Urteil in Celle Mann aus Gambia wegen Völkerrechtsverbrechens zu lebenslanger Haft verurteilt
Bai L. vor Gericht: Eigene Beteiligung an den Verbrechen bestritten
Foto: Ronny Hartmann / AFPDas Oberlandesgericht Celle hat einen ehemaligen Angehörigen des Killertrupps des früheren gambischen Diktators Yahya Jammeh zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sprach Bai L., der wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Mordes und versuchten Mordes angeklagt war, in allen Belangen schuldig.
Die Richter folgten damit dem Antrag der Bundesanwaltschaft. Die Verteidigung hatte Freispruch für den Mann gefordert. L. bestritt eine eigene Tatbeteiligung.
Der Angeklagte war Mitglied einer ehemaligen Sondereinheit der gambischen Streitkräfte, die illegale Tötungsbefehle Jammehs ausführten. Der 48 Jahre alte L. war der Anklage zufolge als Fahrer zwischen 2003 und 2006 im Auftrag des damaligen gambischen Staatspräsidenten an drei Mordanschlägen der sogenannten Junglers beteiligt. Bei einer dieser Taten starb ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP.
L. hatte entscheidend mit zum Ende der Diktatur beigetragen, weil er in einem Interview die Verbrechen des Regimes erstmals öffentlich bezeugt hatte. Doch weil er angab, als Fahrer bei den Morden dabei gewesen zu sein, landete er selbst vor Gericht.
Der Beschuldigte kam 2012 als Flüchtling nach Deutschland und wurde im März 2021 in Hannover festgenommen. Nach Gerichtsangaben handelt es sich bei dem Celler Verfahren um den weltweit ersten Prozess gegen mutmaßliche frühere Mitglieder von ehemaligen Sondereinheiten gambischer Streitkräfte, der im Ausland verhandelt wird.
Bai L. ist der erste ehemalige Mitarbeiter des Jammeh-Regimes, der weltweit nach dem Weltrechtsprinzip vor Gericht steht. Es erlaubt Staaten, schlimmste Völkerrechtsverbrechen wie Völkermord, Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verfolgen, auch wenn kein direkter Bezug zum eigenen Land besteht.