München: Oberbürgermeister entzieht Linkenfraktion Wiesn-Tisch nach Eklat - DER SPIEGEL
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Auf Oktoberfest Nach Ohrfeigen-Eklat – Oberbürgermeister entzieht Linkenfraktion Wiesn-Tisch

Auf dem Münchner Oktoberfest ist in der sogenannten Ratsboxe des Stadtrats ein Streit eskaliert. Das hat nun Konsequenzen.
Bierkrüge im Schottenhamel-Festzelt: In der Ratsboxe auf dem Balkon des Zelts haben traditionell die Fraktionen einen oder mehrere Tische
Bierkrüge im Schottenhamel-Festzelt: In der Ratsboxe auf dem Balkon des Zelts haben traditionell die Fraktionen einen oder mehrere Tische

Bierkrüge im Schottenhamel-Festzelt: In der Ratsboxe auf dem Balkon des Zelts haben traditionell die Fraktionen einen oder mehrere Tische

Foto: Spöttel Picture / IMAGO

Dass es auf dem Oktoberfest im Bierzelt gelegentlich zu Handgreiflichkeiten kommt, ist nichts Neues. Nun aber hat ein Streit in der Boxe des Münchner Stadtrats Konsequenzen. Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) hat der Fraktion der Linken bis zum Ende des Oktoberfests am kommenden Sonntag den Tisch in der sogenannten Ratsboxe entzogen, nachdem es zu einer Ohrfeige im Rahmen einer Debatte über Israel und Palästina gekommen war. Mehrere Medien hatten berichtet.

Der Vorfall liegt demnach schon Tage zurück. Die FDP-Stadträtin Patricia Riekel berichtete der »Bild«-Zeitung , dass es in dem eigenen Bereich für Parteien und Mitarbeiter des Rathauses im Schottenhamel-Festzelt zu einem Eklat gekommen sei. »Die Mitarbeiter im Rathaus und alle Parteien haben dort Tische, die sie nutzen können. Die Stimmung ist immer sehr schön und friedlich, man sitzt parteiübergreifend zusammen.« Doch dann seien Leute vom Nachbartisch aufgestanden und hätten zum Lied »Sweet Caroline« umgedichtet »Free Palestine« gesungen.

FDP-Fraktionssprecher Jörg Hoffmann berichtete dem Blatt, dass er daraufhin auf die teilweise aus Mitgliedern der Linken-Jugend bestehende Gruppe zugegangen sei und sie zum Aufhören aufgefordert habe. Einige Frauen der Gruppe seien später an seinen Tisch gekommen und hätten ihn »Völkermörder« genannt. Außerdem habe eine Frau ihm eine Ohrfeige verpasst.

»Was mir geschildert wurde, ist ein No-Go. Ich bin auch persönlich sehr angefasst. Ich habe mich sofort dafür bei Herrn Hoffmann entschuldigt«, teilte der Fraktionschef der Linken im Münchner Rathaus, Stefan Jagel, der Deutschen-Presse-Agentur (dpa) mit. Die für die Ohrfeige verantwortliche Frau sei kein Linken-Mitglied, sondern als Freundin eines Linken mit in der Runde gewesen. Der Vorfall werde auch auf der Kreisvorstandssitzung besprochen – und er habe selbst noch ein Gespräch mit der Frau persönlich.

Die Konsequenz des Oberbürgermeisters könne er nachvollziehen, sagte Jagel. Es sei aber ärgerlich, dass er nun anderen, gar nicht involvierten Gästen der Linkenfraktion auch absagen musste.

Wiesn kein Ort für politische Agitation

»Die Wiesn ist kein Ort für politische Agitation. Vollkommen inakzeptabel ist der körperliche Angriff auf unseren Stadtratskollegen Jörg Hoffmann, dem meine volle Solidarität gilt«, sagte Krause der Nachrichtenagentur dpa: »Gewalt darf nie ein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein.« Es sei aber ein gutes Zeichen, dass sich Jagel bei Hoffmann entschuldigt habe.

Der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle verurteilte das Verhalten der Linken-Gäste in der Ratsboxe. Politisch motivierte Aggression von Mitgliedern oder Anhängern der jungen Linken am Oktoberfest dürfe man nicht dulden. »Die Wiesn ist ein Ort der friedlichen Begegnung und des Feierns.«

kim/dpa/AFP