Großbritannien: Regierung plant Algorithmus zur Vorhersage von Morden - DER SPIEGEL
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Umstrittenes Forschungsprojekt Britische Regierung will Morde vorhersagen

Kann ein Algorithmus ermitteln, ob jemand zum Mörder wird? Das britische Justizministerium will dafür Daten von Hunderttausenden Briten analysieren. Kritiker schlagen Alarm.
Datenverarbeitung (Symbolbild): KI-Prognosen für mehr öffentliche Sicherheit
Datenverarbeitung (Symbolbild): KI-Prognosen für mehr öffentliche Sicherheit

Datenverarbeitung (Symbolbild): KI-Prognosen für mehr öffentliche Sicherheit

Foto: VectorFusionArt / IMAGO

In Großbritannien sollen Forscher im Auftrag der Regierung mithilfe von Algorithmen Daten Hunderttausender Bürger untersuchen, um herauszufinden, wer möglicherweise Morde begehen könnte.

Laut Angaben des Justizministeriums sollen im Rahmen des Projekts »Tätermerkmale untersucht werden, die das Risiko eines Tötungsdelikts erhöhen«, zitiert der »Guardian « eine Sprecherin der Behörde. Dafür wolle man mit »alternativen und innovativen datenwissenschaftlichen Verfahren« arbeiten. Das geschehe zum Wohle der Briten, weil »bessere Analysen zum Schutz der Öffentlichkeit beitragen«, hieß es.

Erbe von Ex-Premier Sunak

Das Forschungsprojekt wurde laut »Guardian « noch in der Regierungszeit des konservativen Premierministers Rishi Sunak in Auftrag gegeben. Die Personendaten stammen demnach aus verschiedenen Quellen, darunter von Regierungsbehörden, der Greater Manchester Police (GMP) im Nordwesten Englands und der Londoner Polizei.

Die Daten umfassen den Angaben zufolge Namen, Geburtstag, Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit sowie eine Nummer, die Personen im nationalen Polizeicomputer identifiziert. Auch strafrechtliche Verurteilungen, der erste Kontakt mit der Polizei oder Informationen zu häuslicher Gewalt werden offenbar für eine Analyse zur Verfügung gestellt.

Behörden widersprechen

Die Existenz des Projekts wurde von der Bürgerrechtsorganisation Statewatch  aufgedeckt. Demnach soll die Polizei dem Justizministerium Daten von 100.000 bis 500.000 Menschen übergeben haben. Unter ihnen sind laut Statewatch auch Opfer von Verbrechen, Zeugen von Straftaten und psychisch kranke Menschen.

Die Behörden widersprechen der Darstellung laut »Guardian« und behaupten, es würden nur Daten von Personen mit mindestens einer strafrechtlichen Verurteilung verwendet.

Kritik an der Regierung

Die bei Statewatch tätige Medienwissenschaftlerin Sofia Lyall forscht unter anderem zu diskriminierender Datennutzung in Gefängnissen. Sie nannte das Projekt »das jüngste erschreckende und dystopische Beispiel« für die Absicht der Regierung, Vorhersagesysteme für Verbrechen zu entwickeln.

Eine Sprecherin des Justizministeriums sagte dem »Guardian«, das Projekt diene ausschließlich Forschungszwecken. Ein Bericht solle zu gegebener Zeit veröffentlicht werden. Ursprünglich firmierte das Projekt demnach unter dem Namen »Mordvorhersageprojekt«. Inzwischen heißt es offenbar: »Datenaustausch zur Verbesserung der Risikobewertung«.

ala