Cynthia Schlater, Labubu-Fan:
»Also, ich bin tatsächlich sehr gut vorbereitet gekommen, mit Decke, mit Stühlen, mit Snacks, mit Tee, mit allem.«
Freitagmorgen, 9:04 Uhr am Berliner Alexanderplatz: In knapp einer Stunde öffnet hier der erste Pop Mart Store Deutschlands. Cynthia Schlater hat sich schon am Vorabend in die Schlange gestellt. Die 25-Jährige will unbedingt ein original Labubu ergattern. Wird ihr das gelingen?
Elena Bock, DER SPIEGEL:
»Ich bin ehrlich, so ganz verstanden habe ich persönlich den Hype um die kleinen Monster noch nicht. Ich finde sie eher gruselig als süß. Das sehen sehr viele Menschen hier aber offensichtlich anders. Und ich versuche jetzt mal herauszufinden, warum.«
Labubu-Fan:
»Man kann die überall hinhängen, man kann mit denen spielen und die sehen halt so knuffig aus.«
Cynthia Schlater:
»Um ehrlich zu sein, fand ich sie am Anfang schon etwas hässlich, aber wenn man sie dann überall sieht, dann wird man einfach vertrauter damit und findet die dann trotzdem ganz niedlich und süß. Und deswegen musste ich halt auch einfach ein haben, um ehrlich zu sein.«
Cynthia Schlater, Labubu-Fan:
»Also was findest du an diesen ganzen Pop-Mart-Labubu-Universum so toll?«
Labubu-Fan:
»Man kann sehr viel Geld damit verdienen. Zum Beispiel kann man die für 20 Euro kaufen. Wenn du Glück hast, kannste die für 500 Euro verkaufen.«
Offiziell öffnet der Store um 10. Doch viele Fans wollen kein Risiko eingehen – und warten schon seit Stunden, so wie Cynthia Schlater.
Cynthia Schlater, Labubu-Fan:
»Also, ich habe mich gestern um 20:30 angestellt.«
Sie hat schon zehn Labubus zu Hause. Trotzdem hat sie die Nacht vor dem Einkaufszentrum verbracht – teilweise im Nieselregen. Nun rückt der Moment, auf den sie gewartet hat, immer näher.
Elena Bock, DER SPIEGEL:
»Jetzt gehen hier gleich die Türen auf. Beschreib mal: Du hast grad gesagt, hier ist irgendwie trouble.«
Cynthia Schlater, Labubu-Fan:
»Ja, also die Nerven liegen auf jeden Fall blank und wir haben auch schon gesehen, es sind schon ein paar andere Leute und deswegen ist es alles ein bisschen unruhig. Aber wir bleiben positiv. Immer schön positiv bleiben..«
Und dann ist es soweit: Das Einkaufszentrum öffnet um drei Minuten nach zehn die Türen – Cynthia ist ganz vorne mit dabei.
Cynthia Schlater, Labubu-Fan:
»Geschaaafft! Aufgeregt! Jetzt geht’s in den Store! Ich kanns kaum erwarten, mal gucken, was wir kriegen können.«
Doch wo kommt dieser Hype eigentlich her?
Obwohl sie erst seit Kurzem an Taschen und Gürtelschlaufen baumeln: Neu ist die Figur Labubu nicht. Schon 2015 hat der Hongkonger Illustrator Kasing Lung sie erfunden – ursprünglich für eine Kinderbuchreihe. Inspiration für seine Wesen fand er in der nordischen Mythologie.
Der chinesische Spielzeugkonzern Pop Mart begann 2019 Labubus exklusiv als Sammelfiguren zu vermarkten. Zum Trend wurden sie 2024 durch K-Pop-Sängerin Lisa.
Heute gehört Pop-Mart-Gründer Wang Ning zu den reichsten Menschen Chinas. Auch, weil das Unternehmen den Labubu-Hype mit seiner Marketingstrategie zusätzlich befeuert: Viele Figuren werden stark limitiert in blickdichten Boxen verkauft. Man weiß also nicht, was man am Ende bekommt.
Dieser Nervenkitzel ist inzwischen zum TikTok-Format geworden – was die Nachfrage zusätzlich steigert.
Labubu-Fan:
»Man weiß halt nicht was hat man, was bekommt man. Und das ist dieser gewisse Reiz, das ist halt einfach schön.«
Labubu-Fan:
»Das beste Gefühl ist halt einfach das Aufmachen, die Spannung, welcher ist drin.«
Labubu-Fan:
»Das wird natürlich alles auf Social Media aufgenommen und ausgeschlachtet in der Hinsicht. Die volle Experience, die volle Labubu-Experience auf jeden Fall zu Hause.«
Währenddessen ist Cynthia Schlater eine der Ersten im Pop Mart Store.
Zehn Minuten später treffen wir sie wieder – um einige Hundert Euro ärmer.
Elena Bock, DER SPIEGEL:
»Du hast es geschafft!«
Cynthia Schlater, Labubu-Fan:
»Ich habs geschafft. Alles, was ich wollte, ist in Erfüllung gegangen. Ich hab sogar zwei bekommen. Es war unbeschreiblich. Also ich muss sagen, auch wenn man 15 Stunden wartet, es lohnt sich alles. Aber wenn man draußen ist, fühlt man sich glücklicher, weil der ganze Stress abgefallen ist. Ich freu mich.«
»Sind wir bereit?«
Elena Bock, Der SPIEGEL:
»Ich bin bereit, bist du bereit?«
Cynthia Schlater, Labubu-Fan:
»Ich bin auch bereit.«
»Ich denke, hat sich auf jeden Fall gelohnt«
Was in Berlin reibungslos über die Bühne ging, hat in anderen Ländern nicht so gut geklappt. In Großbritannien und Südkorea setzte Pop Mart den Labubu-Verkauf aus Sicherheitsgründen sogar temporär aus. Heute scheint aber keiner leer auszugehen:
Pop Mart-Angestellter:
»Wir haben genügend Ware da. Wir bekommen auch nach Lieferung morgen und fünfmal nächste Woche«
Elena Bock, DER SPIEGEL:
»Wir sind jetzt wieder draußen. Cynthia hatte Glück, aber die Schlange ist immer noch mehrere 100 Meter lang. Ich muss sagen, so ganz verstanden habe ich den Hype immer noch nicht. Aber ich fang an, die Dinger irgendwie auch süß zu finden.«