Mannheim: Was über die Todesfahrt bekannt ist - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Gewalttat am Rosenmontag Was über die Todesfahrt von Mannheim bekannt ist

Er raste durch die Innenstadt, als dort ein Fastnachtsmarkt stattfand: Ein 40-jähriger Deutscher wurde festgenommen und gilt als Tatverdächtiger. Was ist zur Tat bekannt, und was ist noch unklar? Der Überblick.
Paradeplatz in Mannheim
Paradeplatz in Mannheim

Paradeplatz in Mannheim

Foto:

Dieter Leder / dpa

Zwei Menschen sind tot, mehrere teils schwer verletzt: In Mannheim ist ein Mann mit einem Auto durch die Fußgängerzone gefahren und hat dabei mehrere Menschen erfasst. »Die Polizei arbeitet mit Hochdruck daran, das Geschehen, die Hintergründe der Tat und die Motivation des Täters aufzuklären«, sagte der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) dem SPIEGEL. Was wir wissen – und was nicht.

Was ist passiert?

Der Vorfall ereignete sich nach Polizeiangaben am Rosenmontag gegen 12:15 Uhr am zentralen Paradeplatz in der Innenstadt von Mannheim. Die Stadt ist mit rund 320.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Baden-Württembergs.

Nach Augenzeugenberichten soll der Mann mit seinem Wagen vom Friedrichsring kommend in die mehrere Hundert Meter langen Planken, die Haupteinkaufstraße, gerast sein. Auf Höhe des Paradeplatzes soll er mehrere Passanten an- oder umgefahren haben. Auf den Planken und rund um den Wasserturm fand zur Tatzeit ein Fastnachtsmarkt mit Dutzenden Imbissbuden und Fahrgeschäften statt.

Die Polizei leitete sofort die Fahndung ein und nahm kurz nach der Tat einen 40-jährigen Deutschen fest.

Wer sind die Opfer?

Zwei Menschen kamen bei der Attacke ums Leben, eine 83 Jahre alte Frau und ein 54 Jahre alter Mann. Zudem gibt es mehrere teils schwer Verletzte. Zunächst war von fünf schwer und fünf leicht verletzten Personen die Rede gewesen. Am Abend sprach Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) dann von vier Schwerverletzten und sechs Leichtverletzten. Auf der Polizei-Pressekonferenz kurz darauf war von insgesamt elf Verletzten die Rede, dies sei die gesicherte Zahl.

In der Mannheimer Uniklinik werden bislang drei Menschen behandelt. Die zwei Erwachsenen und das Kind seien mit hoher medizinischer Dringlichkeit eingestuft worden und würden akutmedizinisch versorgt, teilte die Klinik mit.

Was ist über den Tatverdächtigen bekannt?

Der mutmaßliche Todesfahrer ist nach Polizeiangaben festgenommen worden. Er liegt verletzt in einer Klinik. Der Fahrer soll demnach ein 40-jähriger Deutscher aus Rheinland-Pfalz sein.

Nach Informationen von SPIEGEL und SPIEGEL TV handelt es sich bei dem Verdächtigen um Alexander S. aus Ludwigshafen. Es gibt Hinweise auf eine psychische Erkrankung, zudem soll 2018 gegen ihn wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt worden sein. Wie das Verfahren ausging, ist unklar. Nach SPIEGEL-Informationen soll sich der Verdächtige nach der Tat selbst mit einer Schreckschusswaffe verletzt haben.

Mutmaßliches Tatfahrzeug

Mutmaßliches Tatfahrzeug

Foto: Boris Roessler / dpa

Am Montagabend sagte Innenminister Strobl, es gebe zur Stunde keine Hinweise auf einen extremistischen Hintergrund. Die Motivation liege womöglich eher »in der Persönlichkeit« des Verdächtigen. Dazu werde weiter ermittelt. Auch der Leitende Oberstaatsanwalt Romeo Schüssler sagte auf einer Pressekonferenz, es gebe bislang keine Anhaltspunkte für eine politische Motivation, dafür aber für eine psychische Erkrankung des Tatverdächtigen. Darauf konzentrierten sich die Ermittlungen. Der mutmaßliche Täter sei strafrechtlich bislang »nicht in nennenswertem Umfang in Erscheinung getreten«, so Schüssler.

Auf Nachfrage sagte er, der Tatverdächtige habe »ein paar Vorstrafen« wie Körperverletzung mit einer »kurzen Freiheitsstrafe«. Es gebe einen Fall von »fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr«. Eine Tat von 2018 sei aus dem Bereich »Hatespeech«. Das Delikt komme aus dem Bereich der politisch motivierten Kriminalität rechts, der Tatverdächtige soll auf Facebook ein entsprechendes Bild kommentiert haben. Nach 2018 gebe es keine weiteren Erkenntnisse.

Die Polizei geht nicht von Mittätern aus. Ein Polizeisprecher sagte, es gebe keine weitere konkrete Gefährdungslage in Mannheim.

Wie hat die Politik reagiert?

Thomas Strobl, Innenminister von Baden-Württemberg, sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus. »Meine Gedanken sind bei den Menschen, die in irgendeiner Weise Opfer dieses furchtbaren Geschehens wurden. Und sie sind bei den Polizistinnen und Polizisten und beim Rettungsdienst, den Notärzten und allen anderen, die mit all ihrer Kraft helfen.«

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier drückte den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. »Es ist furchtbar, was sie durchmachen müssen», ließ Steinmeier über seine Sprecherin auf der Plattform X erklären. »Den Verletzten wünsche ich rasche Genesung.« Weiter dankte Steinmeier Polizei und Rettungsdiensten.

Ähnlich äußerte sich CDU-Chef Friedrich Merz. »Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen«, schrieb Merz auf X. »Der Vorfall – wie auch die schrecklichen Taten der vergangenen Monate – mahnt uns eindringlich: Wir müssen alles tun, um solche Taten zu verhindern.« Deutschland müsse wieder ein sicheres Land werden.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) brach nach der Attacke ihre Teilnahme am Rosenmontagszug in Köln vorzeitig ab. Am Abend sprach sie in Mannheim von einer »furchtbaren Gewalttat« und von »Horror«. Es sei nun wichtig, nicht zu spekulieren. Faeser dankte der Polizei für einen »herausragenden Job« und wünschte den Verletzten vollständige Genesung.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte, man fühle mit den Angehörigen der Toten mit. Seine Anteilnahme gelte der Bürgerschaft von Mannheim. »Ich kann allen versichern, wir tun, was der Staat tun kann, um seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen«, sagte Kretschmann. Auch er dankte der Polizei.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich ebenfalls zur Attacke in Mannheim und versicherte den Beistand seines Landes. »An alle Menschen in Mannheim, insbesondere an die Angehörigen der Opfer dieser Gewalttat, an das deutsche Volk. Frankreich steht an Ihrer Seite«, schrieb Macron auf X. Der französische Staatschef veröffentlichte die Nachricht sowohl auf Französisch als auch auf Deutsch.

Was ist noch unklar?

Zum möglichen Motiv gibt es bislang noch keine Informationen. Wie schwer die Verletzungen der Opfer sind, dazu konnte die Polizei ebenfalls noch keine gesicherten Angaben machen.

Mit Material von dpa

Mehr lesen über