Depression nach Missbrauchsskandal Keine Kraft mehr – Bischof von Speyer tritt zurück
Karl-Heinz Wiesemann im Jahr 2025
Foto: Uwe Anspach / dpaDer Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann, hat sein Amt überraschend aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Papst Leo XIV. nahm das Rücktrittsgesuch des 66-Jährigen an, wie das Bistum mitteilte . Darin hatte Wiesemann um seine Entpflichtung gebeten.
Er sei mit großer innerer Freude Bischof gewesen, erklärte Wiesemann. »Dennoch hat die Last der umfänglichen Verantwortung in mir körperlich wie vor allem seelisch schwerwiegende Spuren hinterlassen«, fügte er hinzu. Er habe nicht mehr die Kraft, den Weg bis zur vollständigen Umsetzung geplanter Strukturreformen zu gehen.
Zudem werde ab dem kommenden Jahr die Tausendjahrfeier der Grundsteinlegung des Doms in Speyer vorbereitet, die 2030 gefeiert werden soll. Der Speyerer Dom habe es verdient, »dass ein Bischof mit entsprechender Kraft und Leidenschaft in dieser Zeit dauerhaft präsent ist«, erklärte Wiesemann. Er bat um Verständnis für den Rücktritt und kündigte zugleich an, weiter als Seelsorger tätig zu sein.
Wiesemann war seit 2008 Bischof von Speyer. Im Mai sprach er in einem Podcast des Norddeutschen Rundfunks über seine Depression. Er habe eine siebenmonatige Auszeit genommen und sich in einer Klinik behandeln lassen. Auslöser seien Finanzprobleme und Veränderungen im Bistum sowie der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche gewesen. »Es ist keine Schande, sich Hilfe zu holen«, sagte er im Podcast.
Auch auf dem Katholikentag in Würzburg hatte der Speyerer Bischof vor großem Publikum darüber berichtet, wie die Erkrankung seinen Glauben und sein Selbstbild als Bischof verändert hatte.
Wilmer: »Das Thema des sexuellen Missbrauchs hat dich tief erschüttert«
Für das Bistum Speyer und die Deutsche Bischofskonferenz bedeute der Rücktritt einen »großen Verlust«, erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, aus Münster. Gleichzeitig empfinde er »Hochachtung« vor der Entscheidung.
Wilmer erklärte mit Blick auf Wiesemann: »Das Thema des sexuellen Missbrauchs hat dich tief erschüttert – mit Blick auf die Bundesebene, aber auch in deinem Bistum.« Dabei sei es Wiesemann »um eine transparente und schonungslose Aufarbeitung« gegangen. Eindrücklich habe Wiesemann das Wohl der Missbrauchsbetroffenen in den Vordergrund gestellt »und in diesem Kontext zu Recht Machtstrukturen der Kirche hinterfragt«.