Joni Mitchell hat US-amerikanische Staatsbürgerschaft bekommen - DER SPIEGEL
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Kanadische Musikerin Joni Mitchell ist jetzt US-Amerikanerin

Mehr als 60 ihrer 82 Lebensjahre hat Musikerin Joni Mitchell in den USA verbracht. Nun hat sie die dortige Staatsbürgerschaft angenommen. Und das, obwohl sie einst sagte: »Ich bin definitiv Kanadierin. Darauf bin ich stolz.«
Joni Mitchell 2025 bei den Grammys in Los Angeles
Joni Mitchell 2025 bei den Grammys in Los Angeles

Joni Mitchell 2025 bei den Grammys in Los Angeles

Foto: Johnny Nunez / The Recording Academy / Getty Images

Der Akt an sich wurde eher unspektakulär vollzogen: In einer schmucklosen Behördenhalle mit Leuchtstoffröhren an der Decke und Plastiksitzreihen ist die kanadische Musikerin Joni Mitchell, 82, US-Amerikanerin geworden. Das geht aus Aufnahmen hervor, die Mitchell selbst auf ihrem Instagramprofil teilte.

Demnach wurde sie, offenbar in einer Reihe mit anderen Neubürgerinnen und -bürgern, von einer Behördenmitarbeiterin aufgerufen: »Joni Mitchell. Kanada«, woraufhin Jubel ausbrach. Mitchells Begleiterinnen applaudierten laut, als die Musikerin aufstand, wohl um ihre Unterlagen abzuholen.

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Zu dem Video und einem Foto von sich vor US-Flaggen schrieb Mitchell auf Instagram: »Eine Reise, die vor 62 Jahren begann.«

»Ich bin definitiv Kanadierin«

Tatsächlich zog Roberta Joan Anderson, so ihr bürgerlicher Name, mit Anfang 20 von ihrer Heimat Kanada nach Detroit in den USA. Dort wollte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Chuck Mitchell, einem Folksänger, mit der Musik Geld verdienen.

Für Mitchell ging der Plan auf: 1966 schrieb sie den Song »Both Sides, Now« für Judy Collins. Das Lied wurde ein großer Erfolg und von zahlreichen Stars, darunter Frank Sinatra und Bing Crosby gecovert. Der Beginn einer großen, internationalen Karriere.

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Den Großteil ihres Lebens verbrachte Mitchell in den USA – obwohl sie stets betonte, wie wichtig ihr ihre Heimat ist: »Ich bin definitiv Kanadierin. Darauf bin ich stolz«, sagte sie 1974 in einem Interview . Einige Jahre später unterstrich sie das: »Ich fühle mich definitiv noch als Kanadierin. Aber ich habe keine Nationalität«, so die Musikerin in einem weiteren Interview.  Sie sei ein »Mischling«.

Warum sie ausgerechnet jetzt die US-Staatsbürgerschaft annahm, erklärte Mitchell nicht. Eine Anfrage der »New York Times « dazu ließ ihr Team unbeantwortet. Laut ABC News legte die Musikerin ihre kanadische Nationalität nicht ab, demnach wäre sie jetzt Doppelstaatlerin.

Mitchell dürfte bald wählen

Womöglich möchte die 82-Jährige die Jahrzehnte der politischen Nichtbeteiligung beenden: »Ich wünschte, ich könnte wählen«, hatte Mitchell 2024 bei einem Auftritt in Los Angeles gesagt, etwa zwei Wochen vor den damaligen Präsidentschaftswahlen. »Ich bin Kanadierin – ich bin eine von diesen lausigen Einwanderern«, fügte sie ironisch hinzu. Zuvor hatte Donald Trump immer wieder abfällig über Immigrantinnen und Immigranten gesprochen.

Ihren Wunsch könnte Mitchell bald in die Realität umsetzen: Anfang November finden in den USA die Midterms statt. Im kalifornischen Santa Barbara, wo die Musikerin lebt, endet die Frist für die Wählerregistrierung laut »New York Times« am 19. Oktober.

Sie war eine Ikone der Sechziger- und Siebzigerjahre, sang über den Aufbruch, das Scheitern, neue Ideale, neue Drogen und neue Männer – lesen Sie hier mehr über Joni Mitchell: Die Frau, die niemals lügt 

mkh