Einmal noch in der goldenen Kutsche fahren. Margrethe II. von Dänemark zelebriert ihre letzten Amtshandlungen als Staatsoberhaupt. Die 83-Jährige hat völlig überraschend ihre Abdankung verkündet. Sie steigt aus. Seitdem ist ganz Dänemark aus dem Häuschen, denn normalerweise verlässt man den Thron – salopp formuliert – nicht lebendig. Ihre Abdankung ist die erste im dänischen Königshaus seit Hunderten von Jahren.
Dass die Monarchie in Dänemark so beliebt ist, liegt vor allem an ihr. Sympathisch, volksnah, offen, kreativ – mit einer großen Vorliebe für Kunst und einer legendären Schwäche fürs Kettenrauchen. Das dänische Königshaus wirkt generell eher hyggelig, verglichen mit den britischen Royals. Oder haben Sie König Charles schon mal beim Geschenke einpacken gesehen? Nach 52 Dienstjahren findet Königin Margrethe nun – es reicht. Zeit für die jüngere Generation.
Gestatten: Frederik X., Margrethes ältester Sohn.
Kopenhagen 1968 – Die Suche nach seinem Vornamen ist unkompliziert. Seit 1513 heißen männliche dänische Monarchen entweder Christian oder Frederik. Vier Jahre nach der Geburt wird seine Mutter Königin. Frederik studiert unter anderem in Harvard, hat einen Master in Politikwissenschaft und Berufserfahrung bei den Vereinten Nationen.
Nichts hat ihm so viel Spaß gemacht wie das Training bei den Elitetauchern der dänischen Marine. Der Kampfschwimmer mit dem Spitznamen »Pingo« wird nun also König – und als Staatsoberhaupt auch formal Oberbefehlshaber des dänischen Militärs.
Vor allem aber wird er der vermutlich fitteste König der Welt. Einen Triathlon hat er absolviert. Und er läuft und läuft und läuft – einmal im Jahr kann jede oder jeder seine Majestät in Joggingschuhen treffen – beim »Royal Run«. Außerdem beim Skifahren, Segeln, Fallschirmspringen – je extremer, je besser. Im Jahr 2000 nimmt der Kronprinz an einer Schlittenexpedition durch das nördliche Grönland teil. Vier Monate, meist unter minus 30 Grad, knapp 2800 Kilometer Weg. Und dann fährt er zu den Olympischen Spielen nach Sydney.
Achtung – jetzt wird es romantisch. Das ist der Pub in Sydney, in dem sich das zukünftige Königspaar im Jahr 2000 zum ersten Mal trifft. Eine Art Blind Date im Slip Inn – Mary ahnt nicht, dass der Typ, den sie da gerade kennenlernt, ein echter Prinz ist. 2004 bejubeln die Dänen dann eine Märchenhochzeit. So geht Aschenputtel reloaded.
Als kleines Mädchen träumt sie davon, Tierärztin zu werden, stattdessen wird sie jetzt Königin. Mary Elizabeth Donaldson, geboren in Australien, mit einem Bachelor in Wirtschaft und Recht, tätig in einer Werbeagentur. Die königliche Quereinsteigerin lernt zu repräsentieren und bringt dem Königshaus eine gesunde Dosis bürgerlichen Input, besucht Soldaten in Mali, engagiert sie sich im Kampf gegen Mobbing und häusliche Gewalt, als Schirmherrin der WHO und des World Wildlife Fund.
Seit über 20 Jahren lebt sie nun am anderen Ende der Welt – in Dänemark. Inzwischen haben Frederik und Mary vier Kinder, gelten als glückliches Paar. Nicht so gut in das Märchen passen da die Fotos, die die spanische Illustrierte »Lecturas« im November veröffentlicht. Kronprinz Frederik bei einer Art Privataudienz mit einer Schauspielerin namens Genoveva Casanova in Madrid. Kein Kommentar dazu vom Palast. Prinzessin Mary lächelt die Gerüchte konsequent weg.
Keine Sorge, niemand muss stundenlangem Krönungs-Brimborium zugucken – die Dänen erledigen das ohne viel Tamtam per Proklamation durch die dänische Ministerpräsidentin. Eine Rede des neuen Königs, ein paar Salutschüsse, ein kleiner Empfang, eine Kutschfahrt. Fertig. Hier ist alles eine Nummer entspannter als in Großbritannien. Vielleicht auch besser so. Die Zeremonie findet trotz winterlicher Temperaturen auf dem Balkon von Schloss Christiansborg statt.
Dass Dänemark das zweitglücklichste Land der Welt ist, merkt man eindeutig auch dem Königshaus an. »Les Lanciers« heißt übrigens dieser total beliebte traditionelle Volkstanz.
Die dänische Monarchie ist eine der ältesten in der Welt, mehr als tausend Jahre alt, und erfindet sich doch neu. Margrethe II. wird also nach 52 Dienstjahren ihre Work-Life-Balance komplett ändern. Und falls Sie ihr begegnen – Sie können sie weiterhin mit Ihre Majestät Königin Margrethe ansprechen. Vielleicht erzählt sie Ihnen die Geschichte von einem ihrer Vorgänger – König Harald Blauzahn – und was der mit Bluetooth zu tun hat. Aber das ist eine andere Geschichte.