Die Ärzte: »Wir agieren als Band politisch, weil Neutralität gar keine Option ist heutzutage« - DER SPIEGEL
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Die Ärzte mahnen zum Wählen »Wir agieren als Band politisch, weil Neutralität gar keine Option ist heutzutage«

Die Band Die Ärzte macht sich Sorgen um gesellschaftliche und politische Entwicklungen. Zur Europawahl veröffentlichen die Musiker ihre Single »Demokratie« – obwohl Bassist Rodrigo González ein Problem mit dem Lied hat.
Die Mitglieder der Band Die Ärzte: Farin Urlaub, Rodrigo Gonzalez und Bela B
Die Mitglieder der Band Die Ärzte: Farin Urlaub, Rodrigo Gonzalez und Bela B

Die Mitglieder der Band Die Ärzte: Farin Urlaub, Rodrigo Gonzalez und Bela B

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Jörg Steinmetz / dpa

Mit Blick auf die Europawahl im Juni hat die Berliner Punkrockband Die Ärzte mit dem Song »Demokratie« eine Hymne an die Eigenverantwortung ausgekoppelt. »Eigentlich leben wir in einem demokratischen Staat, der felsenfest auf seiner Grundordnung steht, und doch scheint die Demokratie grad mehr als sonst ein besonders zu schützendes Gut zu sein«, sagte Schlagzeuger Bela B, 61, der Nachrichtenagentur dpa in Berlin zur Veröffentlichung.

Gitarrist Farin Urlaub, 60, sagte, er habe das Gefühl, Deutschland werde den USA immer ähnlicher: »Alle schreien, niemand hört mehr zu. Alle haben recht, Fehler machen immer die anderen, und Kompromisse gelten schon als eine Niederlage.«

In dem von Urlaub geschriebenen Song  vom 2021 erschienenen Album »Dunkel« heißt es: »Du bist wesentlich, es geht nicht ohne dich.« Es folgt auch ein Hinweis auf eigene Möglichkeiten: »Falls du dich jetzt fragst, wie man die Welt verbessern kann: Wie wär’s mit wählen gehen? Dein Kreuz gegen Hakenkreuze, damit fängt es an.« Am Ende des Videos wird eine weitere Botschaft eingeblendet: »Wählen zu gehen ist das höchste Privileg in einer Demokratie. Wenn du darauf verzichtest, wirst du bald vielleicht nicht mehr wählen können.«

»Mangel an jeglicher Kompetenz«

Im KI-basierten Video werden zahlreiche Clips der Band zitiert, unter anderem auch »Schrei nach Liebe«. Der 1994 veröffentlichte Song gilt als Hymne gegen Rechtsextremismus und wird bei den Konzerten der Band frenetisch gefeiert.

Das Lied hat den Zweittitel »Our Bass Player Hates This Song«. Auf die Frage, ob inzwischen alle ihren Frieden mit dem Song gemacht hätten, antwortete Rodrigo González nun: »Natürlich nicht!« Schon vor Jahren sagte der Bassist: »Ich finde es immer noch äußerst problematisch, dass Die Ärzte so einen Song machen. Das hat so was von der ›Sendung mit der Maus‹, wenn da Sachen erklärt werden wie: Stein, die Erde, die Sonne. Ich finde, mit so einem Text entzaubern wir uns ein bisschen.«

Die Ärzte  engagieren sich seit Jahren politisch und gesellschaftlich. Im Video ist ein Farin-Urlaub-Avatar im Bundestag zu sehen. »Wir agieren als Band politisch, weil Neutralität gar keine Option ist heutzutage«, sagte Urlaub. »Als echter Politiker wäre ich persönlich allerdings denkbar ungeeignet, schon aus Mangel an jeglicher Kompetenz.«

Aus Sicht von Bela B gehören Die Ärzte als Musiker automatisch zur künstlerischen Opposition. »Unsere Meinungen, unsere Kommentare werden anders und für viele Leute vielleicht auch ehrlicher gelesen als die vieler Politiker.« Aktionen wie Festivals, die »so klimaneutral wie nur irgend möglich« ausgerichtet würden, setzten politische Maßstäbe. »All das können wir nur tun, weil wir keine Kompromisse eingehen müssen.«

wit/dpa