Japan: Schlechte Karten für eine Kaiserin - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Japan Schlechte Karten für eine Kaiserin

Die Pläne der japanischen Regierung, künftig auch einer Frau den Weg auf den Kaiserthron zu ebnen, sind der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge zunächst auf Eis gelegt. Das Volk hofft nun, dass die Schwester von Kronprinz Naruhito einen Thronfolger zur Welt bringt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tokio - Seit Bekanntgabe der neuerlichen Schwangerschaft von Prinzessin Kiko hoffen die konservativen Monarchisten des Inselstaates auf männlichen Nachwuchs. Das würde die Dringlichkeit aus der Debatte über eine Änderung der Thronfolgeregelung nehmen. Das Kronprinzenpaar Naruhito und Masako hat nämlich nur eine Tochter.

Eine Gesetzesänderung würde es der heute vier Jahre alten Aiko ermöglichen, die erste japanische Kaiserin seit mehr als 200 Jahren zu werden. Das Kaiserhaus hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass Kiko, die Frau von Kaiser Akihitos zweitem Sohn, Prinz Akishino, im Herbst ihr drittes Kind erwartet. Sie hat bereits zwei Töchter im Alter von 14 und 11 Jahren.

Kyodo zufolge hat Ministerpräsident Junichiro Koizumi nach Bekanntwerden der Schwangerschaft seinen Plan fallen lassen, in der bis Juni laufenden Parlamentsperiode ein Gesetz zur Einführung der weiblichen Thronfolge einzureichen. Es hatte zuletzt zunehmend Forderungen aus dem Koalitionslager gegeben, die Diskussion um eine Änderung des Thronfolgegesetzes zumindest einstweilen zu beenden. Koizumi wies den Bericht jedoch zurück und betonte, die Diskussion gehe weiter.

Ein Beratergremium der Regierung von Koizumi hatte Ende vergangenen Jahres eine Änderung des Thronfolgegesetzes empfohlen, um eine Nachfolgekrise in der ältesten Monarchie der Welt zu verhindern. Erst im vergangenen Monat hatte Koizumi signalisiert, eine entsprechende Gesetzesänderung noch in der laufenden Parlamentsperiode einreichen zu wollen.

dab/AP/dpa