Hamburg: Disziplinarverfahren gegen einen Beamten der Waffenbehörde eröffnet - DER SPIEGEL
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Bluttat bei Zeugen Jehovas Amoklauf in Hamburg – Disziplinarverfahren gegen einen Beamten der Waffenbehörde

Er wurde von seinen Aufgaben entbunden: Gegen einen Beamten der Hamburger Waffenbehörde wird ermittelt. Laut einem Bericht soll er einen Hinweis auf die Gefahr durch den Amokschützen Philipp F. nicht dokumentiert haben.
Polizeifahrzeug am Gemeindehaus der Zeugen Jehovas (13. März): Tödliche Schüsse
Polizeifahrzeug am Gemeindehaus der Zeugen Jehovas (13. März): Tödliche Schüsse

Polizeifahrzeug am Gemeindehaus der Zeugen Jehovas (13. März): Tödliche Schüsse

Foto: Christian Charisius / dpa

Nach dem Amoklauf in einer Gemeinde der Zeugen Jehovas in Hamburg ermittelt die Polizei gegen einen ihrer eigenen Beamten. Am Dienstag wurde nach Angaben der Behörde ein Disziplinarverfahren gegen einen Bediensteten der Waffenbehörde eröffnet. Zunächst hatte die Wochenzeitung »Die Zeit«  berichtet. In Hamburg gehört die Waffenbehörde zur Polizei.

»Polizeipräsident Ralf Martin Meyer hat Ende März Verwaltungsermittlungen angeordnet, um durch die Beschwerde- und Disziplinarabteilung prüfen zu lassen, ob es durch eine Person in der Waffenbehörde disziplinarrechtliche Verfehlungen gegeben hat. Nachdem dieser Vorwurf sich bestätigt hat, ist ein formelles Disziplinarverfahren eingeleitet und dem Beamten gestern eröffnet worden«, sagte Polizeisprecher Holger Vehren.

Beratungs- und Unterstützungspflicht nicht nachgekommen

»Der Beamte wurde mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben in der Waffenbehörde entbunden und wird auf eine noch mit der Personalabteilung abzustimmende Funktion umgesetzt«, sagte Vehren. Der Beamte soll seiner »Beratungs- und Unterstützungspflicht« im Hinblick auf seine Vorgesetzten nicht nachgekommen sein.

Nach Recherchen der »Zeit« steht der Beamte in Verdacht, einen Hinweis auf die Gefährlichkeit des Amokschützen Philipp F. fahrlässig oder bewusst nicht dokumentiert und verfolgt zu haben. Zudem soll der Beamte enge Verbindungen zu dem Sportschützenklub haben, in dem auch der spätere Amokschütze Philipp F. aktiv gewesen war. Dazu äußerte sich die Polizei nicht.

Ein Verwandter von Philipp F. hatte sich im Januar nach bisherigen Erkenntnissen zunächst an den Sportschützenklub gewandt, um mitzuteilen, dass der 35-Jährige psychisch krank gewesen und immer aggressiver geworden sei. In dem Klub hatte F. zuvor seine Sportschützenprüfung abgelegt und auch die spätere Tatwaffe, eine halb automatische Pistole, bestellt.

Dem »Zeit«-Bericht zufolge gingen die Ermittler zunächst davon aus, dass der Sportschützenklub den anrufenden Verwandten lediglich an die Waffenbehörde verwies, aber nicht selbst die Polizei informierte. Bei Vernehmungen habe sich nun aber ergeben, dass es offenbar doch mindestens einen Kontakt zwischen dem Klub und der Polizei gegeben habe. Ein Sprecher des Hanseatic Gun Club selbst hatte – entgegen einem früheren Bericht der »Zeit« – bereits in der vergangenen Woche gegenüber »T-Online«  angegeben, dass man einen Beamten der Waffenbehörde telefonisch über den Hinweis informiert habe.

CDU kritisiert Grote

Unterdessen wird aus der Opposition die Kritik an Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) lauter. »Sollten sich die Hinweise bestätigen, dass ein Mitarbeiter der Waffenbehörde Hinweise auf die Gefährlichkeit des Täters verschwieg, sind die Aussagen des Innensenators, dass diese Tat wohl nicht hätte verhindert werden können, nicht mehr haltbar«, sagte Dennis Gladiator, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Grote sei »seinen Aufgaben als oberster Dienstherr der Polizei in dieser Stadt nicht gewachsen«.

Philipp F. hatte am 9. März nach einer Gemeindeversammlung der Zeugen Jehovas  in Hamburg-Alsterdorf mit einer halb automatischen Pistole sieben Menschen – darunter ein ungeborenes Kind – und schließlich auch sich selbst getötet. Nach einem anonymen Hinweis wenige Wochen vor der Tat war der 35-Jährige von der Waffenbehörde überprüft worden.

bbr/dpa