Filmfestspiele in Venedig George Clooney trauert um seine Zähne aus jüngeren Jahren
Ausgezeichnet für sein Lebenswerk: George Clooney bei den Filmfestspielen in Venice
Foto: Yves Herman / REUTERSAuch Hollywoodstars werden älter, auch wenn man ihnen das oft weniger ansieht. Schauspieler und Regisseur George Clooney erklärte nun, das ihn alles, was mit dem Älterwerden zu tun habe, wehmütig stimme: »Ich bin 65 Jahre alt. Alles ist irgendwie melancholisch«, sagte er bei den Filmfestspielen in Venedig. »Im wahrsten Sinne des Wortes: Man putzt sich die Zähne und denkt sich: ›Oh, meine Zähne waren früher so viel schöner‹«
Gleichzeitig schätze er sich aber auch sehr glücklich. »Ich habe eine unglaubliche Frau, die ich sehr liebe und die mich liebt, und ich habe tolle Kinder« Clooney hat neunjährige Zwillinge mit seiner Frau, der Menschenrechtsanwältin Amal Clooney. Die beiden heirateten 2014 in Venedig. Dort hat Clooney am Mittwochabend bei der Eröffnungs-Gala der Filmfestspiele den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk erhalten.
Zuvor gab er in einer Pressekonferenz Einblick in seinen Alltag und sein Familienleben. »Als ich richtig in Fahrt war, habe ich drei Filme pro Jahr gedreht. Das schaffe ich jetzt einfach nicht mehr. In meinem Leben gibt es zu viele andere Dinge, um die ich mich kümmern muss – vor allem um andere Menschen.«
George Clooney
Das sei auch der Grund, warum er aktuell nicht mehr als Regisseur arbeite, führte er aus. »Der einzige Grund, warum ich nicht Regie führe – was ich eigentlich liebe –, ist, dass ich zwei neunjährige Kinder habe. Wenn ich in einem Film mitspiele, dauert das drei Monate, und ich kann hin- und herfahren und wieder zurückkommen.« Bei einem Film Regie zu führen sei anders, da wäre man ein Jahr lang weg und hätte keine Möglichkeit nach Hause zu fahren.
Die Lage in den USA beschreibt er als »Kakistokratie«
In seiner Rede am Abend ging Clooney auf die aktuelle politische Lage und die Rolle von Künstlerinnen und Künstlern ein. »Wir erleben gerade eine Zeit, in der die Machthaber und die Menschen mit dem meisten Geld uns dazu auffordern, einander zu fürchten«, sagte George auf der Bühne. »Aber wir wissen es doch besser, oder? Denn die Geschichte lehrt uns eine Lektion. Sie lehrt uns etwas. Die ersten Menschen, die Autoritäre zum Schweigen bringen wollten, waren keine Politiker. Es sind Journalisten, die Fragen stellen. Es sind die Künstler, die einfache Antworten ablehnen, die Filmemacher, Schriftsteller, Schauspieler und Musiker, die darauf bestehen, dass jemand, den man noch nie getroffen hat, unser Mitgefühl verdient.«
Er fuhr fort: »Geschichten sind immer gefährlich für Menschen, die mit Angst handeln. Diejenigen, die Angst vor Büchern, Musik und Geschichten haben, sind niemals die Helden der Geschichte.« Filme würden keine Kriege verhindern, nicht die Inflation senken und auch keine Wahlen beeinflussen. »Aber sie bewirken etwas Bemerkenswertes. Sie erinnern uns daran, dass ein Fremder niemals ein Fremder ist und er vielleicht gerade der Held in der Geschichte eines anderen ist.«
Bereits bei der Pressekonferenz sprach der US-Demokrat über die gegenwärtige Situation in seinem Heimatland. »Ich bin immer sehr optimistisch, gleichzeitig denke ich, dass wir uns gerade in einer unglücklichen Zeit befinden. Ich glaube, das ist noch milde ausgedrückt. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir all das überstehen werden.«
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Er sei alt genug, das Jahr 1968 in den USA miterlebt zu haben, führte er aus. »Jede Stadt in den Vereinigten Staaten stand in Flammen. Martin Luther King und Bobby Kennedy wurden ermordet. Es gab jede Menge Gewalt. Das Kapitol war von Panzern umzingelt. Wir hatten schon andere schwierige Zeiten, aber dies ist eine davon.«
Es gebe einen großartigen Begriff, sagte Clooney: »Kakistokratie«. Das beschreibe ein Land, das von den am wenigsten qualifizierten Menschen regiert wird. Die Formulierung wird aus dem Altgriechischen als »Herrschaft der Schlechtesten« übersetzt.
»Ich glaube, vielleicht haben wir gerade jetzt eine Kakistokratie«, so Clooney. »Aber wir werden das überstehen.« Er hoffe, dass die Midterms im November für »ein Gleichgewicht« sorgen werden. »Und dann, im Jahr 2028, werden wir hoffentlich wieder zu einer gewissen Normalität zurückkehren.« Am 3. November stehen in den USA die Zwischenwahlen an, 2028 dann Präsidentschaftswahlen.