Udo Lindenberg: Berliner Stiftung streicht »Oberindianer« aus »Sonderzug nach Pankow« - DER SPIEGEL
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»Diskriminierend und rassistisch« Berliner Stiftung streicht »Oberindianer« aus Lindenberg-Hit

Zu den Klängen von »Chattanooga Choo Choo« sang Udo Lindenberg einst vom »Sonderzug nach Pankow«. Chöre in Berlin wollen nun den Begriff »Oberindianer« weglassen. Er sei diskriminierend.
Udo Lindenberg 1987 mit »Oberindianer« Erich Honecker in Wuppertal
Udo Lindenberg 1987 mit »Oberindianer« Erich Honecker in Wuppertal

Udo Lindenberg 1987 mit »Oberindianer« Erich Honecker in Wuppertal

Foto: Franz-Peter Tschauner/ dpa

»Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Pankow?«, fragte Udo Lindenberg in seinem gleichnamigen Hit aus dem Jahr 1983. Der Song hatte einen klaren Adressaten: den damaligen Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker.

Er wolle unbedingt in der Hauptstadt der DDR ein Konzert geben, hatte Lindenberg verlauten lassen. »Ich muss mal eben dahin, mal eben nach Ost-Berlin. Ich muss da was klärn mit eurem Oberindianer«, wie es in dem Liedtext heißt.

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Honecker war damals wenig begeistert von dieser musikalischen Provokation. Auch heute noch sorgt das Lied noch für Irritationen. Wie die Stiftung Humboldt Forum in Berlin jetzt mitteilte, wollen Chöre beim Singen des Lindenberg-Hits das Wort »Oberindianer« weglassen. Es könne aus heutiger Sicht diskriminierend wahrgenommen werden, hieß es zur Begründung.

Anlass waren zwei geplante Auftritte im November von acht Chören in dem Zentrum für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Bildung in Berlin. Nach einer offenen Diskussion mit den Chören und der künstlerischen Leitung habe sich die Stiftung entschieden, das Wort zu streichen. Zuvor hatten die »Bild«-Zeitung und die »B.Z.« berichtet.

»Gewaltgeschichte der Kolonisierung« klingt mit

»Auch wenn das Wort in dem Lied Sonderzug nach Pankow in seiner Entstehungszeit 1983 eine metaphorische Konnotation hatte – und es sich damals satirisch-kritisch auf Erich Honecker bezog – sind wir uns auch bewusst, dass in dem Wort die Gewaltgeschichte der Kolonisierung indigener Bevölkerungsgruppen nachklingt«, teilte die Stiftung mit. Das Wort werde von vielen indigenen Menschen und von vielen Besuchern als diskriminierend und rassistisch wahrgenommen.

Lindenberg war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Für das Format »Vielstimmig 2024« waren die Chöre aufgefordert worden, sich mit dem Humboldt Forum auseinanderzusetzen. Im Fokus stand dieses Mal dabei die Sonderausstellung »Hin und weg. Der Palast der Republik ist Gegenwart«. Die Auftritte sind am 16. und 17. November geplant.

»Och Erich ey, bist du denn wirklich so ein sturer Schrat, warum lässt du mich nicht singen im Arbeiter- und Bauernstaat?«, fragte Lindenberg 1983 – und war damit erstaunlich erfolgreich: Am 25. Oktober 1983 gab er sein erstes und bis zur Wende einziges Konzert in der DDR. Er sang im Rahmen des Festivals Rock für den Frieden im Palast der Republik.

Lindenbergs schenkte Honecker später sowohl eine Lederjacke als auch eine E-Gitarre mit der Aufschrift »Gitarren statt Knarren«.

ala/dpa