Neue Dokumentation »Brats« Hat das »Brat Pack« nun Hollywood geprägt oder nicht?
Andrew McCarthy, Ally Sheedy, Demi Moore und Jon Cryer (von links) bei der Premiere von »Brats«
Foto: Charles Sykes / Invision / APAndrew ist McCarthy ist jetzt 61, wohlhabend und schlank. Er hat viele Erfolge als Schauspieler vorzuweisen, aber eine Sache macht ihm schwer zu schaffen: 1985 bekam er den Stempel »Brat« verpasst – der amerikanische Begriff für eine verzogene Göre.
Während der Reagan-Ära wollte das sogenannte »Brat Pack« Hollywood verändern. Die Bezeichnung spielt auf das legendäre »Rat Pack« um Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis jr. an. Und nach seinen Auftritten in den 1980er-Komödien »Pretty in Pink« und »St. Elmo’s Fire« wurde der aufstrebende Star Andrew McCarthy zum »Brat Pack« gezählt. Wie auch Emilio Estevez, Molly Ringwald, Demi Moore, Ally Sheedy, Judd Nelson, Rob Lowe und Anthony Michael Hall. Aber die Mitgliedschaft im »Brat Pack« schien die Karrieren implodieren zu lassen.
»Steven Spielberg wollte niemanden, der zum Brat Pack gehört«
»Das hat mein Leben verändert«, sagt McCarthy. Das Stigma, sagt McCarthy, war »prägend«. Er leidet deshalb an PTBS, behauptet er. Die Veränderung von Hollywood blieb aus und die Schauspiel-Gören wollten nicht länger zusammenarbeiten.
Jetzt, fast 40 Jahre später, versucht McCarthy, das Etikett in den Griff zu bekommen und herauszufinden, wie seine Schauspielkollegen damit umgegangen sind. Er spielt die Hauptrolle im Dokumentarfilm »Brat« und führt selbst Regie.
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In der ersten Hälfte des Films trifft er etliche Weggefährten von damals wieder. »Martin Scorsese und Steven Spielberg wollten niemanden anrufen, der zum Brat Pack gehört«, sagt McCarthy etwa zu Emilio Estevez. Und Charlie Sheens Bruder Estevez gibt zu, dass er wegen der Aussicht, mit McCarthy zusammenzuarbeiten, damals aus einem Filmprojekt ausgestiegen ist.
In der zweiten Hälfte des Films wird McCarthys Roadmovie zu einer Art Feier der »Brat Pack«-Filme – und will belegen, dass die Gören-Generation doch etwas bewirkt hat. Der Kulturjournalist Malcolm Gladwell spricht über den Generationswechsel in Hollywood. Autorin Susannah Gora (»You Couldn’t Ignore Me If You Tried«) merkt an, dass die Teenager im Mittleren Westen erst dank McCarthy britische New-Wave-Synthie-Pop-Musik sangen.
»Brats« feierte auf dem Tribeca-Filmfest Premiere. In den USA startet er am 13. Juni auf Hulu, ein deutscher Kinostart steht noch nicht fest.
Anmerkung der Redaktion. In einer früheren Version hieß es, Emilio Estevez sei der Halbbruder von Charlie Sheen. Tatsächlich aber sind sie Brüder. Wir haben den Fehler korrigiert.