Aufwendiger Einsatz Mutmaßlicher Kriegsverbrecher auf Kreuzfahrtschiff festgenommen
Ein Kreuzfahrtschiff der Firma Costa Cociere liegt im Hafen von Civitavecchia (Symbolbild)
Foto: Guglielmo Mangiapane/ REUTERSIm Hafen von Civitavecchia haben Grenzschutzbeamte den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Milan B. festgenommen. Italienischen Medienberichten zufolge befand sich der serbisch-kroatische 58-Jährige an Bord eines Schiffs der Firma MSC. Gegen ihn lag ein internationaler Haftbefehl vor. Die Festnahme soll bereits am Ostersonntag vollstreckt worden sein, ist aber jetzt erst bekannt geworden.
Er soll demnach Kriegsverbrechen sowie Mord während des kroatisch-serbischen Konflikts im ehemaligen Jugoslawien begangen haben. Laut der Zeitung »La Repubblica« habe der Mann in den Neunzigerjahren unter anderem proserbischen Milizen angehört. Ihm wird zudem vorgeworfen, einen älteren Mann im Schlaf mit einer Kalaschnikow getötet zu haben. Außerdem soll er an einem Massenmord sowie Vergewaltigungen von Frauen und Kindern beteiligt gewesen sein. »La Repubblica« zufolge fordern Serbien und Kroatien nun die Auslieferung des Mannes.
Der 58-Jährige hatte unter falschem Namen auf dem MSC-Kreuzfahrschiff gearbeitet. Als im Hafen von Civitavecchia zivil gekleidete Grenzschutzpolizisten auf ihn warteten, soll der Mann diese gesehen und in den Maschinenraum geflohen sein. Wie die italienische Zeitung »Corriere della Sera« berichtet , konnte er erst nach über drei Stunden tatsächlich gefunden und festgenommen werden. Er soll sich bisher nicht zu seiner Festnahme geäußert haben.
Eine Sprecherin der Reederei MSC Cruises teilte dem SPIEGEL mit, der festgenommene Mann sei über eine Personalvermittlungsagentur als Zeitarbeitskraft eingestellt worden – und zwar für die Dauer des Trockendockaufenthalts des Schiffs, als sich keine Passagiere an Bord befunden hätten. Er habe nicht zum Sicherheitsteam des Schiffs gehört.
Civitavecchia liegt etwa 70 Kilometer entfernt von Rom . Es ist eine der wichtigsten Hafenstädte und gilt als beliebtes Ziel großer Kreuzfahrtschiffe.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es in der Überschrift, der Mann sei verhaftet worden. Tatsächlich wurde er zunächst festgenommen. Wir haben die entsprechende Stelle präzisiert. Wir haben außerdem die Formulierung entfernt, der Mann habe »bereits mehrere Jahre« auf dem Kreuzfahrtschiff »als Wachmann« gearbeitet. Laut Reederei wurde er über eine Personalvermittlungsagentur eingestellt und gehörte nicht zum Sicherheitsteam des Schiffs.