Donauwörth: Anästhesist soll 51 Patienten mit Hepatitis C infiziert haben – Anklage erhoben - DER SPIEGEL
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Klinikskandal in Donauwörth Anästhesist soll 51 Patienten mit Hepatitis C infiziert haben – Anklage erhoben

Er leidet selbst an Hepatitis C und soll medikamentenabhängig sein: Ein 58 Jahre alter Arzt ist angeklagt worden, weil er durch mangelnde Hygiene Patienten mit der Krankheit angesteckt haben soll.
Donau-Ries Klinik in Donauwörth
Donau-Ries Klinik in Donauwörth

Donau-Ries Klinik in Donauwörth

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Stefan Puchner / dpa

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Mehr als zwei Jahre nach Bekanntwerden des Hepatitisskandals am Krankenhaus im schwäbischen Donauwörth hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Narkosearzt erhoben. Der 58 Jahre alte Mediziner soll 51 Patienten aufgrund mangelnder Hygiene mit Hepatitis C infiziert haben.

Die Ermittler werfen dem Mann gefährliche Körperverletzung, Unterschlagung von Arzneimitteln und Verstöße gegen das Medizinproduktegesetz vor. Nun müsse das Landgericht Augsburg über die Zulassung der Anklage entscheiden, so die Staatsanwaltschaft.

Mehr als 1700 Patienten getestet

Der Fall war im Herbst 2018 öffentlich geworden. Der Anästhesist soll medikamentenabhängig gewesen sein und sich in der Klinik Narkosemittel abgezweigt haben. Er war verdächtigt worden, dieselben Spritzen für sich und seine Patienten benutzt zu haben. Seine Anwälte widersprachen in der Vergangenheit jedoch dieser Darstellung: Er habe die Spritzen nicht noch mal bei Patienten eingesetzt.

Der selbst an Hepatitis C erkrankte Mann soll Patienten angesteckt haben, die für Operationen in dem Krankenhaus waren. Die Verteidiger des Arztes hatten während der weiteren Ermittlungen erklärt, dass sie sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern wollten.

Das Gesundheitsamt hatte mehr als 1700 Patienten des beschuldigten Mediziners aufgefordert, sich auf Hepatitis C testen zu lassen. Letztlich wurden etwa 60 Betroffene gefunden. In den meisten Fällen wurden diese Infektionen nun auch Gegenstand der Anklage.

Spätfolgen möglich

Der beschuldigte Arzt soll rund zehn Jahre lang in Donauwörth an der Klinik gearbeitet haben. In der Anklage geht es um Fälle von Februar 2017 bis April 2018. Damals soll eine OP-Schwester nach Angaben der Staatsanwaltschaft beobachtet haben, wie der Arzt sich selbst Narkosemittel intravenös injizierte.

Eine Hepatitis-C-Infektion führt laut Deutscher Leberhilfe anfangs nur sehr selten zu Beschwerden, bei 20 bis 50 Prozent heilt sie innerhalb des ersten halben Jahres von allein wieder aus. Bei den verbleibenden Betroffenen bleibt das Virus jedoch im Körper, sie entwickeln eine chronische Leberentzündung. Ohne Behandlung drohen Spätfolgen wie eine Zirrhose oder Leberkrebs.

bbr/dpa