Johannes Mesus: Wie ein Ministrant mit Trisomie 21 bei Beerdigungen einsamer Menschen dabei ist - DER SPIEGEL
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• aus DER SPIEGEL 1/2025
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Die Welt ist düster, das Leben schlecht? Von wegen. Überall in Deutschland gibt es Menschen, die nach den Sternen greifen, erfinden, entwickeln, anderen helfen. Wir haben 100 Geschichten von Menschen gesammelt, die uns Hoffnung machen.
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Johannes Mesus geht in Berlin zu Beerdigungen, zu denen sonst keiner hingeht. Bei denen keine Angehörigen erscheinen, keine Freunde, Kolleginnen, Nachbarn. Mesus ist 40 und macht das seit sechs Jahren, mit seinem Vater zusammen, einem Polizeihauptkommissar im Ruhestand. Mesus trägt ein fast zwei Meter großes Kreuz, sein Vater, 70, spricht das Vaterunser des Pfarrers mit. Sie sind Katholiken, sonntags helfen sie als Ministranten in St. Paulus  mit.

»Jeder Mensch sollte mit Würde beerdigt werden.«

Johannes Mesus

Johannes Mesus liebt Schnitzel mit Pommes. Mittwochs macht er Krafttraining. Er hat Dauerkarten für Hertha BSC, Alba Berlin und BR Volleys. In diesem September macht er zwei Wochen Urlaub auf Mallorca. Er arbeitet in einer katholischen Werkstatt für Menschen mit Behinderungen, klebt Etiketten auf Beutel mit Tee, Zucker und Popcorn, fünf Tage die Woche, sieben Stunden am Tag. Er verdient 263 Euro im Monat. Wenn er zu Beerdigungen geht, wird Mesus von seiner Arbeit freigestellt.

Für sein Engagement bekam er 2023 die Verdienstmedaille des Bundespräsidenten .

Er hat eine jüngere Schwester und einen jüngeren Bruder; unter den Geschwistern sei Johannes der Gläubigste, sagt sein Vater. Johannes lebe seinen Glauben, er rede nicht darüber. Über den Glauben reden könne er nicht, er lebt, auf Erden, mit Trisomie 21.