Spielzeug: Holzschwerter in Serie
Beim Kindergeburtstag wird eine Ritterparty gefeiert. Nieder mit dem Plastikspielzeug, Holzschwerter müssen her!
Der Anruf kam an einem Freitagabend. "Max wird ja bald vier", sagte eine Bekannte. Er wünsche sich zum Geburtstag eine Ritterparty. Im Haushalt gebe es nicht genug Spielzeugschwerter. Ich sei doch so ein Bastelfreak. Ob ich vielleicht in Kleinserienproduktion gehen wolle?
Die Eltern des Jungen hatten nachvollziehbarerweise keine Lust, Geld für Plastikexemplare ausgeben, die nichts aushalten und bald auf dem Müll landen würden. Also riefen sie mich an, wohlwissend, dass ich nie und nimmer Nein sagen würde.
Das Projekt führte mich tief in meine Heimwerkervergangenheit, quasi zu den Wurzeln. Ich fühlte mich in meine Kindheit zurückversetzt. Holzschwerter hatte ich schließlich dutzendfach im elterlichen Keller gebaut.
Spielzeug: Holzschwerter in Serie
Leider gibt es keine Fotos von damals. Es ließ sich nur noch rekonstruieren, dass sie aus sehr dünnen Nadelholz-Latten bestanden, mit Nägeln zusammengehalten wurden und im Kampf ziemlich schnell auseinanderfielen.
Das sollte mir nicht mehr passieren. Neun stabile Schwerter sollten es insgesamt für den Geburtstag sein, darunter zwei kurze für die kleinsten Geburtstagsgäste. Ich wollte kein Geld ausgeben. Glücklicherweise lagen im Schuppen noch ein paar Lattenreste und ein Stück Küchenarbeitsplatte herum.
Und ich wollte auf Schrauben oder Nägel verzichten und ganz auf die Kraft des Leims setzen. Falls ein Teil abbrechen sollte, würden keine spitzen Metallteile zum Vorschein kommen.
Meine ästhetischen Ansprüche waren eher gering. Wichtig war mir, dass von den Schwertern keine größere Verletzungsgefahr ausgehen sollte als von einem Kochlöffel, Buntstiften oder einem abgebrochenen Stock im Wald. Das bedeutete neben Metallfreiheit: abgerundete Ecken und Kanten. Wie bei einem Kindermesser, mit dem sich üben lässt, Butter aufs Brot zu streichen, aber nichts geschnitten oder aufgepikst werden kann.
Bevor ich mich ans Werk machte, ging mir für einen kurzen Moment der Gedanke durch den Kopf, ob es eigentlich pädagogisch wertvoll ist, Kindern Spielzeugwaffen zu bauen. Du kannst doch die Verantwortung für die eigenen Entscheidungen nicht auf einen bald Vierjährigen abschieben, dachte ich.
Pädagogisch besonders wertvolles Spielzeug? Besonders langweilig
Aber ich fand auch, dass man innerhalb gewisser Grenzen seine Geburtstagswünsche respektieren sollte. Er hatte sich ja schließlich keine Bazooka und auch keine Atombombenattrappe gewünscht. Da erschienen mir ein paar Holzschwerter harmlos. Zumal ich aus meiner eigenen Kindheit in Erinnerung habe, dass das pädagogisch besonders wertvolle Spielzeug für mich vor allem eines war: besonders langweilig.
Bei der Produktion (Schritt für Schritt hier nachzuverfolgen) war es wie einst in meiner Kindheit: Mit jedem Schwert wuchs die Routine. Nachdem ich alle neun Stück fertiggestellt hatte, war ich ungefähr so weit, dass ich halbwegs fehlerfreie Exemplare hätte bauen können. So blieben Lücken, Macken und die Erkenntnis, dass Serienproduktion ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich bringt.
Wobei, vielleicht ist das eine typische Erwachsenensicht. Damals als Kind habe ich mich auch nicht darum geschert, ob sich die Schwerter glichen wie ein Ei dem anderen.
Von meiner Bekannten habe ich jedenfalls keinerlei Beschwerden gehört, im Gegenteil: Ich darf berichten, dass die Schwerter trotz aller handwerklichen Mängel beim Kindergeburtstag gut ankamen. Alle Gäste hätten ihr Exemplar gerne mit nach Hause genommen.
Das macht Mut. Insgeheim hoffe ich, dass der Junge beim nächsten Geburtstag das Thema Wikinger wählt.
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Schulz, BenjaminPreisabfragezeitpunkt
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