Kiribatis Justiz: Knast mit Aussicht
Knast auf Kiribati Schiffbrüchiger Segler versauert im Inselgefängnis
Kiribati ist weit weg. Von allem. Mit einer Ost-West-Ausdehnung von 4567 Kilometern ist der Inselstaat im Pazifik zwar riesengroß. Allerdings trennen ihn viereinhalb Flugstunden von Fiji oder Hawai - und damit von der Zivilisation.
Dieser Umstand sowie ein mutmaßlich laxer Umgang mit Drogen und Geld wurden einem portugiesischen Segler jetzt zum Verhängnis: Joao Goncalves strandete Anfang des Jahres auf der Insel Kiritimati, nachdem sein Boot bei einem Sturm beschädigt worden war.
Kaum im Hafen gelandet, wurde der Hotelbesitzer aus der portugiesischen Stadt Peniche von der Polizei kontrolliert. Die Beamten entdeckten eine kleine Menge Marihuana und 20.000 Dollar Bargeld, die der Neuankömmling offenbar nicht deklariert hatte. Die Folge: Goncalves wurde in Gewahrsam genommen, sein Boot und sein Besitz konfisziert.
Der 41-Jährige landete mit 50 Männern, einer Frau und einem Kind in einem improvisierten Knast. Die Zustände dort sind miserabel - das Trinkwasser ist verunreinigt, Essen wird nicht ausreichend gereicht und es gibt nur eine einzige Latrine für alle Insassen, die ständig überläuft. Als starker Regen zu Überflutungen führte, standen die Gefangenen während der täglichen Fischernetzflickerei bis zu den Knien im Wasser.
Zwar werden die Menschen von gerade einer Handvoll Wachleuten in Schach gehalten. Aber selbst wenn es gelänge, den niedrigen Zaun zu überwinden und zu fliehen - bis zur nächsten Insel ist es eine Tagesreise per Boot.
Ein Anwalt für 12.593 Einwohner
Die Wochen gingen ins Land - Goncalves aber saß immer noch ein. Der Grund? In Kiribati herrscht ein Mangel an Anwälten und Richtern. Einer Erhebung der South Pacific Lawyers Association zufolge kommt auf 12.593 Einwohner gerade mal ein Anwalt. Zum Vergleich: In Australien sind es 351 pro Rechtsbeistand.
Das Oberste Gericht entsendet zweimal im Jahr einen Richter, um die drängendsten Fälle zu bearbeiten. Die verbliebenen Tatverdächtigen in Untersuchungshaft müssen sich gedulden oder werden von einem örtlichen Friedensrichter angehört, dann allerdings ohne Rechtsbeistand.
Die nächste High-Court- Anhörung auf Kiritimati ist für Juni angesetzt. Joao Goncalves versucht jetzt, sein Verfahren in der Hauptstadt Tarawa verhandeln zu lassen. "Alles, was ich im Moment will ist, endlich vor Gericht zu stehen", sagte er. "Es ist unerträglich."
Der Entwicklungsminister des Inselstaats erklärte, die Regierung plane, ein Anwaltsbüro zu eröffnen - "vielleicht in diesem oder im kommenden Jahr".