzer.

Fluminalis heißt der Handel, den Joannes Peters, inzwischen gemeinsam mit seinem Sohn Harald, seit vierzig Jahren führt. Auf ihrer Homepage schreibt Familie Peters stolz, was sie bisher leergeräumt hat: 26 Kathedralen, 51 Klöster und 81 Kapellen, hinzu kommen mehrere Hundert kirchliche Einrichtungen. Und es werden jedes Jahr mehr.

Heute ist Szenenbildnerin Bárbara Pérez-Solero zur Besichtigung gekommen. Sie hat bereits für Regisseur Ridley Scott das zwölfte Jahrhundert im Kreuzzug-Epos "Königreich der Himmel" auferstehen lassen. Diesmal soll sie für eine neue Serie heilige Figuren aus dem 17. Jahrhundert finden. Der Regisseur hat genaue Anforderungen. Eine schwarze Madonna will er haben und sie dann weiß anmalen, eine Jungfrau Maria wird gesucht, aber bitte ohne Kind auf dem Arm.

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Händler in Holland: Ein Lager voller Heiligtümer

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Mehrere Stunden verhandeln die Händler mit der Szenenbildnerin. Die Preise beginnen im dreistelligen Bereich und gehen bis in die Zehntausende. Auch wenn es Joannes Peters manchmal schmerzt, was mit den Statuen passiert, hat er dennoch keine Gewissensbisse: "So lange wir mit dem Skript einverstanden sind, dürfen sie mieten, was sie möchten. Manchmal machen wir uns natürlich Sorgen. Ich kann aber bis jetzt ziemlich gut schlafen."

Reliquien werden nicht vermietet; verkauft aber schon. Sammler und Kirchen geben ein Vermögen dafür aus. Joannes Peters teilt die Reliquien in drei Klassen ein: "Die mit Blut, Gebeinen oder Innereien sind natürlich first class. Danach kommen Kleidungsstücke von Heiligen und dann gibt es noch die Berührungsreliquien, bei denen der Heilige etwas berührt hat, aber die sind nicht so wertvoll."

Peters besitzt eine ganze Gruft voll mit Gebeinen und anderen sterblichen Überresten von Heiligen. Viele Stücke sind nicht unter 5000 Euro zu haben. Und manche will nicht mal der geschäftstüchtige Händler Peters verkaufen - einen großen Schrein für den Heiligen Herkulanus zum Beispiel.

Zwei Engel als Luxusobjekt

Momentan seien vor allem Russen auf Reliquien-Jagd, erklärt Joannes Peters. So ermöglicht Putins Förderung der russisch-orthodoxen Kirche dem Holländer jedes Jahr höhere Umsätze. Doch Vater und Sohn Peters haben Kunden in der ganzen Welt. Täglich müssen sie an die vierhundert Mails bearbeiten.

Als Joannes Peters in den Siebzigern mit dem Handel anfing, kamen vor allem Briefe wütender Katholiken, die ihm Schindluder vorwarfen. Der Händler sieht aber die Heiligen auf seiner Seite: "Gott hätte mich natürlich auch bestrafen können, weil ich mit den Sachen so umgehe, aber er weiß wie sehr ich die Sachen liebe."

Längst nicht alle Kunden sind gläubig. Einer bestätigt begeistert: "Das ist für mich nicht religiös, das ist Luxus!" Er hat sich in zwei mannshohe goldene Engel verliebt, die sein Wohnzimmer schmücken und Freunde beeindrucken sollen.

Zwar sind Joannes Peters solche Kunden nicht recht, verkaufen wird er die Engel trotzdem - wenn der Preis stimmt. 10.000 Euro sollen es dann schon sein.

Nur ein Kundentyp fällt sogar bei Peters in Ungnade: Käufer, die seine Schätze für mehr Geld weiterverkaufen. Ob da allerdings die Wut des leidenschaftlichen Sammlers oder vielmehr die des Händlers spricht, lässt Peters offen.


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