Skandalfall in Perugia Amanda Knox macht jetzt Witze – über ihren Mordprozess
Journalistin Knox bei der Premiere ihrer Miniserie im vergangenen Jahr in New York
Foto: Evan Agostini / Invision / dpaAmanda Knox, 39, will sich als Stand-up-Comedian versuchen und ihre Erfahrungen um den Mordfall Meredith Kercher in einer Show verarbeiten. Sie tritt im August beim Edinburgh Fringe Festival in Schottland auf. In ihrem Programm »Amanda Knox: Cartwheel« spricht sie unter anderem über ihre Inhaftierung wegen des Mordes an der Britin Meredith Kercher. Die Familie des Opfers reagiert mit Entsetzen.
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Der Mord an der 21-jährigen Meredith Kercher in der italienischen Stadt Perugia hatte 2007 weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Schnell gerieten Knox – oft auch »Engel mit den Eisaugen« genannt – und ihr damaliger Freund unter Verdacht. Knox wurde in einem spektakulären Prozess zunächst zu einer langen Haftstrafe verurteilt und musste vier Jahre in einem italienischen Gefängnis verbringen. 2015 wurden beide aber letztlich vom Vorwurf des Mordes freigesprochen. Als Mörder von Meredith Kercher gilt Rudy Guede. Er bestreitet die Tat, wurde dafür aber zu 30 Jahren Haft verurteilt. Später wurde die Strafe reduziert, seit Ende 2021 ist er wieder in Freiheit.
Angehörige fassungslos
Der italienische Anwalt der Familie, Francesco Maresca, bezeichnete das Vorhaben als »jüngste unangemessene Initiative« von Knox. Gegenüber der italienischen Tageszeitung »Corriere della Sera« sagte er: »Ich bin fassungslos, ebenso wie die Angehörigen dieses armen Mädchens.« Knox würde seit Jahren »Kapital aus dieser schmerzhaften Geschichte« schlagen.
Im Interview mit dem britischen »Telegraph« sagte Knox, dass es aus ihrer Sicht keine Themen gebe, die bei Comedyprogrammen grundsätzlich tabu seien. Die 39-Jährige stellte klar: »Ich mache keine Witze über Merediths Tod. Ich mache viele Witze darüber, wie ich diffamiert wurde, aber ich mache keine Witze über ihren Mord.« Sie ist sich sicher, dass Kercher die Show lustig gefunden hätte. Es würde sie nach wie vor schmerzen, dass sie nie mit Kerchers Angehörigen sprechen konnte, sagte Knox gegenüber »Telegraph« .
Knox hat ihre Erlebnisse rund um den Tod von Kercher bereits in dem Buch »Zeit, gehört zu werden« verarbeitet und kam in der Netflix-Dokumentation »Amanda Knox« ausführlich zu Wort. Im August vergangenen Jahres erschien außerdem eine Mini-Dramaserie.
Hören Sie auch »Judging Amanda Knox« : Der Podcast von Undone und dem SPIEGEL erzählt in acht Folgen von der Frau, die als »Engel mit den Eisaugen« berühmt wurde. Es ist die Geschichte einer maßlosen Dämonisierung – und was sie über unsere Gesellschaft aussagt.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, wer Kercher ermordet hat, sei nicht geklärt. Richtig ist: Rudy Guede gilt als der Mörder. Wir haben den Fehler korrigiert.