Linda Zervakis über ihr Geografiewissen: »Ich habe zehn Minuten lang geübt: Eyjafjallajökull« - DER SPIEGEL
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Linda Zervakis über Geografiewissen »Ich habe zehn Minuten lang geübt: Eyjafjallajökull«

Linda Zervakis erklärt als Fernsehmoderatorin die Welt – aber wie findet sie sich selbst darin zurecht? Hier spricht sie über ihren Erdkunde-Leistungskurs und ihre Verbundenheit mit Griechenland.
Ein Interview von Martin Doerry und Markus Verbeet

Dieses Interview stammt aus einem neuen SPIEGEL-Buch »Stadt, Land, Fluss – der große SPIEGEL-Wissenstest Geografie« von Martin Doerry und Markus Verbeet. Es ist Anfang April erschienen und enthält ein Quiz mit 150 lehrreichen und unterhaltsamen Fragen zum Thema Geografie.

SPIEGEL: Haben Sie früher mal »Stadt, Land, Fluss« gespielt?

Zervakis: Ja, sehr gern sogar. Wir haben uns manchmal auch neue Kategorien gesucht: Farben, Süßigkeiten, sogar Bushaltestellen…

Zur Person

Linda Zervakis, 1975 in Hamburg geboren, arbeitete nach dem Abitur als Werbetexterin, für verschiedene Hörfunksender und TV-Produktionsfirmen und dann beim NDR. 2010 wurde sie Sprecherin der »Tagesschau«. 2021 wechselte sie zu ProSieben und moderiert dort unter anderem das wöchentliche Journal »Zervakis & Opdenhövel. Live«. Zuletzt wurden Zweifel an ihrer Unabhängigkeit laut, die Zervakis zurückwies. Dieses Interview wurde bereits zuvor, im Herbst 2022, geführt.

SPIEGEL: Für manchen Buchstaben gibt es kein passendes Land. Welchen?

Zervakis: Da muss ich raten: vermutlich X – das ist ja immer das Schlimmste.

SPIEGEL: Stimmt.

Zervakis: Dann habe ich ja eine Wissensfrage schon mal gelöst.

SPIEGEL: Frau Zervakis, wir wollen mit Ihnen über Geografie reden. Wie gut kennen Sie sich da aus?

Zervakis: Ich hatte immerhin Erdkunde-Leistungskurs…

SPIEGEL: Also: sehr gut?

Zervakis: Ehrlich gesagt: Ich habe das aus purer Verzweiflung gewählt, weil ich keine besonderen Stärken hatte. Im Abitur kam dann auch noch Stadtplanung dran, das war ganz schlimm, darauf war ich nicht vorbereitet. Umso froher war ich, dass ich die Schule verlassen durfte.

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Stadt Land Fluss - Der große SPIEGEL-Wissenstest Geografie

Martin Doerry, Markus Verbeet
Verlag: KiWi-Taschenbuch
Seitenzahl: 160
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SPIEGEL: In Ihrem Berufsleben dürften geografische Kenntnisse wichtig sein: Als Fernsehjournalistin müssen Sie sich mit jeder Weltregion beschäftigen, in der gerade etwas passiert.

Zervakis: Ich frage mich in der Vorbereitung der Sendung natürlich: Wo liegt diese Stadt, dieses Land eigentlich genau? Ich brauche das, um es auch für mich einordnen zu können, und schaue dann zum Beispiel, wo genau Donezk ist oder wie nah die Ukraine. Es ist ja abscheulich: Nur weil Krieg ist, interessiert man sich plötzlich für gewisse Orte.

»Man weiß vielleicht viel über die Länder, die einem nahe sind oder in die man in den Urlaub fährt – und über die anderen viel zu wenig.«

SPIEGEL: Hätten Sie vorher gewusst, wo Charkiw, Mariupol oder Odessa liegen?

Zervakis: Nein. Und das ist doch erschreckend, weil es mir vor Augen führt, wie begrenzt das eigene Wissen ist. Man weiß vielleicht viel über die Länder, die einem nahe sind oder in die man in den Urlaub fährt – und über die anderen viel zu wenig. Über die Ukraine jedenfalls wusste ich nicht genug, obwohl ich Russisch in der Schule hatte und in den Neunzigern auch nach Moskau und Sankt Petersburg fliegen durfte.

SPIEGEL: So gesehen bildet Ihr Beruf.

Zervakis: Ja klar, man lernt immer dazu. Als ich noch bei der »Tagesschau« war, habe ich die Nachrichten nur abgelesen. Aber auch da muss man eben wissen, wie man die fremden Ortsnamen aussprechen sollte.

SPIEGEL: Und wie erfährt man das?

Zervakis: Es gibt eine ARD-Aussprachedatenbank. Da wird jeder Begriff in Lautschrift reingeschrieben und einmal vorgesprochen. Dann übt man das so lange, bis man es kann. Ich weiß noch, dass ich Nachtschicht hatte, als dieser isländische Vulkan ausgebrochen war. In den »Tagesthemen« wurde einfach nur gesagt: ein isländischer Vulkan. Für die »Tagesschau« danach schrieb mir dann der Redakteur diesen komplizierten Namen in den Text. Der war Gott sei Dank schon in der Aussprachedatenbank. Ich habe zehn Minuten lang geübt: Eyjafjallajökull.

SPIEGEL: Wie bitte?

Zervakis: Eyjafjallajökull.

»Heute kann ich alles schnell nachschauen und merke mir vielleicht nichts mehr so richtig.«

SPIEGEL: Beeindruckend, dass Sie das noch immer beherrschen. Gibt es andere Zungenbrecher?

Zervakis: Ja, Massachusetts. Ein Horror. Je nachdem, wie wach man ist, wird es ganz schwierig.

SPIEGEL: Wenn wir auf Ihr Publikum blicken: Glauben Sie, dass alle heute geografisch so gut orientiert sind wie früher, oder hat sich das verändert?

Zervakis: Ich fürchte ja, da hat sich was verändert. Ich merke es an mir: Durch dieses schnelle Nachschauen bleibt weniger haften. Ich musste früher zur Vorbereitung auf den Unterricht in der Schule zur Bücherhalle fahren, um mir Bücher auszuleihen. Der Aufwand war viel größer. Heute kann ich alles schnell nachschauen und merke mir vielleicht nichts mehr so richtig. In Städten finde ich mich manchmal schlechter zurecht, weil ich mich eben nicht mehr an Straßen oder Gebäuden orientiere – sondern mit Google Maps.

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